Der dunkle Turm - Gesamtausgabe
machen, sind im Augenblick nicht gut für uns. Nicht für Männer, die in der Nachschubbranche tätig sind.«
»Komm schon, das ist eine Strafarbeit, mehr nicht – ein Schlag auf die Finger, weil sie Ärger gemacht haben. Ihre Daddys…«
»Ihre Daddys wissen, dass Farson mittlerweile den gesamten Südwestlichen Rand kontrolliert und fest im Sattel sitzt. Diese Bengel wissen es vielleicht auch – dass die Zeit des Bundes mit seinem Adelsgesindel so gut wie abgelaufen ist. Man kann nie wissen, Clay. Bei solchen Leuten kann man nie sagen, welche Richtung sie einschlagen. Im günstigsten Fall versuchen sie, eine halbwegs anständige Arbeit zu leisten, nur um sich wieder gut mit ihren Eltern zu stellen. Wir werden es besser wissen, wenn wir sie sehen, aber eins will ich dir sagen: Wir können ihnen nicht einfach die Revolver an den Hinterkopf halten und sie abknallen wie ein Pferd mit einem gebrochenen Bein, wenn sie etwas sehen, was sie nicht sehen sollen. Ihre Daddys mögen wütend auf sie sein, solange sie noch leben, aber ich denke mir mal, wenn sie tot sind, wäre alles vergeben und vergessen – so sind Daddys nun mal. Wir sollten vorsichtig sein, Clay; so vorsichtig, wie wir nur können.«
»Dann sollten wir Depape lieber raushalten.«
»Roy kommt schon klar«, sagte Jonas mit seiner zitternden Stimme. Er warf die Kippe seiner Zigarette auf den Boden und trat sie mit dem Absatz aus. Dann sah er dem Wildfang in die Glasaugen und kniff die Augen zusammen, als würde er rechnen. »Heute Nacht, hat dein Freund gesagt? Sie sind heute Nacht angekommen, diese Bengel?«
»Jawoll.«
»Dann, schätze ich, werden sie morgen Avery ihren Besuch abstatten.« Gemeint war Herk Avery, der Hohe Sheriff von Mejis und Polizeipräsident von Hambry, ein großer Mann, der so schlaff war wie ein Bündel Wäsche.
»Denk ich auch«, sagte Clay Reynolds. »Um ihre Papiere zu präsentieren und alles.«
»Ja, Sir, ja, wahrhaftig. Wie geht’s Ihnen, wie geht’s Ihnen, und noch mal wie geht’s Ihnen?«
Reynolds sagte nichts. Er verstand Jonas häufig nicht, aber er ritt seit seinem fünfzehnten Lebensjahr mit ihm und wusste, dass es für gewöhnlich besser war, nicht nach einer Erklärung zu fragen. Tat man es doch, bekam man meistens einen Manni-Kult-Vortrag über die anderen Welten zu hören, die der alte Geier durch, wie er sich ausdrückte, »besondere Türen« besucht hatte. Soweit es Reynolds betraf, gab es genug normale Türen auf der Welt, um ihn beschäftigt zu halten.
»Ich spreche mit Rimer, und Rimer wird mit dem Sheriff darüber reden, wo sie untergebracht werden sollen«, sagte Jonas. »Ich denke an das Schlafhaus der alten Bar K Ranch. Weißt du, wo ich meine?«
Reynolds wusste es. In einer Baronie wie Mejis lernte man die wenigen Orientierungspunkte schnell kennen. Die Bar K war ein menschenleerer Landstrich nordwestlich der Stadt, nicht sonderlich weit von jenem unheimlichen heulenden Canyon entfernt. In jedem Herbst entfachten sie ein Feuer am Anfang des Canyons, und einmal, vor sechs oder sieben Jahren, hatte sich der Wind gedreht und in die falsche Richtung zurückgeweht und den größten Teil der Bar K niedergebrannt – Schuppen, Stallungen und das Haupthaus. Aber das Schlafhaus war verschont geblieben, und es war ein guter Platz für drei Muttersöhnchen aus den Inneren. Es lag fern von der Schräge; es lag auch fern von dem Ölfeld.
»Gefällt dir, was?«, sagte Jonas mit einem übertriebenen Hambry-Akzent. »Aye, das gefällt dir sehr, sieht man dir an, mein Freund. Weißt du, was sie in Cressia sagen? ›Wenn du das Tafelsilber aus dem Esszimmer stehlen willst, sperr zuerst den Hund in die Vorratskammer.‹«
Reynolds nickte. Das war ein guter Rat. »Und diese Lastwagen? Diese Wie-nennst-du-sie-noch, Tankwagen?«
»Sind gut aufgehoben da, wo sie sind«, sagte Jonas. »Nicht, dass wir sie bewegen könnten, ohne die falsche Art von Aufmerksamkeit auf uns zu lenken, hm? Du und Roy, ihr solltet rausgehen und sie mit Zweigen abdecken. Schön dicht und dick drauflegen. Das macht ihr übermorgen.«
»Und wo wirst du sein, während wir draußen bei Citgo unsere Muskeln spielen lassen?«
»Tagsüber? Mich auf das Dinner im Haus des Bürgermeisters vorbereiten, du Holzkopf – das Dinner, das Thorin geben wird, um seiner popeligen kleinen Gesellschaft seine Gäste aus der großen Welt vorzustellen.« Jonas drehte eine neue Zigarette. Dabei richtete er seinen Blick auf den Wildfang, nicht darauf, was er
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