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Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Titel: Der dunkle Turm - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
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Plan des Lebens klar machen.«
    »Ihnen eins auf die Finger geben.«
    Jonas strahlte. »Yessir, Partner, vielleicht möchte ich ihnen nur eins auf die Finger geben. Damit sie es sich späterhin zweimal überlegen, ob sie sich mit den Großen Sargjägern anlegen wollen, wenn es darauf ankommt. So, dass sie einen großen Bogen um uns machen, wenn sie uns auf der Straße sehen. Yessir, darüber sollte man nachdenken. Das sollte man wirklich.«
    Er ging die Treppe hinauf, kicherte leise, und sein Hinken war deutlich zu sehen – spät nachts wurde es schlimmer. Es war ein Hinken, das Cort, Rolands alter Lehrmeister, möglicherweise erkannt haben würde, weil Cort den Schlag gesehen hatte, der es verursachte. Corts Vater hatte ihn mit einem Eisenholzschläger ausgeteilt und Eldred Jonas’ Bein im Garten hinter dem Großen Saal von Gilead gebrochen, bevor er dem Jungen dessen Waffe abgenommen und ihn, ohne Revolver, nach Westen geschickt hatte, in die Verbannung.
    Mit der Zeit hatte der Mann, zu dem der Junge herangewachsen war, natürlich einen Revolver gefunden; Verbannte fanden stets Revolver, wenn sie lange genug danach suchten. Dass solche Waffen niemals dasselbe sein konnten wie die großen mit den Sandelholzgriffen, quälte sie möglicherweise für den Rest ihres Lebens, aber wer eine Schusswaffe suchte, konnte sie immer noch finden, selbst in dieser Welt.
    Reynolds sah ihm nach, bis er außer Sicht war, dann setzte er sich an Coral Thorins Tisch, mischte die Karten und setzte das Spiel fort, das Jonas halb fertig liegen gelassen hatte.
    Draußen ging die Sonne auf.

Kapitel 5

W ILLKOMMEN IN DER S TADT
     
1
     
    Zwei Nächte nachdem sie in der Baronie Mejis angekommen waren, ritten Roland, Cuthbert und Alain mit ihren Pferden unter einem Lehmziegelbogen hindurch, auf dem die Worte KOMMET IN FRIEDEN geschrieben standen. Dahinter lag ein kopfsteingepflasterter, von Fackeln beleuchteter Innenhof. Das Harz, mit dem die Fackeln überzogen waren, hatte man irgendwie bearbeitet, sodass sie in verschiedenen Farben flackerten: Grün, Orangerot und in einer Art von sprühendem Rosa, bei dem Roland an ein Feuerwerk denken musste. Er konnte den Klang von Gitarren hören, das Murmeln von Stimmen, das Gelächter von Frauen. Die Luft roch nach den Düften, die ihn stets an Mejis erinnern sollten: Meersalz, Öl und Kiefern.
    »Ich weiß nicht, ob ich das kann«, murmelte Alain. Er war ein großer Junge mit einem störrischen blonden Haarschopf, der unter seinem Viehzüchterhut hervorquoll. Er hatte sich in Schale geworfen – wie sie alle –, aber Alain, der schon unter günstigsten Bedingungen nicht eben ein Salonlöwe war, schien Todesängste auszustehen. Cuthbert hielt sich besser, aber Roland vermutete, dass die Patina der Sorglosigkeit nicht sehr tief reichte. Wenn hier ein Anführer vonnöten war, dann würde er selbst es sein müssen. »Du wirst das prima machen«, sagte er zu Alain. »Nur…«
    »Oh, er sieht prima aus«, sagte Cuthbert mit einem nervösen Lachen, als sie den Innenhof überquerten. Auf der anderen Seite lag das Haus des Bürgermeisters, eine geräumige Lehmziegel-Hacienda mit zahlreichen Flügeln, aus der Licht und Gelächter zu allen Fenstern herauszudringen schienen. »Weiß wie ein Laken, hässlich wie ein…«
    »Sei still«, sagte Roland brüsk, und das spöttische Lächeln verschwand sofort von Cuthberts Gesicht. Roland nahm es zur Kenntnis, dann drehte er sich wieder zu Alain um. »Trink nur nichts mit Alkohol. Du weißt, was du in dem Fall sagen sollst. Und vergiss nicht den Rest unserer Geschichte. Lächle. Sei liebenswürdig. Zieh alle Register gesellschaftlicher Umgangsformen, die du hast. Vergiss nicht, wie sich der Sheriff förmlich überschlagen hat, damit wir uns hier willkommen fühlen.«
    Daraufhin nickte Alain und sah schon etwas selbstsicherer drein.
    »Was die Register gesellschaftlicher Umgangsformen betrifft«, sagte Cuthbert, »werden sie selbst nicht viele haben, daher dürften wir ihnen einen Schritt voraus sein.«
    Roland nickte, dann sah er, dass sich der Vogelschädel wieder an Cuthberts Sattelknauf befand. »Und schaff das Ding weg!«
    Cuthbert verstaute den »Wachposten« hastig und schuldbewusst in seiner Satteltasche. Zwei Männer in weißen Jacken, weißen Hosen und weißen Sandalen kamen näher, verbeugten sich und lächelten.
    »Behaltet einen klaren Kopf«, sagte Roland mit gedämpfter Stimme. »Alle beide. Vergesst nicht, weshalb ihr hier seid. Und vergesst das

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