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Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Titel: Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ulf Schiewe
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lachte ausgelassen, und ich überlegte, ob ich mich vielleicht in ihr getäuscht hatte.
    »Und wie geht es deiner wilden Freundin?«
    »Sie ist verschwunden. Mit Baron Girard und seinen Männern. Wisst Ihr, wo er sich aufhalten könnte?«
    Bei Girards Namen verdunkelte sich ihr Antlitz.
    »Girard di Buonalbergo ist nicht sehr treu gegenüber seinem Herrn. Ausgerechnet jetzt zieht er seine Männer ab, obwohl doch alle gebraucht werden.«
    Ich musste sie verständnislos angesehen haben, denn sie fügte hinzu: »Es kommen schwere Zeiten auf uns zu. Feinde verbünden sich gegen Salerno und gegen die Normannen. Ihre Stärke nimmt täglich zu. Mein Bruder Guaimar ist sehr beunruhigt. Und Drogo, mein Gemahl, ebenfalls.«
    »Man hört, die Barone sind zerstritten.«
    »Wegen eines dummen Mädchens.« Ihre Mundwinkel zeigten geringschätzig nach unten. »Als ob es nichts Wichtigeres gäbe.«
    Wie wir gehört hatten, war die Contessa vermutlich nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung. Und Streit gab es nicht nur wegen Alberada. Aber ich hütete mich, solche Dinge zu erwähnen.
    »Doch deshalb habe ich dich nicht rufen lassen.« Jetzt lächelte sie wieder freundlich. »Wie geht es Roberto, meinem guten cognato? Ich hatte mich für ihn eingesetzt, wie du weißt. Erzähl, wie es euch in Calabria ergangen ist.«
    Ich gab ihr einen ausführlichen Bericht über unsere Abenteuer, dem sie aufmerksam lauschte. Hier und da stellte sie kluge Fragen oder nickte angeregt. Über die fieberverseuchte Burg und den heruntergekommenen Zustand, in dem wir sie vorgefunden hatten, schüttelte sie mitfühlend den Kopf. Auch war sie entsetzt, dass wir aus Mangel an Männern gezwungen gewesen waren, Barbaren wie diese Albaner in unsere Reihen aufzunehmen, obwohl ich ihr versicherte, wir kämen gut mit ihnen aus. Aber als ich von der Geiselnahme des fetten Statthalters von Bisignano erzählte, da sprühten ihre Augen vor Bewunderung und Vergnügen.
    »Nur jemand wie Roberto könnte das fertigbringen«, rief sie und lachte aus vollem Halse. Obwohl sie keine Schönheit war, so hatte sie doch etwas sehr Anziehendes, ein inneres Feuer. Jetzt verstand ich, warum Onfroi sie mochte.
    »Das muss ich Drogo erzählen«, versprach sie. »Und auch, wie nötig ihr Verstärkung braucht. Er soll nicht so streng mit seinem Bruder sein.«
    Gut, dachte ich, dann hat sich unser Ritt nach Melfi vielleicht doch gelohnt.
    »Sag mir«, fuhr sie fort, »was macht ihr Männer dort eigentlich so ganz ohne Frauen? Es geht mich ja nichts an, aber …«
    Sie musste gemerkt haben, wie seltsam die Frage war, denn sie ließ den Satz unvollendet. Auch ihre Wangen hatten sich gerötet. Aber vielleicht war das nur der Wärme des Kaminfeuers geschuldet.
    »Nun, einige haben sich mit Mädchen aus dem Dorf angefreundet«, antwortete ich vorsichtig.
    »Und Roberto?« Sie lachte verlegen.
    »Nein, ganz und gar nicht«, beeilte ich mich zu sagen.
    »Ist ja auch nur eine dumme Frage«, meinte sie lächelnd und wirkte doch erleichtert. »Männer sind schließlich, wie sie sind, non é vero? «
    Darauf wusste ich nichts zu erwidern.
    »Ich danke dir für deinen Bericht, Gilberto. Und dieses Gespräch bleibt unter uns. Du verstehst?«
    Ihr Lächeln war so süß wie Honig.
    Ich beeilte mich, sie meiner Verschwiegenheit und Treue zu versichern, woraufhin sie mir einen Beutel mit Silbermünzen in die Hand drückte.
    Da fasste ich mir ein Herz, noch einmal die Frage zu stellen, die mich bewegte. »Ihr wisst wirklich nicht, Domina, wo Girard sein könnte? Es ist wichtig.«
    Bei diesen Worten zogen sich ihre Brauen so zornig zusammen, dass ich einen Schreck bekam. Man konnte sich nur wundern, wie kalt diese samtbraunen Augen auf einmal blicken konnten. Plötzlich hatte ich wieder eine andere Gaitelgrima vor mir. Eine, die mir nicht geheuer war.
    »Ich weiß es nicht, und es ist mir auch egal«, herrschte sie mich an. »Und jetzt geh.«
    *
    Das Gespräch mit der Fürstin hatte mich beunruhigt. Natürlich war es schmeichelhaft, dass sie Anteil an unserem Leben in Kalabrien nahm. Aber so viel Aufmerksamkeit für Robert? Dass es mehr als verwandtschaftliche Zuneigung sein musste, bewies ihre heftige Feindseligkeit gegenüber Alberada und die hartnäckigen Bemühungen, sie von Robert fernzuhalten. Man konnte nur hoffen, dass Drogo niemals von ihren wahren Beweggründen erfuhr. Außerdem tat mir Girard leid. Aus Treue zu Robert musste er es von allen Seiten einstecken. Kein Wunder, dass er das Weite

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