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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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Jahre alt, und noch nie hatte Romney eine größere Schönheit gesehen.
    Er fragte sie aus, wer sie sei und was sie tue. Die rudimentäre Erziehung, die sie erhalten hatte, erlaubte ihr, diese Fragen mit einer gewissen Anmut zu beantworten; er wollte wissen, wie viel ihr dafür bezahlt werde, dass sie die Kinder von Mr. Hawarden hütete. Sie erwiderte, sie werde dafür mit Kleidung, Nahrung, Unterkunft und zehn Shilling im Monat entlohnt.
    »Kommen Sie nach London«, sagte der Maler, »und ich werde Ihnen zehn Guineen für jede Skizze geben, die Sie mich von Ihnen machen lassen.«
    Er reichte ihr eine Karte, auf der stand: »Edward Romney, Nummer 8, Cavendish Square.«
    Und Miss Arabell nahm eine kleine Börse mit einigen Goldstücken aus ihrem Gürtel und bot sie Emma an.
    Das Mädchen nahm die Karte, die es sorgfältig in seinem Busen verbarg, wehrte die Börse ab, und da Miss Arabell insistierte und sagte, es werde das Geld für die Reise nach London benötigen, sagte es: »Ich danke Ihnen, gnädige Frau, aber wenn ich nach London gehe, werde ich es mit dem Ersparten tun, das ich bereits besitze und das ich vermehren werde.«
    »Mit den zehn Shilling, die Sie monatlich erhalten?«, fragte Miss Arabell lachend.
    »Ja, Madam«, erwiderte das Mädchen.
    Und so endet das Abenteuer.
    Nun, es endet beinahe, denn ganz im Gegenteil wird dieser Tag Früchte tragen. Sechs Monate später befand Emma sich in London, doch Romney war verreist. In Ermangelung des Malers suchte sie Miss Arabell auf, die sie als Gesellschafterin einstellte.
    Miss Arabell war die Mätresse des Prinzregenten, hatte also den Gipfelpunkt in der Karriere einer Kurtisane erreicht.
    Emma blieb zwei Monate lang bei der schönen Kurtisane, las alle Romane, die ihr in die Hände fielen, besuchte alle Theater, und wenn sie in ihrem Zimmer war, übte sie die Rollen und die Ballettschritte, die sie gesehen hatte; was für andere nur ein Zeitvertreib war, wurde für sie zur ganztägigen Beschäftigung; sie war vor Kurzem fünfzehn Jahre alt geworden
und stand in der Blüte ihrer Jugend und Schönheit; ihre geschmeidige, gefällige Gestalt war wie geschaffen für jede Pose, und ihre natürliche Grazie war der Kunst der gewandtesten Tänzerinnen ebenbürtig. Ihr Gesicht, das sich durch alle Widrigkeiten des Lebens die unberührte Färbung der Kindheit erhalten hatte, den jungfräulichen Schmelz der Unschuld, und das der Wandelbarkeit ihrer Physiognomie die verblüffendste Ausdrucksvielfalt verdankte, war in melancholischer Stimmung Ausdruck ungehemmten Schmerzes und in fröhlicher Stimmung reinstes Strahlen. Man hätte meinen können, dass sich in der Reinheit der Züge die Unschuld der Seele offenbarte, und ein großer Dichter unserer Tage, den es dauerte, diesen himmlischen Spiegel zu besudeln, sagte deshalb von ihrem ersten Fehltritt: »Sie strauchelte nicht ins Laster, sondern in Unbesonnenheit und Güte.«
    Der Krieg, den England zu jener Zeit gegen die amerikanischen Kolonien führte, hatte seinen Höhepunkt erreicht, und das Pressen war in all seiner Unbarmherzigkeit an der Tagesordnung.
    Der Bruder einer Freundin Emmas, ein gewisser Richard, wurde gegen seinen Willen gepresst und genötigt, Seemann zu werden.
    Seine Schwester Fanny lief zu Emma und bat sie um Hilfe. Sie war überzeugt, dass niemand den Bitten einer so schönen Person widerstehen konnte.
    Sie flehte Emma an, mit ihren Reizen dem Admiral John Payne den Kopf zu verdrehen; heiter kleidete Emma sich in ihr vornehmstes Gewand und suchte in Begleitung ihrer Freundin den Admiral auf.
    Sie erhielt, worum sie bat, doch John Payne tat ihr den Gefallen nicht umsonst, und Emma bezahlte Richards Freiheit zumindest mit ihrem Dank, wenn nicht gar mit ihrer Liebe.
    Als Mätresse des Admirals Payne bekam Emma ein eigenes Haus, eigene Dienstboten und eigene Pferde, doch dieser Reichtum war so funkelnd und vergänglich wie ein Meteor. Der Admiral stach in See, und Emma musste mit ansehen, wie das Schiff ihres Liebhabers, das am Horizont entschwand, all ihre goldenen Träume auf Nimmerwiedersehen entführte.
    Doch Emma war keine Dido, die sich eines wankelmütigen Äneas wegen das Leben nahm. Einer der Freunde des Admirals, Sir Harry Fatherson, ein reicher und stattlicher Edelmann, bot Emma an, standesgemäß für sie aufzukommen. Den ersten Schritt auf der Bahn des Lasters hatte Emma bereits getan; sie nahm das Angebot des Lords an und war eine ganze Saison
lang die ungekrönte Königin der Jagdpartien, der

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