Der Weg der Könige - Sanderson, B: Weg der Könige - The Way of Kings - The Stormlight Archive, Book 1
unbedingt die Vergrößerung der Truppen bedeuten«, sagte Dalinar. »Jede einzelne großprinzliche Armee hat besondere Stärken. Ich bin für meine schwere Infanterie bekannt, und Ihr verfügt über die besten Bogenschützen. Sadeas’ Brücken sind die schnellsten. Wenn wir zusammenarbeiten, können wir neue Taktiken ausprobieren. Wir verwenden zu viel Mühe darauf, schnell zu den Plateaus zu kommen. Wenn wir uns nicht so beeilen und im Wettstreit miteinander liegen würden, könnten wir das jeweilige Plateau vielleicht sogar umzingeln. Wir würden es zulassen, dass die Parschendi als Erste eintreffen und sie dann nicht nach ihrem, sondern nach unserem Gutdünken angreifen.«
Roion dachte nach. Dalinar hatte sich die letzten Tage mit seinen Generälen über die Möglichkeit eines vereinten Angriffs beraten. Offenbar gab es eindeutige Vorteile, aber das konnte man erst dann genau wissen, wenn jemand zusammen mit Dalinar den Versuch unternahm.
Roion schien sich die Sache wirklich zu überlegen. »Und wer bekäme das Edelsteinherz?«
»Wir teilen den Gewinn gleichmäßig auf«, sagte Dalinar.
»Und wenn wir eine Splitterklinge erringen?«
»Dann bekommt sie natürlich derjenige, der sie für sich gewonnen hat.«
»Und das wäret höchstwahrscheinlich Ihr«, sagte Roion und runzelte die Stirn. »Weil Ihr und Euer Sohn bereits solche Klingen besitzt.«
Das war die große Schwierigkeit, was Splitterklingen und Splitterpanzer betraf – es schien kaum möglich, das eine oder andere zu bekommen, wenn man nicht schon Splitter besaß. Oft reichte es nicht einmal aus, wenn man nur das eine oder das andere hatte. Sadeas hatte den Splitterträgern der Parschendi mehrfach gegenübergestanden und war stets gezwungen gewesen, sich zurückzuziehen, um nicht abgeschlachtet zu werden.
»Ich bin mir sicher, dass wir eine gerechtere Lösung finden«, sagte Dalinar schließlich. Wenn er Splitter erringen konnte, hätte er sie gern Renarin gegeben.
»Das glaube ich auch«, sagte Roion misstrauisch.
Dalinar sog die Luft ein. Er musste deutlicher werden. »Was ist, wenn ich sie Euch anbiete?«
»Wie bitte?«
»Wir versuchen einen gemeinsamen Angriff. Wenn ich eine Splitterklinge oder einen Panzer bekommen kann, werde ich Euch beides überlassen. Wenn ich aber noch mehr erringe, dann behalte ich dies.«
Roion kniff die Augen zusammen. »Das würdet Ihr tun?«
»Bei meiner Ehre, Roion.«
»Dann gibt es keinen Zweifel daran. Aber könnt Ihr es einem Mann verübeln, wenn er argwöhnisch ist?«
»Weswegen?«
»Ich bin ein Großprinz, Dalinar«, erwiderte Roion. »Es stimmt, dass mein Reich das kleinste ist, aber dafür bin ich mein eigener Herr. Ich will mich nicht jemandem unterordnen müssen, der größer ist als ich.«
Du bist schon zu einem Teil von etwas Größerem geworden, dachte Dalinar enttäuscht, und zwar in dem Augenblick, da du Gavilar deine Lehenstreue geschworen hast. Roion und die anderen weigerten sich, ihre Versprechen einzulösen. »Unser Königreich könnte so viel mehr sein, als es ist, Roion.«
»Vielleicht. Aber ich bin mit dem zufrieden, was ich habe. Wie dem auch sei, Euer Vorschlag ist nicht ohne Reiz. Ich werde darüber nachdenken müssen.«
»Sehr gut«, meinte Dalinar, aber sein Instinkt verriet ihm, dass Roion das Angebot doch ablehnen würde. Der Mann war einfach zu misstrauisch. Die Großprinzen vertrauten einander nicht einmal dann, wenn es um Geringeres als Splitterklingen und Edelsteine ging.
»Sehe ich Euch auf dem Fest heute Abend?«, fragte Roion.
»Warum nicht?«, fragte Dalinar mit einem Seufzer.
»Die Sturmwächter haben gesagt, heute Nacht könnte ein Großsturm aufziehen …«
»Ich werde da sein«, sagte Dalinar knapp.
»Ja, natürlich«, meinte Roion und kicherte. »Kein Grund, warum Ihr nicht kommen solltet.« Er lächelte Dalinar an und zog sich zurück; seine Diener folgten ihm.
Dalinar seufzte, wandte sich wieder der Hauptkarte zu und überdachte diese ganze Begegnung und ihre Bedeutung. Lange stand er da und sah auf die Ebene herunter, als wäre er ein hoch im Himmel schwebender Gott. Die Plateaus sahen wie nahe beieinanderliegende Inseln aus, oder vielleicht auch wie schartige Stücke in einem gewaltigen Bleiglasfenster. Nicht zum ersten Mal hatte er das Gefühl, er sollte das Muster der Plateaus erkennen. Vielleicht wäre es möglich, wenn er mehr von ihnen sah. Was mochte es bedeuten, wenn der Verlauf der Klüfte tatsächlich einem Plan folgte?
Alle waren so sehr
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