Der Weg der Könige - Sanderson, B: Weg der Könige - The Way of Kings - The Stormlight Archive, Book 1
hellhäutiger Mann mit einem dunklen, sauber geschorenen Bart. Sein Haupthaar dünnte allmählich aus. Wie die meisten anderen auch trug er ein kurzes, vorn offen stehendes Jackett, das das Hemd darunter enthüllte. Dessen roter Stoff ragte auch über den Kragen der Jacke heraus.
So nachlässig, dachte Dalinar, selbst wenn diese Art gerade sehr modern sein mochte. Dalinar wünschte, die gegenwärtige Mode wäre nicht so schlampig.
»Hellherr Dalinar«, sagte Roion, »ich habe Schwierigkeiten, einen Sinn in diesem Treffen zu erkennen.«
»Geht ein Stück mit mir, Hellherr Roion«, sagte Dalinar und deutete mit dem Kopf zur Seite.
Der andere Mann seufzte, gesellte sich aber zu Dalinar und schritt mit ihm zwischen den Pflanzen und der Wand entlang, an der die Landkarten hingen. Roions Diener folgten ihnen; unter ihnen befanden sich auch ein Becher- und ein Schildträger.
Jede Karte wurde von Diamanten beleuchtet, deren Fassungen aus hochglanzpoliertem Stahl bestanden. Die Karten waren mit Tinte und in allen Einzelheiten auf unnatürlich große nahtlose Pergamente gezeichnet, die offensichtlich seelengegossen waren. In der Mitte des Raumes kamen sie zur Hauptkarte, einer gewaltigen, sehr fein ausgearbeiteten Landkarte, die in einem Rahmen an der Wand hing. Sie zeigte die Gesamtheit der Zerbrochenen Ebene, soweit sie denn bisher erforscht war. Die dauerhaften Brücken waren in Rot eingezeichnet, und die Plateaus auf der Alethi-Seite trugen blaue Glyphenpaare, die jeweils anzeigten, welcher Großprinz sie kontrollierte. Der östliche Bereich der Karte wirkte weniger genau gezeichnet, und irgendwann verschwanden sogar alle Linien.
In der Mitte befand sich das umkämpfte Gebiet; es handelte sich um jene Plateaus, auf denen sich die Kluftteufel oft verpuppten. Nur wenige dieser Bestien kamen zur Alethi-Seite, wo sich die dauerhaften Brücken befanden. Und wenn sie dorthin kamen, dann nicht um sich zu verpuppen, sondern um zu jagen.
Die Kontrolle über die Plateaus in der Nähe war trotzdem wichtig, denn es herrschte Übereinstimmung darüber, dass ein Großprinz nicht die Plateaus der anderen überqueren durfte, solange er nicht die Erlaubnis dazu besaß. Diese Kontrolle entschied darüber, wer die besten Wege zu den zentralen Plateaus hatte und wer die einzelnen Wachtposten und dauerhaften Brücken unterhalten musste. Die Plateaus wurden unter den Großprinzen gekauft und verkauft.
Ein zweites Pergament neben der Hauptkarte führte jeden Großprinzen und die Zahl der Edelsteinherzen auf, die er für sich errungen hatte. Das war sehr typisch für die Alethi – sie spornten die anderen an, indem sie deutlich machten, wer gerade gewann und wer hinterherhinkte.
Roions Blick fiel sofort auf die Stelle, wo sein eigener Name auf der Liste stand. Von allen Großprinzen besaß er die wenigsten Edelsteinherzen.
Dalinar streckte die Hand nach der Hauptkarte aus und fuhr über das Pergament. Die mittleren Plateaus waren nummeriert oder mit Namen versehen, damit sie eindeutig zugeordnet werden konnten. Das größte war ein Plateau, das trotzig kurz vor der Parschendi-Seite lag. Es wurde der Turm genannt und war eine ungewöhnlich massive und seltsam geformte Hochfläche, die die Kluftteufel besonders gern zum Verpuppen heimsuchten.
Während Dalinar die Karte betrachtete, dachte er nach. Die Größe eines umkämpften Plateaus entschied über die Anzahl der Truppen, die darauf stationiert werden konnten. Normalerweise brachten die Parschendi eine große Streitmacht zum
Turm, und dort hatten sie jetzt schon siebenundzwanzigmal die Angriffe der Alethi abgewehrt. Kein Alethi hatte dort jemals auch nur ein einziges Scharmützel gewonnen. Selbst Dalinar war zweimal besiegt worden.
Der Turm lag einfach zu nah am Gebiet der Parschendi; sie waren immer zuerst da, verschanzten sich und benutzten dazu einen Hügel, der ihnen einen ausgezeichneten Überblick verschaffte. Aber wenn wir sie dort in die Enge treiben könnten, dachte er, mit einer ausreichend großen eigenen Streitmacht … Dann wären sie in der Lage, eine große Zahl von Parschendi-Soldaten zu umzingeln und zu töten. Vielleicht würde es sogar ausreichen, um ihnen die Fähigkeit zu nehmen, weiterhin auf der Ebene Krieg zu führen.
Das war etwas, worüber sich das Nachdenken lohnte. Doch bevor dies geschehen konnte, brauchte Dalinar Verbündete. Mit dem Finger fuhr er nach Westen. »Großprinz Sadeas hat sich in der letzten Zeit sehr gut geschlagen.« Dalinar tippte auf
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