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Die Ewigen

Die Ewigen

Titel: Die Ewigen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tina Sabalat
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fragte ich verächtlich und er sah verletzt aus, als er meine böse, kalte Stimme vernahm. "Ihr habt mir eine freie Entscheidung versprochen, das war gelogen. Ihr habt gesagt, dass ihr nur Gutes für mich wollt, das war gelogen. Ihr habt gesagt, dass ihr mich beschützt, das war die größte Lüge von allen - ihr habt gestern jedes einzelne Versprechen gebrochen, das ihr mir in den letzten Tagen gegeben habt. Ich lasse mich nicht von euch verarschen, und wenn ihr glaubt, dass ihr durch dieses ... Ding auf meiner Brust Macht über mich habt, einen Anspruch auf mich habt, dann kennt ihr mich wirklich sehr, sehr schlecht. Und ein Rat vielleicht noch, für die Zukunft eures glorreichen Ordens: Es ist äußerst dumm, jemanden zu zwingen, bei euch Mitglied zu werden, es ist aber geradezu selbstmörderisch, jemanden gegen seinen Willen zu eurem neuen Chef zu machen - denn wenn ich euer Geschwafel in den letzten Tagen richtig verstanden habe, bedeutet diese Monstrosität auf meiner Brust nichts anderes, als das ihr ab sofort nach meiner Pfeife zu tanzen habt."
    Ciaran schwieg konsterniert, als meine Worte in dem stillen Raum verhallten, Josie starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an. Es klopfte an der Tür, sie zuckte zusammen, huschte hinüber und öffnete. Andreas trat ein - und war ich vorher schon zornig gewesen, sah ich jetzt einfach nur Rot. Sein Gesicht brachte mir die Erinnerung ins Bewusstsein, nach der ich eben so vergeblich gesucht und die doch ganz dumpf in mir gelauert hatte, unter meiner Angst und unter meiner Wut: Der Dolch, der herausgezogen wurde und der wieder zustieß, später dann frische Schmerzen und frisches Blut - ich wusste plötzlich, dass es Andreas gewesen war, der zum zweiten Mal zugestochen hatte, dass es Andreas gewesen war, der später aus den Stichwunden dieses Monstrum von einem Schwingenkreuz gemacht hatte. Ja, ich erinnerte mich - nicht, dass ich wirklich wach gewesen wäre, aber ein Teil von mir hatte das registriert, hatte mitverfolgt, was da geschehen war: Hände, die meinen Körper drehten, heiße Schnitte in der Haut, leise Stimmen, raschelndes Papier, kühl prickelnder Metallstaub. Mein Körper fühlte sich plötzlich eiskalt an, wie aus Stein, nur das Blut klopfte hart und heiß in meiner neuen Narbe.
    Andreas wollte etwas sagen, doch ich hob die Hand. Er sah mich an, und in seinen Augen las ich, dass er wusste, dass ich mich erinnerte, dass er meinen Zorn erkannte. Er senkte erst den Kopf zur Brust, dann ein Knie auf den Boden.
    "Geh mir aus den Augen", sagte ich, er erhob sich und ging, ohne mich noch einmal anzusehen.
    Ich wankte zum Bett und setzte mich hin, denn Jackson hatte Recht: Ich brauchte jede Menge Kraft, denn es gab viel zu schreien.
    Magnus Josie kam gegen ein Uhr mittags aus dem Krankenzimmer, sie war blass und sah völlig fertig aus - schlimmer als vor einer Stunde, als sie Jack gebeten hatte, ein paar Sachen aus Sharas Gepäck zu holen. Andreas war vor etwa einer Viertelstunde wortlos an uns vorbei gelaufen, beides zusammen kein gutes Zeichen. Jack sprang denn auch alarmiert auf, als er Josies Gesichtsausdruck sah, doch sie machte eine besänftigende Geste.
    "Ihr geht's ... gut. Sie schläft. Habt ihr eine Zigarette?"
    Ich hob fragend eine Augenbraue, Josie rauchte nie. Sie streckte fordernd eine Hand aus, ich nestelte die Packung aus meiner Hosentasche.
    "Gehen wir raus", sagte ich, und zu dritt traten wir vor die Tür auf den Vorplatz.
    Das Auto von gestern Nacht stand noch schief vor der Garage, und ich bemerkte ein paar kleine, dunkle Tropfen auf dem Pflaster - Blut. Ich sah weg und gab Josie Feuer, sie inhalierte tief und hustete, ließ sich dann schwer auf die Eingangsstufe fallen.
    "Ist etwas passiert? Als ich ihre Sachen geholt habe, war doch alles in Ordnung, war sie doch aufgestanden?", fragte Jack, aber Josie schüttelte nur müde den Kopf.
    "Hat sie das Kreuz schon gesehen?", versuchte ich mein Glück, bekam aber auch keine Antwort.
    "Josie, bitte - rede mit uns!" Jack fasste sie am Arm und schüttelte den schmächtigen Körper, sie sah auf und verzog den Mund.
    "Ja, sie hat das Kreuz gesehen. Sie hat den Verband selber abgemacht, bevor wir es ihr gesagt haben, und sie ist stocksauer. Das ist passiert."
    Ich sah Jack an: Er lächelte, als würde ihn das freuen, und ich verstand ihn - er hatte eben von Schock und Angst gesprochen, da war Wut eindeutig gesünder. Aber warum war Josie so durch den Wind?
    "Und das macht dich so fertig? Das war doch zu

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