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Die Kaiserzeit von Augustus bis Diocletian

Die Kaiserzeit von Augustus bis Diocletian

Titel: Die Kaiserzeit von Augustus bis Diocletian Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Heinz Bellen
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um Tiberius bei der Regierung des Reiches zu unterstützen. Andererseits war diesem
     das augusteische Modell der Mitherrschaft als Vorbild gegenwärtig, so daß es verständlich erscheint, daß er jetzt in Seian
     seinen vorzüglichen Helfer sah.
    Während die Heranziehung der Spitzen des Senatoren- und Ritterstandes zum Reichsregiment und die bevorzugte Berücksichtigung
     der Mitglieder des Kaiserhauses in diesem Konzept auf Augustus zurückgingen, tauchte schon für Tiberius ein Problem auf, das
     unter Augustus nicht bestanden hatte, sondern erst bei seinem Ableben akut wurde: die Beteiligung einer Frau an der Regierung.
     Augustus hatte diese Möglichkeit seiner Frau Livia mit der testamentarischen Übertragung des Ehrennamens „Augusta“ eröffnet.
     Und tatsächlich hat Livia auf vielerlei Weise versucht, sich neben Tiberius zur Geltung zu bringen oder auf seine Entscheidungen
     Einfluß zu nehmen. Es bedurfte mancher Anstrengungen des Sohnes, um seine Mutter von ihren politischen Aktivitäten, z. B.
     ihren Beziehungen zum Senat, abzubringen. Nichtsdestoweniger galt Livia im Reich genauso als Repräsentantin des Kaisertums
     wie Tiberius selbst. Das zeigten die Anträge der Provinzen Asia und Baetica auf Errichtung gemeinsamer Tempel (unten S. 61f.).
     Tiberius trug schwer an den Ambitionen seiner Mutter, so schwer, daß sein Verhältnis zu ihr ganz erkaltete. Als sie im Jahre
     29 starb, nahm er an ihrem Begräbnis nicht teil. Für ihre Divinisierung sorgte erst Claudius (42).

|33| Vieles, was Livia durch das ablehnende Verhalten des Tiberius versagt blieb, erreichte Agrippina mühelos, nachdem sie 49 Claudius
     geheiratet hatte und 50 zur Augusta erhoben worden war. Ihre Gleichstellung mit dem Princeps fand den deutlichsten Ausdruck
     in der Repräsentation: Trug Claudius den Feldherrnmantel
( paluda mentum
), so auch sie einen diesem entsprechenden Umhang (Plin. nat. hist. 33, 63), nahm Claudius auf hohem Sitz die Huldigung eines
     auswärtigen Fürsten entgegen, so auch sie auf einem ebensolchen Sitz thronend (Tac. ann. 12, 37, 4). Völlig neu war auch,
     daß Agrippinas Porträt (zu Lebzeiten!) auf den Reichsmünzen erschien (Rom. Imp. Coin. I 2 126, Nr. 80) – wie das des Claudius. Aber auch was die tatsächliche Macht anbelangte, so übte Agrippina sie in gleichem Maße
     aus wie Claudius. Beispielsweise war die Einsetzung des Prätorianerpräfekten Sex. Afranius Burrus (51) ihr Werk, und die Erhebung
     ihres Geburtsortes zur Kolonie italischen Rechts (50) verewigte gar ihren Namen: Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln).
     Noch mehr erhöht wurde ihre Stellung zu Anfang der Regierung ihres Sohnes Nero. Dann aber begannen Seneca und Burrus der Übersteigerung
     ihrer Ansprüche entgegenzuwirken, und schließlich sagte auch Nero sich von ihr los – durch Mord (59). Im Gegensatz zu Agrippina
     hatte ihre Vorgängerin als Gattin des Claudius, Messalina, nicht den Augusta-Titel erhalten. Aber ihr Einfluß auf Claudius
     und das Geschehen am Hofe war nicht geringer als der Agrippinas. Nur wählte Messalina mehr das heimliche Vorgehen und die
     Intrige. Immerhin war sie bei dem Prozeß gegen D. Valerius Asiaticus (47) persönlich anwesend; die Verhandlung fand allerdings
intra cubiculum
statt (Tac. ann. 11, 2, 1). Vieles, was sie tat, ging zu Lasten ihrer Habgier; die Verurteilung des Valerius Asiaticus brachte
     ihr z. B. die
horti Lucullani
am Mons Pincius ein. Ihr im übrigen lasterhaftes Leben kulminierte im Jahre 48 in der Heirat mit ihrem Liebhaber C. Silius,
     als Claudius für einige Zeit in Ostia weilte. Die Rache des der Lächerlichkeit preisgegebenen Princeps ließ nicht auf sich
     warten: Messalina, Silius und alle Vertrauten des Paares wurden für ihr hochverräterisches Wagestück mit dem Tode bestraft.
    Messalina und Agrippina waren bei ihren Aktivitäten am Hofe in starkem Maße auf die Unterstützung der kaiserlichen Freigelassenen
     angewiesen, die als Inhaber der großen Hofämter unter Claudius zu solcher Bedeutung heranwuchsen, daß man geradezu von einem
     neuen Machtfaktor des Prinzipats sprechen konnte. Es waren insbesondere drei Ressorts
( ministeria
, Tac. hist. 1, 58, 1), |34| deren Leiter zu den wichtigsten Männern in der Umgebung des Claudius zählten: Das Finanzwesen lag in den Händen des Pallas,
     der die Dienstbezeichnung
a rationibus
führte. Die amtliche Korrespondenz gehörte zu den Aufgaben des Kanzleichefs
( ab epistulis
) Narcissus, und die Entscheidungen,

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