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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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beging er den Fehler, für keine Seite Partei zu ergreifen und alles Weitere dem Zufall zu überlassen.
    Villeneuve jedoch erriet bei der Lektüre des Briefs des Ministers, was dieser ihm zu verschweigen versuchte; am meisten kränkte ihn die unverdiente Schmähung, ein Feigling zu sein; zu jener Zeit war die französische Marine in einem desolaten Zustand und sich ihrer Schwäche nur allzu bewusst, und zugleich eilte Nelson ein solcher Ruf des Wagemuts und der Tollkühnheit voraus, dass jede Flotte, die ihn zum Gegner hatte, sich von vornherein geschlagen gab.
    Villeneuve war entschlossen, zum Aufbruch zu rüsten; er brachte seine Truppen an Land, damit sie sich ausruhten, und um die Kranken pflegen zu lassen. Admiral Gravina ließ die Hälfte seiner Kriegsschiffe zurück, da sie in kaum seetüchtigem Zustand waren, und tauschte sie gegen die besten Schiffe des Arsenals von Cadiz aus.
    Der ganze September wurde auf diese Vorbereitungen verwendet; Schiffe und Ausrüstung der Flotte waren jetzt weitaus besser als zuvor, doch die Männer blieben dieselben.
    Unsere Mannschaften waren seit acht Monaten auf See und hatten in dieser Zeit an Erfahrung gewonnen. Einige Kapitäne waren hervorragend, doch unter den Offizieren waren allzu viele, die der Handelsschifffahrt
entstammten und weder die Kenntnisse noch den Geist der Kriegsmarine besaßen; am meisten aber mangelte es unserer Marine an einer systematischen Seekriegstaktik, die mit den neuen Kampfmethoden der Engländer mithalten konnte, denn statt wie im traditionellen Seegefecht zwei Schlachtlinien zu bilden, die sich parallel bewegten und in denen jedes Schiff seinen Platz beibehielt und das gegenüberliegende Schiff beschoss, hatte sich Nelson zur Gewohnheit gemacht, kühne Vorstöße zu wagen und als einzige Ordnung die gelten zu lassen, die Ergebnis der unterschiedlichen Geschwindigkeit der Schiffe war.
    Er warf sich auf die gegnerische Flotte, zerteilte sie, schnitt den einen Teil vom anderen ab und feuerte im Nahkampf, ohne sich darum zu scheren, ob er die eigenen Leute traf, bis der Gegner sich ergab oder sank.
    Unterdessen schrieb Napoleon, der undeutlich zu ahnen begann, dass seine Invasion Englands scheitern könnte, auch wenn er es noch nicht glauben wollte, einen Brief an Monsieur de Talleyrand, in dem er neue Vorhaben andeutete, Vorhaben, die noch im ungreifbaren Nebel der Träume schwebten.
    »Es ist geschehen«, schrieb er ihm, »meine Flotten sind auf dem Meer und außer Sicht; wenn sie in den Ärmelkanal zurückkehren, bleibt noch genug Zeit, ich schiffe mich ein, ich gehe in England an Land, ich zertrenne in London den Knoten der Koalitionen. Wenn sich meine Admiräle aber stattdessen als gesinnungslose Gesellen erweisen und ihrer Aufgabe nicht gerecht werden, dann werde ich mit zweihunderttausend Mann in Deutschland einmarschieren; ich werde Wien einnehmen, die Bourbonen aus Neapel verjagen, und sobald der Kontinent befriedet ist, werde ich auf das Meer zurückkehren und es ebenfalls befrieden.«
    Am 18. September erfuhr Napoleon in La Malmaison von der Kriegserklärung des österreichischen Kaisers an die Adresse Frankreichs. Frankreich erwiderte im nämlichen Ton.
    Mit der für ihn charakteristischen Schnelligkeit im Handeln gibt Napoleon die Kanalüberquerung auf, die in dem Augenblick scheiterte, als sie hätte gelingen können, und widmet sich mit allen Kräften dem Vorhaben des Kontinentalkriegs, das er seit zwei Wochen hegt.
    Nie zuvor hatte er über vergleichbare Mittel verfügt. Nie zuvor hatte sich ein so weites Operationsfeld vor seinen Augen entfaltet. Zum ersten Mal war er frei, wie es Alexander und Cäsar gewesen waren. Jene seiner Waffengefährten, die ihre Eifersucht unbequem gemacht hatte – Moreau, Pichegru, Bernadotte und so weiter -, hatten sich durch schuldhaftes
oder unvorsichtiges Handeln selbst ausmanövriert. Napoleon waren nur Offiziere geblieben, die sich seinem Willen unterwarfen und zugleich im höchsten Grade alle Eigenschaften in sich vereinigten, die für die Ausführung seiner Vorhaben erforderlich waren.
    Seine Armee, die nach vier Friedensjahren der Tatenlosigkeit überdrüssig war, die es nach nichts sehnlicher verlangte als nach Gefechten, die zehn Jahre Krieg und drei Jahre Feldlager geformt hatten, war für die anstrengendsten Märsche ebenso bereit wie für die gefahrvollsten Unternehmungen.
    Doch diese Armee, die so vortrefflich vorbereitet war, dass man mit Fug und Recht behaupten kann, ihresgleichen habe

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