Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)
stiller als sonst.«
»Aber sprich vor allem mit Girard und überzeuge ihn, uns zu helfen. Und wenn ihr sonst noch ein paar Kerle findet, die im Süden ihr Glück machen wollen, dann sind sie mir willkommen. Nur sollen es meine Brüder nicht wissen.«
»Verstanden. Und Alberada? Hast du ihr nichts zu sagen?«
»Sag ihr …« Er stockte und wusste plötzlich nicht weiter. Bei allen Göttern, so verlegen hatte ich ihn noch nie erlebt. »Sag ihr, dass ich es kaum aushalten kann ohne sie.«
»O Mann. Dich hat’s aber mächtig erwischt.«
Er grinste. »Wieso muss ich mir eigentlich solche Frechheiten von dir gefallen lassen?«
Am nächsten Morgen machten wir uns für die Reise fertig. Als Thore Wind davon bekam, wohin wir ritten, bettelte er, ihn mitzunehmen. Warum ihm das so wichtig war, wollte er nicht verraten, aber ich hatte so meine Vermutungen.
Es war weit kühler und angenehmer auf den Straßen als im Frühsommer, weshalb wir gut vorankamen. Aber vielleicht auch, weil ich die anderen ständig drängte, sich zu beeilen.
»Hör auf, uns zu hetzen, Mann«, meckerte Thore eines Morgens. Ich saß schon im Sattel, während er noch an seinem Käse kaute. »Du kriegst sie noch früh genug zu sehen.«
»Tu nicht so scheinheilig«, erwiderte ich. »Auf dich wartet doch auch die eine oder andere. Hab ich recht?«
Er zwirbelte an seinem Bart und grinste. »Meinst du meine beiden Hübschen am Stadtrand?«
»Warum sonst wolltest du unbedingt mitkommen?«
Er lachte. »Na ja. Cassano ist ganz nett, aber Melfi hat da mehr zu bieten.«
»Ja, zwei Weiber auf einmal, schätze ich. Und auch noch Schwestern. Du solltest dich schämen.«
»Die sind wirklich sehr lieb, die beiden. Ich werd dich ihnen mal vorstellen.«
»Nein danke. Ein Mädel reicht mir schon.«
Er stieg in den Sattel. »Na gut. Wie du willst.«
»Was ist mit mir?«, fragte Reynard mit einem Augenzwinkern. »Stell mich doch mal vor.«
»Du?« Thore sah ihn zweifelnd an. »Du bist doch viel zu alt zum Vögeln.«
Damit gab er seinem Gaul die Sporen, gerade noch rechtzeitig, bevor Reynard ihm ein blaues Auge verpassen konnte.
Eigentlich hätten wir Reynard nicht gebraucht, denn ungeachtet der Meinung Roberts über mein Lombardisch konnte ich mich inzwischen recht gut verständigen. Fürs Nötigste reichte es allemal. Aber es war eine Freude, mit Reynard und Thore zu reiten. Und auch mit Fulko verstanden wir uns gut.
Mehr als ein Jahr waren wir jetzt in diesem Italia. Es fühlte sich fast schon wie zu Hause an. Und doch dachte ich manchmal zurück an unser kleines Dorf in der Normandie und an meinen Freund Roger und seine Brüder, mit denen ich mich einst gebalgt hatte. So musste es auch für Robert gewesen sein, als er noch ein Junge war. Denn gezankt und geprügelt hatten sich auch die Älteren, wie es hieß, und dafür Maulschellen von Fressenda bezogen, wenn sie es zu arg getrieben hatten. Und jetzt? Jetzt waren sie Barone und Kriegsherren in diesem fremden Land. Und stritten sich noch immer.
»Hast du eigentlich noch Gewissensbisse wegen Monte Sant’Angelo?«, fragte ich Fulko eines Nachmittags. Wir hatten in einer verlassenen Scheune Unterschlupf vor dem Regen gefunden.
Er starrte lange auf seine Hände.
»Es war ein Verbrechen gegen Gott«, sagte er schließlich und blickte auf.
»Ist doch nur Gold, Mann«, meinte Reynard. »Was sollte dein Gott dagegen haben? Die Priester bestehlen die Bauern und wir die Priester. Was ist daran so schlimm?«
»Du hast gut reden, Reynard, du glaubst nicht an Gott. Aber für mich sind wir in einen heiligen Ort eingedrungen und haben geweihte Gegenstände geraubt. Und sogar getötet.«
Jetzt war ich es, dem er direkt in die Augen starrte, und ich erinnerte mich an den Mann, den ich umgebracht hatte, und an den mahnenden Finger des Heiligen an der Wand der Felsgalerie. Ich gebe zu, mir wurde etwas ungemütlich bei dem Gedanken.
»Das wird mit dem Höllenfeuer bestraft«, fuhr er fort. »Und ich hasse Robert, dass er uns dazu gezwungen hat. Mich selbst noch mehr, dass ich mitgemacht habe.«
Da war es also endlich raus. Deshalb war er die ganze Zeit so niedergeschlagen gewesen und hatte Robert nicht recht in die Augen blicken können. Wir schwiegen eine Weile, während jeder darüber nachdachte.
»Aber du hasst Robert nicht wirklich, oder?«
»Nein, Thore. Nicht wirklich. Er sagt, er ist Christ, aber ich glaube, im Herzen ist er noch nicht bei Christus angekommen.«
Reynard schüttelte den Kopf. »Wir
Weitere Kostenlose Bücher