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Dave Duncan

Dave Duncan

Titel: Dave Duncan Kostenlos Bücher Online Lesen
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wahr?«
    Sagorn spitzte die Lippen und verstärkte dadurch die Falten über seiner Oberlippe. »Das nehme ich an. Nun, Königin Inosolan, sollen wir statt dessen Inissos magisches Fenster ausprobieren?«
    Auf ihrem Gesicht zeigten sich die Anstrengungen eines unerträglichen Tages, aber Inos erhob stolz ihren Kopf. »Wenn Ihr es wünscht, Doktor.« Niemand rührte sich. Köter hechelte, und der Wind heulte um die Zinnen. Schwache Geräusche von Axthieben der Imps drangen nach oben.
    »Ist das aufregend!« rief Prinzessin Kadolan aus. »Ich wollte schon immer echte Magie erleben. Wer geht zuerst? Ihr, Doktor Sagorn?« Er sah sie ungläubig an und nickte. »Das nehme ich an. Kommt hierher, Master Rap.«
    Rap ging zu ihnen hinüber, und die eisige Kammer wurde sofort in Dunkelheit getaucht, in der Inos Kerze kaum zu sehen war. Dann ging Sagorn langsam auf das Fenster zu. Erneut schien das Licht auf den staubigen, mit Fußspuren übersäten Fußboden, und dieses Mal schien es sich um normalen Sonnenschein zu handeln – weiß, aber ohne den furchterregend grellen Schimmer, den Rap hervorgerufen hatte.
    Sagorn trat näher und betrachtete die Symbole auf den winzigen Scheiben. Wie zuvor hatte Rap das Gefühl, daß sie sich veränderten, aber die Verwandlung ließ sich nicht nachvollziehen. Eine rote Spirale in der unteren linken Ecke lag weiter rechts, als er gedacht hatte, die gold-grüne Muschel weiter oben, eine Gruppe silberner Glocken mit blauen Blütenblättern…
    Dann nahm der hagere alte Mann seinen ganzen Mut zusammen. Er griff nach dem Verschluß in der Mitte, knurrte leise, als klemme der Griff, und zog die beiden Flügel zu sich heran. Als er zurücktrat, schwang das Fenster auf.

2
    Ein Schwall heißen, trockenen Windes wirbelte durch die Kammer und wühlte den Staub zu Wolken auf, die die Augen zum Brennen brachten. Auch das Sonnenlicht stach in Raps Augen, und einen Augenblick lang blinzelte er und bemerkte nur, daß der helle Sand vor dem Fenster nur wenig niedriger lag als der Boden in der Kammer, als sei der Turm eingesunken. Als er sich an den Sonnenschein gewöhnt hatte, entdeckte er, daß er über eine Ebene blickte, einen sandigen, felsigen Untergrund, der zu einer zerklüfteten, sonnenüberfluteten Klippe aus schwarzem Stein führte, an deren Fuß sich Geröll stapelte. Die Vegetation bestand nur aus einigen dornigen Ansammlungen irgendeiner Pflanze, die er noch nie gesehen hatte; die Hitze, die von der Brise hereingetragen wurde, legte sich drückend über sie.
    Es war wirklich und doch nicht wirklich. Seine Sinne bestanden darauf, daß er ungefähr ein Stockwerk über der Erde in einem Zimmer stand und aus einem offenen Fenster sah. Selbst der Duft der Luft war wirklich, und die Hitzewellen wurden vom Sand reflektiert. Doch seine Sehergabe erspürte außerhalb des Fensters gar nichts. Er hatte sich bereits so daran gewöhnt, sein okkultes Talent zu benutzen, daß ihn das Versagen der Gabe aus dem Gleichgewicht brachte und er sich schwindelig fühlte.
    In der Ferne suchten sich drei Männer zwischen den Felsen ihren Weg am Fuß der Klippe entlang. Er fragte sich, warum sie nicht über den flachen Untergrund liefen. Sie hatten die Kapuzen ihrer Roben über den Kopf gezogen, um sich gegen die glühende Sonne zu schützen, so daß er ihre Gesichter nicht sehen konnte. Der vordere war der größte, und sein Gang erschien Rap vertraut.
    »Das da in braun seid Ihr, Doktor Sagorn, nicht wahr?« fragte Prinzessin Kadolan.
     
    Sagorn trat einen Schritt zurück und antwortete, ohne sich umzudrehen. »Ja, das könnte vielleicht sein. Ich frage mich, wer die anderen sind.«
    Außer dem schwachen Knistern des Windes, der vertrocknete Äste in den verdorrten Büschen unter dem Fenster aufwirbelte, war kein Laut zu hören.
    Die Männer blieben stehen und sahen gen Himmel. Sie schienen etwas zu beobachten, der mittlere zeigte auf irgend etwas. Sie gingen weiter, und als der erste Mann auf einen besonders großen Felsbrocken zuging
– so groß wie eine kleine Hütte – wandte er sich dem Fenster und den Zuschauern zu. Das war gewiß Sagorn, und Strähnen seines weißen Haares fielen in sein hageres, kantiges Gesicht, doch er war zu weit weg, als daß man seine Stimme hätte hören können.
    Der zweite Mann folgte ihm. Er trug eine grünliche Robe und Kapuze, und sein Gesicht war zu blaß, um nicht jotunnisch zu sein, obwohl er kleiner war als die meisten Jotnar. Das einzige, dessen Rap sich sicher sein konnte,

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