Der Spion, der mich jagte - Green, S: Spion, der mich jagte - The Spy Who Haunted Me
Bedürfnisse und Impulse der Menschen waren in ihm Fleisch und Blut geworden und auf die Welt losgelassen. Die schlimmsten Taten, die ein Mensch ohne Mitleid, Gewissen und ohne Furcht vor den Konsequenzen begehen konnte. All die boshaftesten Menschen der Welt - und das waren so viele - waren im Inneren nur ein Abglanz des Hydes.
Ich konnte spüren, wie mein Torques kalt um meinen Hals herum brannte, um mich vor einer Vergiftung durch die bloße Präsenz dieses Wesens zu schützen.
Beinahe instinktiv hatten wir fünf einen Kreis um den Hyde gebildet. Wie Jäger eine Beute umzingeln, die zu gefährlich ist, als dass man sie laufen lassen dürfte, auch wenn keiner von uns ihm zu nahe kommen wollte. Ich konnte die gleichen verwirrten Ausdrücke voller Angst und Ekel in den Gesichtern der anderen sehen und wie sich ihre Hände zu Fäusten ballten, zuckten und zitterten in dem Wunsch, nach den Waffen zu greifen. Oder das schreckliche Ding vor ihnen mit den bloßen Händen zu töten. Ich wusste, was sie fühlten, denn ich fühlte genau dasselbe.
Der Hyde stand sehr still da, er kauerte fast wie ein Tier. Seine Augen schossen hin und her - auch wenn er seinen Kopf nicht bewegte -, um herauszufinden, wer von uns der Schwächste sei. Dieser eine würde am leichtesten zu quälen sein. Seine schlauen Augen blieben schließlich auf Honey liegen, der einzigen Frau in unserer Gesellschaft, und ihr kaffeebraunes Gesicht wurde steif und gespannt unter seinem direkten verächtlichen Blick.
»Hübsch, hübsch«, sagte der Hyde mit einer Stimme, die so glatt war wie Seide und so süß wie Zyanid. »Es ist so nett von euch, mich in meinem abgelegenen Reich zu besuchen. Ich mag dich, du siehst appetitlich aus.«
»Halt deine dreckige Klappe«, sagte Honey. Ihre Stimme war nicht mehr so fest wie sonst. Sie konnte den Ekel, den sie spürte, nicht verbergen.
»Verwandle dich zurück«, sagte Walker zu dem Hyde. »Werde wieder menschlich.«
Aber auch wenn seine Worte mit aller Autorität durch die Nacht hallten, die ein Mann, dem man in der Regel gehorchte, aufbringen konnte, es reichte nicht. Es waren nur Worte. Er hatte seine Stimme verbraucht. Der Hyde lachte lautlos.
»Wie ist dein Name?«, fragte ich. Er sah mich an, und die Intensität seines Blicks traf mich wie eine Ohrfeige.
»Namen«, sagte er. »Wozu, mein Herr? Hat die Pest einen Namen? Haben Vergewaltigung oder Folter, Krebs oder Senilität einen Namen oder eine Identität? Ich bin, was ich bin, und es ist herrlich. Ich zertrample euch unter meinen Füßen, reiße euch das Fleisch von den Knochen und stecke meinen Schwanz in alle Löcher, die ich mache.«
»Dein Name«, beharrte ich. »Sag mir deinen Namen.«
»Ihr wollt wissen, wer ich war, guter Herr? Vergesst ihn. Er spielt keine Rolle. Hat er nie getan. Aber ich spiele eine Rolle. Ich werde schreckliche Taten begehen, bis die Welt an meiner schieren Gegenwart erkrankt. Ich werde in Blut und Innereien waten und frohe Lieder singen, weil ich ein sehr mächtiger Albtraum bin. Ich werde dieses Land mit Hydes bevölkern, diese verdorbene Welt in mein furchtbares Antlitz verwandeln und jede Minute davon lieben. Mein Name? Edward Hyde, zu Ihren Diensten, mein Herr. Hier ist die Hölle und ich bin mittendrin. - Die alten Scherze sind doch immer die besten, ist es nicht so?«
Sein Lächeln war jetzt sehr breit, und ich hasste ihn mehr, als ich jemals jemanden gehasst hatte.
»Wie fühlt sich das an?«, fragte Peter. Er kämpfte darum, eine feste Stimme zu behalten. »Wie fühlt sich das an, Hyde zu sein?«
Der Hyde betrachtete ihn neugierig und Peter zuckte tatsächlich zurück. »Ich bin der Donner, der Blitz«, erwiderte der Hyde. »Ich kann euch das sagen: Der Mensch ist etwas, das überwunden werden muss. Ich bin der Tumor im Gehirn, der Wind, der die Bäume entwurzelt und das Ding, dass sich des Nachts unter eurem Bett versteckt. Und ich liebe es. Es ist herrlich, von der Angst befreit zu sein, selbst das Ding zu sein, das jeder andere fürchtet. Oh, meine sehr geehrten Damen und Herren, Ihr habt keine Ahnung, wie gut sich das anfühlt - all die Beschränkungen des menschlichen Daseins abzustreifen, all die Ketten, mit denen uns die Gesellschaft bindet, um uns kleinzuhalten. Endlich frei zu sein, weil die einzig wahre Freiheit die ist, wirklich alles zu tun.« Er lachte wieder lautlos. »Ich bin alles, was ihr immer sein wolltet und was ihr nicht einmal euch selbst gegenüber zugeben könnt. Ich werde tun, was ich
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