Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
Gesprächsstoff in Port-Louis, und nicht wenige Ereignisse wurden auf den Tag datiert, an dem die Mannschaft der Runner of New York ihre Anteile ausbezahlt bekommen hatte.
Wie angekündigt fand René sich am übernächsten Tag im Regierungspalast ein, wo er sich mit ungeheucheltem Schmerz von der vortrefflichen Familie des Generals verabschiedete, die ihn wie ein Kind des Hauses aufgenommen hatte und hinter seiner makellosen Vornehmheit und dem schlichten Namen René ein verborgenes Geheimnis erahnt hatte, das René nicht enthüllen durfte, das jedoch tatsächlich bestand.
Dem Sohn des Hauses brachte René als Geschenk seine zweiläufigen Pistolen mit; er bat ihn, sie als Andenken anzunehmen, und demonstrierte dem jungen Mann die Treffsicherheit der Pistolen, indem er vier Kugeln abschoss, die auf zwanzig Fuß Entfernung von einer Messerklinge gespalten wurden.
Die Empfehlungsschreiben des Gouverneurs waren vorbereitet; als Lob übertrafen sie alles, was René sich hätte erhoffen können. General Decaen erteilte darin den Befehl – soweit es ihm zustand, denn als Gouverneur in Indien hatte er ein gewisses Mitspracherecht in Marineangelegenheiten -, den jungen Kapitän der Runner of New York auf dem ersten Kriegsschiff, dem er begegnete, als Offizier aufzunehmen.
Der Gouverneur erkundigte sich, wann der Anker gelichtet werden solle, und versprach, an den Quai zu kommen, um dort Abschied von der Mannschaft und dem Kapitän der Slup zu nehmen.
Der Anker sollte um Punkt drei Uhr gelichtet werden. Seit der Mittagsstunde drängten sich die Neugierigen auf dem Quai Chien-de-Plomb.
René hatte seinen Matrosen nicht befohlen, um zwei Uhr an Bord zu sein, sondern er hatte sie darum gebeten; er hatte hinzugefügt, er werde
sich erkenntlich zeigen, wenn sie sich klaren Kopfes und kalten Blutes einfänden, so dass sie alle Manöver tadellos ausführen konnten. Er hatte den Ehrgeiz, das in keinem Seehafen der Welt je gesehene Schauspiel einer Schiffsbesatzung zu bieten, deren Mitglieder sechzigtausend Francs pro Mann mit sich führten, ohne dass ein einziger Betrunkener darunter war. Was er mit dem strengsten Befehl nicht erreicht hätte, erlangte er mit seiner freundschaftlichen Bitte.
René hatte seine Männer wissen lassen, welche Ehre ihnen der Gouverneur erwies, indem er ihrer Abfahrt beiwohnte, und sie hatten, ohne René einzuweihen, sechs Schleppkähne bestellt, die neben den Rudergängern Banner und Musikanten enthielten.
Der Gouverneur ließ seine Schaluppe an Renés Schiff anlegen, und als im Augenblick des Aufbruchs an Bord eine Salve abgefeuert wurde und die Kapelle den »Chant du départ« anstimmte, wurden auf ein Zeichen des Gouverneurs als Antwort auf die Salve vom Fort Blanc aus sechzehn Kanonenschüsse abgefeuert; dann glitt das Schiff langsam die Fahrrinne entlang, bis es nach einer Viertelmeile Segel setzen konnte; nun wurde aufgefiert, und das Boot des Gouverneurs legte an und nahm die Familie des Generals Decaen in Empfang, die es zum Quai Chien-de-Plomb zurückbrachte, begleitet von den sechs Kähnen mit Musikern.
Die Runner of New York nahm Kurs nach Süden und verschwand bald darauf in den ersten Abendnebeln.
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Was sich unterdessen in Europa ereignete
Nun dürfte es allmählich an der Zeit sein, unsere Leser mit den Ereignissen vertraut zu machen, die sich unterdessen in Europa abspielten und von denen der Gouverneur René nichts hatte erzählen können, da er auf seiner abgelegenen Insel nichts davon gehört hatte.
Wir erinnern uns, wie wir Napoleon verlassen haben.
Nach dem Sieg an den Pyramiden, der Ägypten das Staunen gelehrt hatte, nach dem Sieg von Marengo, mit dem er Italien unterworfen, Deutschland in Schrecken versetzt, Spanien an seinen kaiserlichen Umhang geheftet und Holland dem französischen Kaiserreich einverleibt
hatte, war es Napoleons Trachten gewesen, die Träume eines alles umfassenden Reiches, die vor Akko zunichtegeworden waren, in Sichtweite der Klippen von Dover zu verwirklichen, ohne zu ahnen, dass der Mann, der die französische Flotte bei Abukir vernichtend geschlagen hatte, auch am Ärmelkanal die Pläne durchkreuzen sollte, die er zuvor an der syrischen Küste durchkreuzt hatte; dieser Mann war Nelson.
Es dürfte an der Zeit sein, unseren Lesern diesen sonderbaren Günstling des Schicksals in seinem wahren Licht zu zeigen, diesen Mann, dessen brutale Siege ihn für einen Augenblick auf gleiche Höhe mit dem Genius jenes Mannes brachten, den zu bekämpfen
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