Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Die Geliehene Zeit

Titel: Die Geliehene Zeit Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
Vom Netzwerk:
Schritte im Korridor und merkte, daß Jamie keinen Schlaf gefunden hatte und barfuß durchs Haus ging.
    »Jenny?« Er sprach leise, denn er wollte niemanden wecken, doch vernahm ich seine Stimme ganz deutlich in der nächtlichen Stille des Hauses.
    »Ich habe die Kleine schreien hören«, sagte er. »Sie kann nicht schlafen - und ich auch nicht, aber wenigstens du sollst deine Ruhe haben. Wenn du sie gefüttert und gewickelt hast, werde ich ihr ein wenig Gesellschaft leisten, und du kannst wieder ins Bett.«
    Jenny unterdrückte ein Gähnen, doch ich hörte am Klang ihrer Stimme, daß sie sich freute.
    »Jamie, du bist ein wahrer Segen für eine geplagte Mutter. Aye, sie ist pappsatt, und gewickelt habe ich sie auch. Da, nimm sie, und ich wünsche euch viel Spaß miteinander.« Eine Tür ging zu, und ich hörte den schweren Tritt Jamies, der sich auf unser Schlafzimmer zubewegte, und das leise Murmeln, mit dem er das Baby beruhigte.
    Ich schmiegte mich tiefer ins warme Federbett und dämmerte wieder hinüber, während ich noch ganz leise das Wimmern des Babys hörte, und Jamies tiefes, tonloses Summen, ein Klang, der so beruhigend wie das Geräusch eines Bienenschwarms in der Sonne war.
    »Hm, kleine Kitty, ciamar a tha thu? Sehr, mo naoidheachan, sehr.«
    Schon im Halbschlaf hörte ich den beiden draußen auf dem Flur zu. Eines Tages vielleicht würde er sein eigenes Kind so im Arm halten, das kleine runde Köpfchen in seine großen Hände geschmiegt, den kleinen Körper geborgen und behutsam an seine Schultern gedrückt. Und vielleicht würde er eines Tages seiner eigenen Tochter ganz leise ein Lied singen, ein warmes, sanftes Lied in der dunklen Nacht.
    Der nagende Schmerz in meinem Innern wurde hinweggetragen von einer Welle der Zärtlichkeit. Ich war einmal schwanger geworden, ich konnte es wieder werden. Faith hatte mir diese Gewißheit
geschenkt, Jamie den Mut und die Mittel, sie zu nutzen. Meine Hände ruhten sanft auf meiner Brust. Ich war mir vollkommen sicher, daß diese Brüste eines Tages ein Kind aus meinem Schoß nähren würden. Begleitet von Jamies leisem Gesang, glitt ich hinüber in den Schlaf.
    Später wurde ich wieder wach. Das Baby hatte sich beruhigt, doch ich hörte Jamie draußen im Flur flüstern. Seine Stimme war jetzt ruhiger, kaum mehr als ein Murmeln. Und auch der Tonfall hatte sich geändert. Es war nicht mehr das rhythmische Gestammel, die Art und Weise, in der man mit Babys spricht, sondern das gebrochene, stockende Sprechen eines Menschen, der durch das Labyrinth seines Herzens einen Weg sucht.
    Neugierig schlüpfte ich aus dem Bett, schlich mich zur Tür und spitzte hinaus. Am Ende des Flures konnte ich die beiden erkennen. Jamie saß am Boden, gegen das Fenster gelehnt, er war nur mit seinem Hemd bekleidet. Seine Füße waren nackt, und er hatte die Beine angezogen, so daß sich die kleine Katherine Mary auf seinem Schoß anlehnen konnte; ihre kleinen Füßchen strampelten unaufhörlich gegen seinen Bauch.
    Das Gesicht des Babys war hell wie der Mond, ihre dunklen Augen nahmen jedes Wort auf, das er sprach. Er strich ihr immer wieder über die Wange und flüsterte mit herzzerreißender Sanftheit.
    Er sprach Gälisch, und so leise, daß ich nicht hätte wiederholen können, was er sprach, auch wenn ich die Worte verstanden hätte. Aber seine Stimme war belegt, und das Mondlicht, das hinter ihm durch das Fenster flutete, beleuchtete die Tränen, die ihm über die Wangen liefen.
    Hier durfte ich nicht stören. Ich tastete mich zurück in mein warmes Bett und bewahrte in meinem Gedächtnis das Bild des Herrn von Lallybroch, der halbnackt im Mondlicht saß und angesichts einer ungewissen Zukunft seinem Herzen Luft machte, während er im Schoß den Sproß seiner Familie hielt.
     
    Als ich am Morgen aufwachte, spürte ich einen warmen, ungewohnten Duft neben mir, und etwas zupfte an meinem Haar. Als ich die Augen öffnete, sah ich Katherine Mary neben mir, die traumverloren schmatzte und mit ihren dicken Fingerchen das Haar über meinem linken Ohr festhielt. Ich löste mich vorsichtig
aus ihrem Griff, sie bewegte sich, drehte sich auf den Bauch, zog die Knie an und schlief weiter.
    Jamie lag auf ihrer anderen Seite, das Gesicht halb in sein Kissen vergraben. Er blinzelte und öffnete langsam die Augen.
    »Guten Morgen, Sassenach«, sagte er leise, um die kleine Schläferin nicht aufzuwecken. Er lächelte mich an, als ich mich im Bett aufsetzte. »Das war ein schönes Bild, wie ihr beide

Weitere Kostenlose Bücher