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Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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glauben, erscheint ihnen unser Tugendanspruch einfach prätentiös. Wir sollen nicht bloß tatsächlich anders sein wie sie, nein, sie wollen sich dieses Unterschiedes auch bewußt werden. Und so glaube mir denn, es wird ihnen gar nicht schwer, uns zu pardonnieren, aber uns zu respektieren, ist ihnen lästig und unbequem. Du hast keine Vorstellung davon, in wie vielerlei Kleider sich der menschliche Hochmut steckt. Und auch die Gräfin drüben, sosehr ich sie verehre, wird schließlich keine Ausnahme machen… Aber sieh nur, wer ist denn der alte Herr, der sich drüben im Hotel eben über die Balkonbrüstung lehnt und hierher lorgnettiert, als kenn’ er uns? Ist das nicht…?«
    Und im selben Augenblick erkannten beide den alten Grafen und erwiderten seinen Gruß.
    Wirklich, er war es, und ehe sich beide Damen noch in ihren Verwunderungen und Mitteilungen erschöpft hatten, erschien er bereits in Person, um ihnen einen Morgenbesuch zu machen. Er war unbefangen, auch Franziska gegenüber, und lächelte nur, als Phemi genauso, wie sie damals Egon bestürmt hatte, halb in wirklicher und mehr noch in erkünstelter Neugier mit hundert Fragen auf ihn einzudringen begann. Es habe verlautet, wenn auch nur gerüchteweise, daß er den Sommer in Trouville zubringen werde; statt dessen habe, wie der Augenschein lehre, Wien oder doch Öslau gesiegt, woraus sie den Schluß ziehe, daß das entkaiserte Frankreich auch zugleich ein entzaubertes Frankreich für ihn gewesen sei.
    Der Graf in seiner Antwort schwankte zwischen Zugeben und Bestreiten und versteckte dabei den eigentlichen und wahren Grund seiner Rückkehr hinter allerlei Scheingründen, in deren übermütiger und etwas grotesker Ausmalung er sich gefiel. Es sei wirklich sein Plan gewesen, während der heißen Monate nach Trouville zu gehen, aber weil die Saison erst Mitte Juli beginne, habe er zuviel Zeit gehabt, sich in seiner Phantasie mit dem Badestrand und seinen Bildern zu beschäftigen, eine Beschäftigung, an der schließlich die ganze Reise gescheitert sei; was übrigens niemanden in Verwunderung setzen werde, der das Übergewicht der Vorstellung über die Wirklichkeit irgendeinmal an sich selbst erfahren habe. Das fait accompli bedeute gemeinhin nicht viel, aber in der Erwartung der Dinge liege Himmel und Hölle. Das habe sich ihm in den Tagen seiner Phantasiebeschäftigung mit dem Trouviller Badestrand auch wieder recht fühlbar gemacht. Er habe nichts gegen Urzuständlichkeiten, und das letzte, woran er kranke, sei Prüderie, ja das Paradiesische, das Mittelafrikanische, das Mythologische, gleichviel, welcher Ausdruck seitens der Damen bevorzugt werde, werde niemals von ihm beanstandet werden; aber er hasse die Mischungen und müsse statt ihrer auf Einheit und Reinheit des Stiles dringen. Jeder ehrlich gemeinte Versuch, das alte Theatervorhangthema: Neptun und Arion samt dem ganzen Corps de ballet der Weltmeere zu neuem, wirklichem Leben erblühen zu lassen, dürfe seiner Zustimmung ein für allemal sicher sein, aber verschämte Halbzustände, Zustände, die nicht Fisch und Vogel seien, hätten diese seine Zustimmung mit gleicher Entschiedenheit nicht. Und so dürfe er sich denn allerdings berühmen, ausschließlich unter der Wucht ästhetischer Bedenken einen fluchtartigen Rückzug aus Frankreich angetreten zu haben.
    Während er so sprach, war Lysinka neugierig aus ihrer Hängematte herausgekrochen und stellte sich ohne jede Spur von Verlegenheit mit an den Tisch, ganz so, wie verwöhnte Kinder zu tun pflegen. Ihr Auge ging dabei beständig umher und sah jeden einzelnen fragend und doch auch wieder halb verständnisvoll an. Es war ersichtlich, daß sie dem alten Grafen, der unwillkürlich seine Hand über ihr langes blondes Haar hingleiten ließ, ungemein gefiel; ehe er aber eine Frage zu tun imstande war, sagte Phemi, die mit Franziskas aufsteigender Verlegenheit ein Mitleid haben mochte: »Das war nun also Trouville, Herr Graf. Und nun Paris, Paris, von dem ich so gerne höre, das mein Ideal und meine Sehnsucht war von Kindheit an und das ich schon um meiner Kunst willen so gern gesehen und befragt und studiert hätte. Ja, wirklich, um meiner Kunst willen. Eine reizende junge Kollegin von mir, natürlich Liebhaberin, phantasierte neulich sogar von der Heiligkeit ihrer Kunst. Es war komischer als Tewele. Doch ich verirre mich von der Hauptsache, von Paris, über das wir, nicht wahr, Fränzl, um so lieber berichten hören, als uns Graf Pejevics gestern erst

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