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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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Ihnen an Bord der Redoutable nur die Stelle eines dritten Leutnants anbieten.«
    »Das ist weit mehr, als ich zu hoffen gewagt hätte, Kommandant, und ich nehme dankbar an. Wann kann ich meinen Dienst antreten?«
    »Sobald Sie wollen!«
    »Sobald wie möglich, Kommandant: Es riecht verteufelt nach Pulver, und ich bin mir sicher, dass ich in spätestens drei bis vier Tagen die große Schlacht erleben werde, derentwegen ich aus der anderen Hemisphäre hergekommen bin. Mein Schiff ist zu klein, um Ihnen von Nutzen zu sein; ich kehre an Bord zurück, schicke das Schiff nach Frankreich und komme wieder.«
    Lucas erhob sich und sagte mit einem wohlwollenden Lächeln: »Ich erwarte Sie, Leutnant.«
    René schüttelte ihm voller Wärme beide Hände, sprang die Leiter hinunter und kehrte an Bord seiner Slup zurück.
    Dort rief er François in seine Kajüte.
    »François«, sagte er zu ihm, »ich bleibe hier; ich vertraue dir meine Slup an, die du nach Saint-Malo zurückbringen sollst. Ich gebe dir ein Portefeuille mit, das mein Testament enthält; wenn ich falle, wirst du in diesem Testament bedacht sein. Außerdem nimm diesen Beutel mit Edelsteinen mit; wenn ich falle, wirst du diesen Beutel Mademoiselle Claire de Sourdis überbringen; sie wohnt bei ihrer Mutter, der Gräfin von Sourdis, im Hôtel de Sourdis, das an den Quai und an die Rue de Beaune angrenzt.
    In dem Beutel ist ein Brief, der die Herkunft der Edelsteine erklärt; aber öffne das Testament und überbringe den Beutel nur, wenn mein Tod dir
stichhaltig bewiesen werden kann. In den Schiffspapieren habe ich deinen Namen als den des gegenwärtigen Besitzers eintragen lassen. Wache ein Jahr lang über das Schiff; in der Schublade meines Sekretärs wirst du zwölf Rollen Goldstücke zu jeweils tausend Francs finden, und drei davon sollen dir helfen, dieses Jahr zu überstehen. Falls die Engländer dich festhalten sollten, wirst du die amerikanische Nationalität deines Schiffs ins Feld führen, und wenn man dich fragen sollte, was aus mir geworden ist, wirst du antworten, ich sei unterwegs auf Nelsons Flotte gestoßen und auf einem seiner Schiffe an Bord gegangen. Adieu, mein lieber François, lass dich umarmen, lass mir meine Waffen holen und versuche, ohne Schiffbruch nach Saint-Malo zu gelangen. Sobald du dort ankommst, wirst du Madame Surcouf und der Familie Nachricht von Robert geben.«
    »Das heißt«, sagte François, der sich mit seiner Pratze von Hand und mit dem Jackenzipfel die Augen wischte, »das heißt, dass Sie mich nicht gern genug haben, um mich mitzunehmen, obwohl ich Ihnen bis an das Ende der Welt und noch weiter gefolgt wäre. Oh, Himmelsapperlott! Es bricht mir das Herz, Sie zu verlassen!«
    Und der Wackere begann zu schluchzen.
    »Ich verlasse dich«, fuhr René unbeirrt fort, »weil ich dich für meinen einzigen Freund halte, weil du der einzige Mensch bist, auf den ich mich verlassen kann, weil dieses Portefeuille eine halbe Million enthält und der Beutel Edelsteine im Wert von mehr als dreihunderttausend Francs und weil ich in dem Wissen, dass diese Gegenstände dir anvertraut sind, so unbesorgt sein kann, als wären sie in meinen Händen. Lass uns einander die Hand drücken, wie es wackeren Leuten geziemt. Lass uns einander lieben, wie es wackeren Herzen geziemt. Laß uns einander umarmen als gute Freunde!... Du wirst mich an Bord der Redoutable bringen, und du wirst der Letzte sein, von dem ich Abschied nehme.«
    François musste einsehen, dass an Renés Entschluss nicht zu rütteln war. René ergriff seine Waffen, die nurmehr aus seinem Stutzen, einem zweiläufigen Gewehr und seiner Enteraxt bestanden; dann ließ er die Mannschaft an Deck antreten, verkündete ihr, was er zu tun beabsichtigte, und forderte die Männer auf, ihren Kameraden François als Anführer anzuerkennen.
    Ungeheuchelter Kummer war das Ergebnis seiner Ansprache; doch René bot ihnen an, zu gleichen Bedingungen, das heißt zu normalem Sold, ein Jahr lang in Saint-Malo an Bord der Runner of New York zu bleiben;
und so bestieg er unter lautstarken Treuebezeigungen in Begleitung von François und sechs Ruderern die Jolle.
    Zehn Minuten später war er bei Kapitän Lucas.
    In Gegenwart des Kapitäns nahm er Abschied von François.
    Eine der größten Empfehlungen eines Menschen sind die liebevollen Gefühle, die seine Untergebenen ihm entgegenbringen. Und da René von seinen Leuten vergöttert wurde, vermittelten François’ Tränen und der Kummer der anderen Matrosen dem

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