Der dunkle Turm - Gesamtausgabe
Schwierigkeiten?«
»Keine Schwierigkeiten«, hatte Susan geantwortet, aber einen Augenblick lang dachte sie daran, wie die Hexe neben ihr an der Tür gestanden und Susans Zopf durch die knotige Röhre einer locker geballten Faust hatte gleiten lassen. Sie entsann sich, dass sie hatte gehen wollen, und sie entsann sich, dass sie Rhea gefragt hatte, ob sie jetzt fertig seien.
Nun, vielleicht ist da noch eine winzige Sache, hatte die alte Frau gesagt… glaubte Susan jedenfalls. Aber was war diese Kleinigkeit gewesen? Sie konnte sich nicht erinnern. Aber was spielte es schon für eine Rolle? Sie war Rhea los, bis Thorins Kind ihren Bauch wölben würde… Und wenn das Baby frühestens in der Erntenacht gemacht werden konnte, würde sie frühestens im tiefsten Winter auf den Cöos zurückkehren müssen. Eine Ewigkeit! Und es würde noch länger dauern, wenn sie nicht gleich empfangen würde…
»Ich bin langsam nach Hause gegangen, Tante. Das ist alles.«
»Und weshalb schaust du dann so aus?!«, hatte Tante Cord gefragt und die dünnen Brauen gegen die senkrechte Linie zusammengezogen, die ihre Stirn furchte.
»Wie denn?«, hatte Susan gefragt, ihre Schürze abgenommen, die Träger zusammengeknotet und sie am Haken an der Küchentür aufgehängt.
»Gerötet. Schaumig. Wie Milch frisch aus der Kuh.«
Sie hätte fast gelacht. Tante Cord, die von Männern so wenig wusste wie Susan von den Sternen und Planeten, hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Gerötet und schaumig, ganz genau so fühlte sie sich. »Wahrscheinlich liegt es nur an der Nachtluft«, hatte sie gesagt. »Ich habe einen Meteor gesehen, Tante. Und ich habe die Schwachstelle gehört. Das Geräusch ist heute Nacht sehr laut.«
»Aye?«, hatte ihre Tante ohne großes Interesse gesagt, um dann zu dem Thema zurückzukehren, das sie wirklich interessierte. »Hat es wehgetan?«
»Ein wenig.«
»Hast du geschrien?«
Susan schüttelte den Kopf.
»Gut. Besser so. Immer besser so. Ich habe gehört, es gefällt ihr, wenn sie schreien. Also, Sue – hat sie dir etwas gegeben? Hat die alte Schachtel dir etwas gegeben?«
»Aye.« Sie griff in ihre Tasche und holte den Zettel heraus, auf dem
geschrieben stand. Sie streckte ihn aus, und ihre Tante ergriff ihn mit einem gierigen Blick. Cordelia war in den vergangenen Monaten zuckersüß zu ihr gewesen, aber jetzt, wo sie hatte, was sie wollte (und nachdem Susan zu weit gegangen war und zu viel versprochen hatte, um noch einen Rückzieher machen zu können), war sie wieder zu der giftigen, hochmütigen und häufig misstrauischen Frau geworden, mit der Susan aufgewachsen war; die Frau, die von ihrem phlegmatischen Das-Leben-macht-was-es-will-Bruder zu allwöchentlichen Wutausbrüchen gereizt worden war. In gewisser Weise war das eine Erleichterung. Es war aufreibend gewesen, dass Tante Cordelia Tag für Tag Sybilla Sonnenschein gespielt hatte.
»Aye, aye, da ist ihr Zeichen, in Ordnung«, hatte Susans Tante gesagt und mit den Fingern über die untere Hälfte des Papiers gestrichen. »Es soll einen Teufelshuf darstellen, sagen manche, aber was schert uns das, hm, Sue? Sie mag ein garstiges, abscheuliches Geschöpf sein, aber sie hat es zwei Frauen möglich gemacht, noch ein bisschen länger in der Welt zurechtzukommen. Und du wirst sie nur noch einmal aufsuchen müssen, wahrscheinlich gegen Jahresende, wenn du empfangen hast.«
»Es wird später sein«, hatte Susan ihr gesagt. »Ich soll ihm erst beiwohnen, wenn der Dämonenmond voll ist. Nach dem Erntejahrmarkt und dem Freudenfeuer.«
Tante Cord hatte sie mit großen Augen und offenem Mund angesehen. »Das hat sie gesagt?«
Willst du mich etwa eine Lügnerin nennen, Tantchen?, hatte sie mit einer Schärfe gedacht, die ihr gar nicht ähnlich sah; normalerweise entsprach ihr Naturell mehr dem ihres Vaters.
»Aye.«
»Aber warum? Warum so lange?« Tante Cord war eindeutig außer sich, eindeutig enttäuscht. Bisher waren acht Silber- und vier Goldstücke bei der Sache herausgesprungen; sie waren dort versteckt, wo Tante Cord immer ihre Barschaft aufbewahrte (und Susan vermutete, dass das nicht wenig war, obschon Cordelia bei jeder sich bietenden Gelegenheit Armut vorgab), und doppelt so viel stand noch aus… und würde fällig werden, sobald das blutbefleckte Laken in die Waschküche im Haus des Bürgermeisters gebracht werden würde. Noch einmal dieselbe Summe würde bezahlt werden, wenn Rhea das Baby und dessen Unversehrtheit bestätigte. Alles in
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