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Das Jahr der Kraniche - Roman

Das Jahr der Kraniche - Roman

Titel: Das Jahr der Kraniche - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Blanvalet-Verlag <München>
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hatte Jan den Lichtschalter inzwischen kontrolliert. Er war in Ordnung gewesen. Als Jan ihn betätigt hatte, hatte er auch funktioniert.
    Wahrscheinlich nur ein Wackelkontakt.
    Sie würde Jan bitten, endlich einen Elektriker kommen zu lassen, der die Leitung überprüfte.
    Ein kalter Windhauch strich über ihr Gesicht. Laura schlug fröstelnd die Arme um sich.
    Ich bin doch echt bescheuert.
    Sollte der Hund doch machen, was er wollte. Sie würde wieder ins Bett gehen. Die Nacht ist zum Schlafen da. Und das würde sie jetzt auch wieder tun.
    Doch als sie gerade die Schlafzimmertür wieder öffnete, hörte sie es deutlich. Irgendwo ging eine Tür. Und da waren auch die Schritte wieder. Sehr deutlich dieses Mal. Eine Gänsehaut breitete sich über ihre Glieder aus. Bis hinauf in den Nacken spürte sie nun die Furcht wandern. Sie war kurz davor, Jan zu wecken, doch sie entschied sich, der Sache allein auf den Grund zu gehen.
    Vorsichtig stieg sie die Treppe hinab, überging bewusst die vierte Stufe. Der Vollmond beleuchtete die Halle mit seinem weißen Licht. Deutlich konnte sie den Hund erkennen, der zusammengerollt in seinem Korb tief schlief. Wäre er nicht aufgewacht, wenn jemand ins Haus gekommen wäre? Hätte er nicht gebellt? Sie lauschte in die Stille. Nur das Rauschen der Buchen war zu hören und das leise Ticken der Kaminuhr, die Jan in den letzten Tagen schon mindestens dreimal aufgezogen hatte. Als die schwere Haustür aufflog, schrie Laura leise auf. Jetzt wachte auch der Hund auf. Er kam zu ihr und schleckte ihr mit einem leisen Fiepton die nackten Beine. Lauras Atem ging stoßweise. Jemand war im Haus gewesen. Und als er sie hatte herunterkommen hören, war er abgehauen. Zögernd ging sie auf die offene Haustür zu, deren Flügel, so schwer sie waren, leise hin und her schlugen. Sie trat hinaus– und schalt sich dafür gleichzeitig eine Närrin. Was, wenn der Einbrecher vor der Tür auf sie wartete und sie niederschlug? Sie sollte die Tür verschließen und die Polizei rufen.
    »Laura?«
    Das Licht ging an. Laura fuhr herum. Sie fühlte sich zwar erleichtert, als sie Jan die Treppe herunterkommen sah, aber zugleich war sie plötzlich auch wütend. Wieso funktionierte bei ihm das Licht und bei ihr nicht?
    »Ich glaube, da war jemand im Haus. Ich habe Schritte gehört, und plötzlich war die Haustür offen. Wahrscheinlich ist er abgehauen, als er mich kommen hörte.« Sie versuchte, sich ihre Angst nicht anmerken zu lassen. »Ich wollte gerade die Polizei anrufen.«
    »Aber wer sollte denn hier einbrechen, mitten im Nirgendwo? Mal ganz davon abgesehen, dass hier nichts zu holen ist.«
    »Vielleicht hatte er es auf die Antiquitäten abgesehen, die Kaminuhr, was weiß ich? Oder auf die Bilder. Die sind doch bestimmt ganz schön wertvoll.«
    »Und wieso hat er dann gewartet, bis ich zurück bin? Das Haus ist jahrelang unbewohnt gewesen. Jeder, der vorbeikam, hätte es locker ausräumen können.« Es war klar, dass Jan nicht an den Einbrecher glaubte. »Außerdem hätte der Hund doch angeschlagen, wenn ein Fremder sich Zutritt verschafft hätte.«
    Aber sie hatte es gehört. Die Schritte, die Tür. Sie war doch nicht verrückt.
    »Vielleicht hat er nicht mitbekommen, dass wieder jemand im Haus ist.«
    »Das Auto steht vor der Tür, Liebling. Auf der Terrasse stehen Möbel. Die Fensterläden sind offen. Deutlichere Zeichen dafür, dass hier jemand wohnt, gibt es doch nicht.«
    Laura war nur allzu bereit, sich von Jan beruhigen zu lassen. Er hatte ja recht. Es hätte schon ein vollkommen dämlicher Einbrecher sein müssen, der in dieses Haus einbrach. Hatte sie sich das alles nur eingebildet? Aber sie war in ihrem Leben nie besonders schreckhaft gewesen. Sie war nachts allein durch München von der Diskothek heimgewandert, sie hatte allein gewohnt, und nie hatte sie sich Gedanken darüber gemacht, ob ihr jemand Böses wollte.
    Jan trat vor die Tür. Der Garten lag im Mondlicht. Nur die Blätter der Bäume und der Büsche bewegten sich leicht im Wind.
    »Kann ich dich ein paar Tage allein lassen?«
    Jan hatte die Einladung zu einem Wettbewerb für einen Kaufhauskomplex erhalten, der in Köln gebaut werden sollte. Er wollte den Auftrag unbedingt an Land ziehen, das wusste Laura. Es war nicht einfach für ihn, in Deutschland beruflich wieder Fuß zu fassen. Zwar war er ein bekannter Architekt, aber in der Zeit, die er im Fernen Osten verbracht hatte, hatten sich hier viele neue, sehr gute Architekten einen Ruf

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