Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
ein Unfal zugestossen; mit welchem Worte sie von der rechten Seite her noch zween grimmige Bähren herzu lauffen sahe / nam ihr Schwert zur Hand / welches sie auff Reisen selten von sich legete / und sagte zu ihrer Gefärtin: Stellet euch dort hinter jenen Baum / mein Fräulein / biß diese Räuber werden gebendiget seyn; Sie aber lief geschwinde Baldrichen zu / welcher gleich der Un Tihre gewahr ward / und ihnen / weil er die Groß Fürstin mit blossem Schwerte muhtig herzu eilen sahe / herzhafft entgegen sprang / das Fräulein bittend / nur ein gutes Herz zuhaben. Sie gelangeten fast zugleich bey den wütigen Bähren an / welche sich teileten / und jeder seinem nähesten Raub suchete / aber die Groß Fürstin taht auff den ihren einen dreyfachen doppelten Hieb / wodurch derselbe zu grunde gerichtet wahr. Baldrich verwunderte sich dessen zum höchsten /wolte seine Erfahrenheit auch sehen lassen / und hieb den Bähren den Leib auff / daß er das Ingeweide ausschüttete. Der Kampff ist wol gerahten / sagte Valiska / aber so viel ich merke / hat mein Herr Bruder schon mit dergleichen Ansprengern zuschaffen gehabt / und gebe nur GOtt / daß das Fräulein unbeschädiget blieben sey. Ich wünschete solches von herzen / antwortete er / aber sie hat leider eine Wunde davon getragen /welche doch mit Gottes Hülffe keine gefahr haben sol. Also gingen sie alsbald dem Fråulein zu / deren blutige Kleider der Groß-Fürstin nicht geringen Schrecken macheten / jedoch sich zufrieden gab / weil ihr die Farbe in etwas wieder kommen / und zimlich frisch redete. Ihre Leibdienerin Lektoria gehuhb sich / sehr übel / bestellete alsobald / daß etliche Reuter sie fein sanfft nach der Gutsche tragen / und sie gestrekt darauff legen musten; Baldrich aber geleitete die Geselschafft nach dem Orte des beschehenen Anfalles /traffen auff dem Wege den entlauffenen ersten Bähren an / welcher wegen schmerzens nicht weiter kommen kunte / und von Baldrich vollend hingerichtet ward. Die anwesende verwunderten sich der ungeheuren grossen Tihre / und bekennete / daß diese kühne glükliche Taht wol unter die vortreflichsten zurechnen währe. Als sie bey der Gutsche wieder anlangeten /und das Raubnest gänzlich verstöret wahr / machten sie sich auff die Heimreise / uñ setzete sich Baldrich zu dem Fräulein / deren verwundetes Bein er stets auff seiner Schoß hielt / biß sie zu Padua anlangeten / und eine vernünftige Aerztin sie verband / welche / weil ihr Baldrich 500 Kronen versprach / allen fleiß anwendete / daß sie am achten Tage ganz heile wahr. Diese Zeit über / weich Baldrich nicht weit von ihr /und nam Siegward daher Gelegenheit / seinem Fräulein gleichmässige Beywohnung zuleisten / weil diese ihre geliebte Schwester nicht verlassen wolte. Nach wieder erlangeter Gesundheit muste das gute Fräulein zimliche Auffzüge über sich nehmen; dañ weil Frr. Valiska und Sophia die Wundezeit ihrer Schwacheit etliche mahl besichtiget / und befunde hatten / daß sie mit dem Schwert geschlagen wahr / gab es Gelegenheit zu allerhand kurzweiliger Ausdeutung; woran sie sich doch wenig kehrete / sondern beteurete / sie hätte sieder dieser Verwundung zehnfache Liebe zu dem Fürsten bekommen / weil sie wüste / daß es nicht vorsezlich / sondern ohngefehr / und zu ihres Lebens Erhaltung geschehe währe. Also ward nun diese Zeit in aller ehrliebenden Kurzweil verzehret / biß der angesezte Tag zu Gallus Hochzeit herzu nahete / da ein Christlicher Lehrer gefodert ward / der anfangs die Fürsten mit ihren Fräulein / hernach Gallus wie seiner Beaten nach damahligem Kirchen Gebrauche einsegnete; aber die Fürstliche Hochzeit ward auff etliche Wochen ausgesetzet / damit der Fräulein Eltern dabey erscheinen könten. Die Groß Fürstin richtete Gallus Hochzeit auff ihrem neuerbaueten Hofe statlich aus /und wurden der ganze Raht und vornehmste Adel der Stad darauff geladen. Des späten Abends führeten die Groß Fürstin und Fr. Sophia den Fürsten ihre geliebeten Fräulein zu / und setzeten sie ihnen auffs Bette /wiewol sie nicht auff einem / sondern unterschiedlichen Gemächern schlieffen. Arbianes hatte inzwischen alles zum Stechen auffs prächtigste versehen lassen; da wahren grosse Hütten vor die Pferde / und trefliche Zelten vor Ritter und Herren auffgeschlagen; Gar-Köche / Weinschenken und Krämer hatten vor sich selbst herliche Buden auffgerichtet / mit deren etlichen der Fürst ein Verding machete / alle ankommende Ritter / so mitsteche / und ihre
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