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Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Titel: Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ulf Schiewe
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grinste boshaft, und ihre Augen funkelten. Sie schien jetzt ganz in ihrem Element zu sein. Rasch blickte sie sich um und flüsterte mit vorgehaltener Hand: »Die Domina ist eifersüchtig. Sie will nicht, dass die hübsche Alberada euren Roberto kriegt. Dabei kann man’s ihr nicht mal verdenken.« Sie hatte plötzlich einen träumerischen Ausdruck in den Augen. »Dieser Robert. Ein rechtes Mannsbild. Die Frau ist nicht geboren, die den nicht in ihr Bett kriegen möchte.«
    »Du spinnst, Maria«, sagte ich. »Was redest du für einen Unsinn? Noch dazu von unserer Fürstin.«
    »So, Unsinn meinst du«, rief sie patzig und erhob sich. »Ihr wolltet meine Meinung. Jetzt habt ihr sie.« Damit warf sie den Kopf in den Nacken und ging. Reynard sah ihr mit hungrigen Augen auf den Hintern, während sie sich entfernte.
    »Meint ihr, da ist was dran?«, fragte er, nachdem er sich von dem Anblick losgerissen hatte.
    Fulko schüttelte den Kopf. »Kann ich mir nicht denken. Das ist nur Weibergeschwätz.«
    Ich wollte es den anderen gegenüber nicht erwähnen, aber an die heimlichen Blicke unserer Domina konnte ich mich noch gut erinnern. Als ob sie Robert mit Haut und Haar verschlingen wollte. Vielleicht war eben doch etwas an der Sache, und Girard hatte Angst bekommen, er könnte dem geballten Druck von Pierron, Drogo und Gaitelgrima nicht länger standhalten.
    »Wenn Pierron gedroht hat, Alberada zu entführen«, sagte ich, »könnte das erklären, warum Girard sich mit den Frauen aus Melfi zurückgezogen hat.«
    »Glaube ich nicht«, zweifelte Fulko. »Er hat doch genug Männer, um sie zu beschützen. Pierron muss er nicht fürchten. Und wohin sollte er gehen?«
    »Hat er nicht irgendwo eine Burg in Buonalbergo?«
    »Bevor wir uns unnütz auf die Reise begeben, warten wir erst mal ein paar Tage ab«, entschied Fulko. »Vielleicht ist alles ganz anders, denn auf das Gerede einer Schankmagd gebe ich nichts.«
    Nachdem wir gegessen hatten, beschlossen Fulko und ich, müde wie wir waren nach dem langen Tagesritt, zu Girards Haus zurückzukehren. Ich war immer noch so maßlos enttäuscht, Gerlaine nicht angetroffen zu haben, dass mir jede Lust auf Gesellschaft vergangen war. Reynard dagegen wollte noch eine Weile bleiben. Vermutlich machte er sich Hoffnungen, mit Maria anzubändeln.
    Wir waren fast schon am Burgtor angelangt, als uns ein Bediensteter nacheilte.
    »Ist einer von euch Gilberto?«, rief er.
    »Was willst du von mir?«
    »Die Domina will dich sprechen. Allein.«
    »Mich?«, fragte ich erstaunt. »Wozu?«
    »Das hat sie nicht gesagt.«
    »Geh nur«, meinte Falko und verabschiedete sich.
    Verwundert folgte ich dem Bediensteten. Was um alles in der Welt wollte die Contessa von mir? Der Mann führte mich in einen der Türme, an Wachen vorbei und eine enge Stiege hinauf. Auf dem ersten Absatz öffnete er eine dicke Eichentür, trat hinein und kündigte mich an. Dann winkte er mir, ihm in das Turmgemach zu folgen.
    Erstaunt sah ich mich in der Kammer um. Sie war geräumiger, als ich vermutet hatte, und mit allen erdenklichen Bequemlichkeiten ausgestattet. Teppiche hingen an den Wänden und lagen sogar auf den gewachsten Bohlen des Fußbodens; es gab edle Möbel und Truhen aus dunklem Holz, Stühle und Bänke, die mit buntbestickten, seidenen Polstern zum Verweilen einluden. Der Raum schimmerte gemütlich in goldenem Kerzenlicht, und ein loderndes Feuer im Kamin sorgte für angenehme Wärme. So lebten nur edle Mauren, hatte ich mir sagen lassen.
    »Danke, dass du gekommen bist«, hörte ich eine Frauenstimme und erkannte Gaitelgrima, die in einer Ecke saß und mich neugierig musterte.
    Hinter mir fiel die Tür zu, und als ich mich umdrehte, war der Bedienstete verschwunden. Es war nicht zu glauben. Ich, der Schweinehirt aus Hauteville, befand mich hier ganz allein in Gegenwart einer lombardischen Prinzessin. Mir schwindelte ein wenig bei dem Gedanken. Hastig fiel ich auf ein Knie.
    »Salve, Domina«, stammelte ich. Lando hatte mir beigebracht, wie man eine hohe Dame grüßte.
    Ihren Stickrahmen legte sie zur Seite und befahl mir, mich zu ihr zu setzen. Schüchtern ließ ich mich nieder.
    »Du bist Robertos Knappe«, sagte sie. Ihre Stimme klang überraschend herzlich und gar nicht hochmütig. »Ich erinnere mich noch gut an den Tumult in der Halle, den du angezettelt hast.«
    »Tut mir leid, Domina«, murmelte ich verlegen.
    »Nun, es war durchaus divertente. Wie sagt man das auf Fränkisch, unterhaltend, nicht wahr?« Sie

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