Der galaktische Mahlstrom
einer ungewöhnlichen Mutation gehörst, müssen wir unsere Verteidigung verstärken. Wir dürfen keine zusätzliche Verseuchung unserer Bevölkerung riskieren. Arme Katwen, sie war ein so liebes Kind.«
»War?«
Frost ignorierte Rileys Frage. Er wandte sich wieder an den Wissenschaftler. »Sie sehen, Hobie, ich bin gekommen, ich habe zugehört, habe dieser Geschichte soviel Glauben geschenkt, wie sie verdient. Sie ist einmal etwas anderes und recht amüsant. Aber es gibt nichts, was eine weitere Erwägung dieses Unsinns erforderlich macht. Was ich am erstaunlichsten fand, ist, daß dieser Wilde sich erst vor kurzem gebadet hat. Wenn das auch ungewöhnlich ist, ist es doch wohl kaum – welterschütternd. Wir entledigen uns seiner auf die übliche Weise.«
Sie gingen zur Tür.
»Nein – warten Sie!« schrie Riley.
Sie blieben stehen und blickten neugierig zurück. »Ist noch etwas anderes?« fragte Frost spöttisch.
»Es ist das Ende der Reise! Sie dürfen sich die Chance nicht entgehen lassen, Kapitän Frost! Ihre Leute vertrauen Ihnen – Sie sind Herr über ihr Leben. Sie können sie retten!«
Frost zuckte die Schultern und wandte sich wieder ab. »Geschwätz!«
»Dr. Hobie!« rief Riley. »Wir dachten, Sie glauben uns!«
»War nur bereit zuzuhören«, murmelte Hobie. »Gehört zur Aufgabe eines Wissenschaftlers, aber …« Mit verschleierten Augen blickte er zu Frost, dann wieder zu Riley, »… aber Vernunft geht über Gefühle. Tut mir leid. Ich fand dich sympathisch, Kevin Riley. Bist nettester Wilder, dem ich je begegnete.« Verlegen wandte er sich ab.
»Ich bin kein Wilder!« brüllte Riley. »Ihr hohlköpfigen Paviane.«
Frost tupfte Hobie auf die Schulter. »Na, sehen Sie? Der Wilde offenbart seine wahre Natur früher oder später.« Noch einmal drehte er sich zu Riley um. »Ich bin der Kapitän dieses Schiffes. Wenn die Stämme der Wilden bereit sind, meine Autorität anzuerkennen, wird es zu einer Wiedervereinigung kommen. Du kannst inzwischen schon ein bißchen was für meine Kernreaktoren tun. Dann können wir uns über Vertrauen unterhalten.« Frost wirkte verbittert.
Riley bäumte sich in seinen Banden auf. »Wir können die Kernreaktoren wieder in Betrieb setzen, aber zuvor müssen Sie uns vertrauen, damit wir anfangen können. Kapitän Frost, bitte, geben Sie uns eine Chance.«
Aber Riley hätte genausogut in die leere Luft sprechen können. Frost hatte sich wieder umgedreht und marschierte zur Tür hinaus. Hobie warf Riley noch einen abbittenden Blick zu und beeilte sich, dem Kapitän zu folgen. Der Techniker hantierte am Pult, und für Riley wurde wieder alles schwarz.
Als er diesmal zu sich kam, befand er sich in einem anderen Zimmer. Verschwommen erkennbare Silhouetten standen um ihn herum. Sie stellten ihm Fragen, und er antwortete. Er wollte ja die Wahrheit sagen, nicht sie verbergen. Dann schickten sie ihn wieder in den Schlaf. Beim nächsten Erwachen war er erneut in einem anderen Zimmer, und wieder stellte man ihm Fragen. Sie schlossen ihn dann an somatische Scanner an und fragten ihn weiter aus. Immer wieder versenkten sie ihn in Schlaf und rissen ihn heraus. Er verlor jedes Gefühl für Zeit und Raum.
Und dann – nach einer, wie ihm schien, mit Fragen gefüllten Ewigkeit – wurde er in einen weiten offenen Platz voll Licht und Menschen geschafft. Sie taten etwas mit ihm, und er begann Schmerzen zu empfinden, wahrscheinlich hatten sie ihm ein Adrenaloid gespritzt. Der Schmerz wuchs, und jedes Gefühl steigerte sich zur Unerträglichkeit. Haß machte sich in ihm breit. Er wollte diesen hirnverbohrten grinsenden Affen Vernunft einbleuen, aber zu viele hielten ihn fest, und dann fesselten sie ihn wieder. Er bäumte sich auf und brüllte.
»Spar deine Kräfte für große Schau. Wir kennen Benehmen von Wilden.«
Riley wandte sich der Stimme zu, aber wer immer auch gesprochen hatte, es ließ sich jetzt nicht mehr feststellen.
Beherrsch dich! mahnte sich Riley. Er holte ein paarmal tief Atem, dann sagte er ruhig: »Hören Sie mir zu. Diese Welt treibt ihrer Vernichtung entgegen. Sie wird in einen kosmischen Mahlstrom gezogen werden. Er liegt noch nicht in eurer Richtung, aber ihr werdet an einem Stern vorbeikommen, dessen Gravitation euren Kurs so verändert, daß er auf den Strudel zuführt. Er ist so groß, und wir befinden uns ihm bereits so nahe, daß es nur noch eine Möglichkeit gibt, den Kurs dieser Welt zu ändern, und es muß sofort getan werden. O bitte, hört
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