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Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charles Dickens
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nie einen halben Penny abnehmen. Nicht wenn du zwanzig Kinder kriegen solltest.«
    Mr. Britains Gesicht nahm einen sehr ernsten Ausdruck an und sah starr an die Wand.
    »Ist das nicht recht freundlich?« sagte Clemency.
    »Gewiß«, entgegnete Mr. Britain. »Aber es ist eine Freundlichkeit, die ich um keinen Preis in Anspruch nehmen möchte.«
    »Nein«, entgegnete Clemency. »Natürlich nicht. Dann ist das Füllen es hat acht Pfund zwei Schilling eingetragen; und das ist nicht übel, nicht wahr?«
    »Es ist sehr gut«, sagte Ben.
    »Ich freue mich, daß du zufrieden bist«, rief seine Frau. »Ich dachte es mir schon; und das, glaube ich, ist alles. Aber jetzt Schluß, Britain. Ha, ha, ha! Hier. Nimm die Papiere und prüfe sie. Doch halt, noch einen Augenblick! Hier ist noch ein gedruckter Zettel. Frisch aus der Druckerei. Wie gut er riecht!«
    »Was ist das?« sagte Tim und betrachtete das Blatt.
    »Ich weiß nicht«, antwortete seine Frau. »Ich habe kein Wort davon gelesen.«
    »Verkauf durch freiwillige öffentliche Versteigerung«, las der Wirt, »unter Vorbehalt früheren Privatübereinkommens.«
    »Das schreiben sie immer darauf«, sagte Clemency.
    »Ja, aber doch nicht immer dieses«, versetzte er. »Schau her: Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude, Park und Garten von Mr. Snitchey und Craggs und das schuldenfreie Gut von Mich. Warden, Esquire, wegen Fortzugs ins Ausland!«
    »Wegen Fortzugs ins Ausland!« wiederholte Clemency.
    »Hier steht es«, sagte Mr. Britain. »Sieh her.«
    »Und heute hörte ich erst von drüben, daß sie bessere und deutlichere Nachrichten bald senden wolle!« sagte Clemency. Dabei schüttelte sie traurig den Kopf und griff wieder nach ihren Ellbogen, als ob die Erinnerung an alte Zeiten auch alte Gewohnheiten erwecke. »Hm, hm, hm! Das wird drüben wieder die Herzen schwer machen, Ben.«
    Mrs. Britain seufzte, schüttelte den Kopf und sagte, er könne die Angelegenheit von Grund auf nicht begreifen und habe sie längst aufgegeben. Bei dieser Randbemerkung beließ er es und klebte den Zettel hinter die Büfettfensterscheibe, Clemency aber, nachdem sie eine Weile grübelnd dagestanden, machte sich auf und eilte hinaus, um nach den Kindern zu schauen.
    Obgleich der Wirt des Muskatsiebs großen Respekt vor seiner Hausfrau hatte, so blieb diese doch ganz in der alten unterwürfigen Art; und das ergötzte ihn außerordentlich. Nichts hätte ihn in größere Verwunderung gebracht, als wenn ihn ein Dritter darauf aufmerksam gemacht hätte, wie sie allein die ganze Wirtschaft führte und ihn durch kluge haushälterische Weise, frischen Unternehmungsgeist, Ehrlichkeit und Fleiß zum wohlhabenden Manne machte. So leicht ist es in jedem Lebensverhältnis (und gar oft ist es wirklich der Fall), die stillen Naturen, die nie ihre Verdienste zur Schau stellen, nach ihrem eigenen bescheidenen Urteil zu werten und ein unerfreuliches Gefallen wegen äußerlicher Besonderheiten und Scheinvorzüge an Menschen zu finden, deren innerer Wert, wenn wir so tief blicken wollten, uns erröten machen müßte!
    Es erfüllte Mr. Britain mit Wohlbehagen, wenn er an die Herablassung dachte, mit der er Clemency geheiratet. Sie erschien ihm als ein beständiges Zeugnis seines edlen Herzens, und er spürte, daß ihre Trefflichkeit nur den alten Spruch bestätigte, daß die Tugend sich selbst belohne.
    Er hatte den Zettel angeklebt und die Quittungen über die Geschäfte des heutigen Tages in den Büfettschrank geschlossen wobei er immer über ihre Geschäftstüchtigkeit vor sich hinschmunzelte als sie mit der Nachricht zurückkam, daß die beiden Master Britains unter Obhut einer gewissen Betsy im Schuppen spielten, die kleine Clemency aber schlafe »wie ein Engel«. Jetzt ließ sie sich auch zum Tee nieder, der, auf ihr Erscheinen wartend, auf einem kleinen Tisch bereitstand. Es war ein hübsches kleines Büfett mit der üblichen Dekoration von Flaschen und Gläsern und einer gerichteten Uhr, die auf die Minute ging (es war halb sechs). Jeder Gegenstand war an seinem gehörigen Platz und bis auf das äußerste blankgescheuert und poliert.
    »Es ist das erstemal, daß ich heute ruhig zum Sitzen komme«, sagte Mrs. Britain und schöpfte tief Atem, als ob sie nun für den Abend festen Sitz gefaßt hätte, aber sie erhob sich doch gleich wieder, um ihrem Mann Tee einzugießen und Butter und Brot zu schneiden! »wie dieser Zettel mich an alte Zeiten denken läßt!«
    »Ja, ja!« erwiderte Mr. Britain, packte seine Untertasse

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