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Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Titel: Der dunkle Turm - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
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Angesicht eurer Väter nicht.« Er gab Alain, der immer noch zweifelnd dreinschaute, einen Klaps auf die Schulter. Dann drehte er sich zu den Stallknechten um. »Guten Abend, meine Herren«, sagte er. »Mögen Eure Tage auf Erden lang sein.«
    Sie grinsten beide, sodass ihre Zähne in dem extravaganten Licht der Fackeln blitzten. Der Ältere der beiden verbeugte sich. »Und Eure ebenfalls, junge Herren. Willkommen im Haus des Bürgermeisters.«
     
     

2
     
    Der Hohe Sheriff hatte sie tags zuvor ebenso freundlich begrüßt wie nun die Stallknechte.
    Bisher hatten alle sie freundlich begrüßt, sogar die Fuhrleute, an denen sie auf dem Weg in die Stadt vorbeigekommen waren, und das allein machte Roland argwöhnisch und wachsam. Er sagte sich, dass er sich wahrscheinlich albern benahm – natürlich waren die Einheimischen freundlich und hilfsbereit, darum waren sie ja hierher geschickt worden, weil Mejis sowohl abgelegen war als auch dem Bund freundschaftlich gegenüberstand –, und es war wahrscheinlich albern, dennoch fand er, dass es nicht schaden konnte, auf der Hut zu sein. Etwas nervös zu sein. Schließlich waren sie drei kaum mehr als Kinder, und wenn sie hier Ärger bekamen, dann höchstwahrscheinlich deshalb, weil sie alles für bare Münze nahmen, was man ihnen entgegenbrachte.
    Das Büro des Sheriffs und das Baroniegefängnis lagen in der Hill Street über der Bucht. Roland wusste es nicht mit Bestimmtheit, dachte aber, dass nur wenige verkaterte Betrunkene und Männer, die ihre Frauen verprügelten, irgendwo in Mittwelt mit einer derart malerischen Aussicht aufwachten: eine Reihe bunter Bootshäuser im Süden, gleich unterhalb die Piers, wo Jungen und alte Männer ihre Angelruten auswarfen, während die Frauen Netze und Segel flickten; dahinter die winzige Flotte von Hambry, die auf dem funkelnden blauen Wasser der Bucht kreuzte, am Morgen die Netze auswarf und sie am Nachmittag einholte.
    Die meisten Gebäude in der Hauptstraße waren aus Lehmziegeln, aber hier oben, über dem Geschäftsviertel von Hambry, sah man solch klotzige Backsteinhäuser wie in den schmalen Straßen von Gileads altem Viertel. Und ebenso gepflegte, mit schmiedeeisernen Gittern vor den meisten Häusern, und von Bäumen überschattete Wege. Die Dächer waren mit orangeroten Ziegeln gedeckt, die Fensterläden wegen der Sommersonne geschlossen. Als sie durch diese Straßen ritten, wo die Hufe ihrer Pferde auf dem gefegten Kopfsteinpflaster klapperten, konnten sie kaum glauben, dass die nordwestliche Flanke des Bundes – das uralte Land des Eld, Arthurs Königreich – brannte und kurz vor dem Fall stand.
    Das Gefängnis war eine größere Version des Postamts und des Grundstücksamts; eine kleinere Version der Stadthalle. Abgesehen natürlich von den Gittern an den Fenstern, die über den kleinen Hafen blickten.
    Sheriff Herk Avery war ein dickbäuchiger Mann in der Khakiuniform eines Gesetzeshüters. Er musste sie durch das Guckloch in der Mitte der eisenbeschlagenen Gefängnistür beobachtet haben, als sie näher kamen, weil die Tür sofort aufgerissen worden war, noch ehe Roland überhaupt nach der Glocke in der Mitte greifen konnte. Sheriff Avery erschien auf der Schwelle, und sein Bauch eilte ihm voraus wie ein Gerichtsdiener dem Hohen Richter in den Gerichtssaal. Er breitete die Arme zu einem überaus herzlichen Willkommensgruß aus.
    Er verbeugte sich tief vor ihnen (Cuthbert sagte später, er habe schon befürchtet, der Mann könne das Gleichgewicht verlieren und die Stufen herunterrollen; möglicherweise den ganzen Weg bis zum Hafen hinunter), wünschte ihnen wiederholt einen guten Morgen und klopfte sich währenddessen die ganze Zeit wie ein Irrer gegen die Kehle. Sein Lächeln war so breit, dass es aussah, als würde es seinen Kopf in zwei Teile spalten. Drei Hilfssheriffs, die eindeutig das Aussehen von Farmern hatten, aber wie der Sheriff selbst auch Khaki trugen, drängten sich hinter Avery an der Tür und gafften. Genau darum handelte es sich, um ein Gaffen; es gab einfach kein anderes Wort für diese Art von unverhohlen neugierigem und völlig unbefangenem Blick.
    Avery schüttelte jedem der Jungen die Hand, während er sich weiter verbeugte, und nichts, was Roland sagte, brachte ihn dazu, damit aufzuhören. Als er endlich mit der Begrüßung fertig war, führte er sie ins Innere. Trotz der glutheißen Sommersonne war es in dem Büro angenehm kühl. Das war natürlich der Vorteil von Backsteingebäuden. Außerdem

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