Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
/ und alle Gnade erzeiget / nicht daß er solches hätte verdienen können / sondern bloß / weil wir gesehen / daß nach geschehener Busse er sich gebessert /und alle Boßheit abgeleget / so daß er jezt billich unter die redlichsten und frömmesten gezählet / und daher von Fürsten und Herren geliebet wird; So lasset nun / mein Freund Opimius / allen Zorn und Wiederwillen fahren / und nehmet von mir seinetwegen zum Abtrag 10000 Kronen an / die ich nach geendigter Mahlzeit euch baar auszählen lassen wil. Gallus selbst hielt nochmahls sehr umb Verzeihung an / und verpflichtete sich / die Beleidigung nach Mögligkeit zuverbessern / auch ihm / seiner Eheliebsten und acht übrigen Kindern die versprochenen 300000 Kronen redlich einzuliefern / und in zehn gleiche Teile auszuteilen. Worauff Opimius sich erklärete / weil so gewaltige Fürsten und Herren ihm das Zeugniß seiner Besserung gäben / er selbst auch durch übermildes erbieten seine Reue gnugsam an den Tag legete / wolte er das ergangene der Vergessenheit befehle und ihn hinführo als einen lieben Freund und künfftigen Schwieger Sohn halten / unter der Hoffnung / er würde sich gegen sein liebes Kind gebührlich / und als ein geträuer Ehegatte bezeigen. Herkules bedankete sich seines Dieners wegen / setzete Opimius zum Verweser aller seiner im Paduanischen Gebiet geschenketen Landgüter / und daß er deren Aufkünffte ein Jahr frey geniessen / auch die neugebauete Burg daselbst / bewohnen solte. Die Groß Fürstin erboht sich / alle seine versetzen Güter und Pfande ihm einzulösen / und Ladisla sagte zu Gallus: Ich wil euch die Mantuanischen Güter mit gleicher Bedingung eintuhn / daß ihr in der nähe bey euren Schwieger Eltern wohnen könnet; welcher hohen Gnade er sich zwar untertähnigst bedankete / wendete aber ein / er håtte seinem gnådigsten Groß Fürsten sich zu untrenlichen Diensten verbunden / auch von dessen Durchl. gnädigste Zusage erhalten / ihn nimmermehr / als lange er sich redlich halten würde / abzuschaffen. Es ist also / sagte Herkules / bin auch willens / euch zu meinem Schaz- und Ober Waffenmeister zusetzen /nachdem ich vernehme / daß ihr bey mir zubleiben Lust habet. Also wahr nun diese Fehde geschlichtet /und beredete man sich / folgendes Tages das Raub Nest zu verstören / zu dessen Behuef 400 Bauren mit Hacken und anderm nöhtigen Werkzeuge auffgemahnet wurden. Die Verliebeten brachten diesen Tag in aller Fröligkeit zu / und erhielten die beyden Fürsten bey ihren Fräulein / daß das Beylager auff Gallus Hochzeitfest solte angestellet werden / welches auff den 14 den Tag bestimmet ward. Des nähstfolgenden Tages wahren sie frühzeitig auff / ihr Vorhaben ins Wert zurichten. Das Fürstliche Frauenzimmer setzete sich zusammen auff eine weite Gutsche / die Fürsten und Herren mit ihrer Ritterschafft legeten ihre Waffen an / und ritten mit 100 Pferden hinaus / kahmen anfangs an die Stelle / woselbst die Brüder und Oheimbe ihren Kampff mit einander gehalten / da sie ihrer zerhacketen Schilde noch etliche Stücke antraffen; nachgehends erreicheten sie der erschlagenen Räuber Leichnam / die von den wilden Tihren schon zurissen / uñ biß auffs blosse Gerippe verzehret wahren; Von darab macheten sie sich durch das Gestäude nach der Höhle / liessen die Bauren alles zuschlagen und abbrechen / und funden noch zimlichen Vorraht an Speisen und Gewehr; dann die Gelder und Kleider wahren schon alles hinweg geführet / und den beyden Fürsten als ihr Eigentuhm eingehändiget. Weil nun keine Feindseligkeit daselbst verspüret ward / legeten die Fürsten ihre Waffen ab / führeten ihre Gemahlen und versprochene Fräulein hie und da in dem lustigen dicken Gehölz umher / und suchete ein jedweder mit seiner Liebesten allein zuseyn. Baldrich mit seinem Fräulein wahr einen zimlichen Weg in seinen Liebes Gedanken zum Walde hinein gangen / und ersahen einen lustigen dicken Baum / unter welchen sie sich nidersetzeten / etwz Ruhe zunehmen. Als sie nun in ihrem Liebes Gespräch auff nichts anders bedacht wahre / als wie sie einander in aller Zucht die anmuhtigsten Liebeszeichen erweisen möchten / da sahe das Fräulein ohngefehr zween starke Bähren zu ihnen heran eilen / und mit erschreklichen Sprüngen ihrer zubegehren / daher sie aus grossem Schrecken rieff: O mein Schaz / nun sind wir beyde des Todes! Das wende Gott ab / antwortete er / sprang auff / entblössete sein gutes Schwert / und stellete das vor Angst bebende Fräulein hinter sich an
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