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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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einzuholen, und diejenigen, die er befragt hatte, hatten nicht gesäumt, ihm zu erklären, dass an den Missständen und der finanziellen Misere seines Neffen eine Straßendirne schuld sei, mit der er drei Kinder habe.

    Emma zog sich in ihr Zimmer zurück und ließ ihren Geliebten mit seinem Onkel allein; dieser sagte ihm klipp und klar, dass er entweder auf der Stelle auf Emmy Lyon verzichten müsse oder von ihm enterbt werden würde.
    Dann verabschiedete er sich und gab seinem Neffen drei Tage Bedenkzeit.
    Die letzte Hoffnung des jungen Paares war Emma selbst; sie musste versuchen, Sir William dazu zu bewegen, seinem Neffen zu verzeihen, indem sie ihm vor Augen führte, wie verzeihlich seine Leidenschaft war.
    Und statt die Kleidung anzulegen, die ihrer neuen gesellschaftlichen Stellung entsprach, kleidete Emma sich wie in ihrer Jugend in das Kleid aus grobem grauem Wollstoff und setzte einen Strohhut auf; alles Übrige würden ihre Tränen, ihr Lächeln, ihr Mienenspiel, ihre Zärtlichkeit und der Klang ihrer Stimme tun.
    Emma wurde von Sir William vorgelassen und warf sich ihm zu Füßen; ob geschickt einstudiert oder durch Zufall: Der Hut glitt ihr vom Kopf, und ihr schönes kastanienbraunes Haar fiel ihr auf die Schultern.
    Im Kummer war sie noch bezaubernder als im Glück.
    Der alte Archäologe, der bis dahin nur attischen Marmor und klassische griechische Statuen geliebt hatte, sah zum ersten Mal, dass Schönheit aus Fleisch und Blut die kalte und bleiche Schönheit der Göttinnen des Praxiteles und des Phidias übertreffen konnte. Die Liebe, für die er bei seinem Neffen kein Verständnis aufgebracht hatte, eroberte sein Herz und ergriff mit solcher Gewalt Besitz von ihm, dass er sich nicht einmal dagegen zu sträuben versuchte.
    Die Schulden seines Neffen, Emmas niedrige Herkunft, ihr skandalöses Zusammenleben, Emmas sattsam bekannte Laufbahn, die Käuflichkeit ihrer Zärtlichkeiten – alles, sogar die Kinder, die Frucht ihrer Liebe, war Sir William hinzunehmen bereit unter der einzigen Bedingung, dass Emma ihm den völligen Verzicht auf jegliche Würde mit ihrem Besitz vergalt.
    Emma hatte weit mehr bewirkt, als sie zu hoffen gewagt hätte; doch diesmal beharrte sie auf ihren eigenen Bedingungen: Ein Eheversprechen hatte sie mit dem Neffen vereinigt, und sie erklärte, dass sie Sir William nur als dessen anerkannte Ehefrau nach Neapel begleiten wolle.
    Sir William war mit allem einverstanden.
    In Neapel tat Emmas Schönheit ihre gewohnte Wirkung; sie erstaunte nicht nur, sie verblüffte.
    Sir William, der gelehrte Altertumsforscher und Mineraloge, Botschafter
Großbritanniens, Milchbruder und Freund Georges III., versammelte in seinem Haus die vornehmste Gesellschaft der Hauptstadt des Königreichs beider Sizilien in wissenschaftlicher, politischer und künstlerischer Hinsicht. Emma mit ihrem künstlerischen Temperament lernte innerhalb weniger Tage, was sie über Politik und Wissenschaften wissen musste, und schon bald besaßen Emmas Ansichten für die Habitués in Sir Williams Salon nachgerade Gesetzeskraft.
    Das war noch nicht der Gipfel ihres Triumphs. Kaum war sie bei Hofe eingeführt worden, erklärte Königin Caroline Marie sie zu ihrer Busenfreundin und machte sie zu ihrer engsten Gefährtin. Nicht genug damit, dass sich die Tochter Maria Theresias in aller Öffentlichkeit mit einer Prostituierten vom Haymarket abgab, sich in deren Gesellschaft und in der gleichen Toilette wie diese in der Kutsche auf der Via Toledo und der Via Chiaia zeigte, nein, nach den Abendgesellschaften, in deren Verlauf die wollüstigsten und zügellosesten Posen der antiken Kunst nachgeahmt worden waren, ließ sie Sir William ausrichten, sie könne sich von ihrer Freundin nicht trennen und werde sie ihm erst am nächsten Morgen zurückschicken, was ihn mit nicht geringem Stolz erfüllte.
    Mitten unter diesen Ereignissen, die am Hof von Neapel so gewaltigen Widerhall fanden, sah man Nelson erscheinen, sich auszeichnen und den alt gewordenen Majestäten neue Zuversicht verleihen. Diese Könige, die mit der Hand ihre wackelnde Krone festzuhalten versuchten, hatten nach seinem Sieg bei Abukir neue Hoffnung zu schöpfen begonnen. Caroline Marie, eine Frau, die es nach Reichtum, Macht und Einfluss gelüstete, war nicht gesonnen, sich die Krone wegnehmen zu lassen. Es kann daher wenig erstaunen, dass sie den Zauber, den ihre Freundin ausübte, für ihre Zwecke einsetzen wollte, und am Morgen desselben Tages, an dem sie diese

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