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Die Kinder von Estorea 02 - Der magische Bann

Titel: Die Kinder von Estorea 02 - Der magische Bann Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Barclay
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Ablenkung. Sie waren den größten Teil des Tages durch den Berg gereist, und das Wissen, welche Massen sich über ihnen auftürmten, bedrückte ihn wie alle anderen. Es hatte einige schroffe Wortwechsel und ein langes, unbehagliches Schweigen gegeben. Die Karku liefen jetzt schneller und richteten sich etwas auf. Die trägen Maultiere ließen die Ohren spielen, witterten die frische Luft und blökten erfreut.
    Auch Jhereds Laune besserte sich zusehends. Die feuchte Kälte der Tunnel war ihm durch die Pelze bis unter die Haut gekrochen. Draußen wäre es zwar kalt, aber die Sonne würde sich wundervoll im Gesicht anfühlen. Harban sah sich um.
    »Dieses Gebiet dürfen Fremde eigentlich nicht betreten. Vergesst nicht, dass es eine Ehre ist.«
    Jhered trat in die helle Nachmittagssonne hinaus und schirmte die Augen mit der Hand ab. Unter ihnen, am Fuß eines sanften, mit Schnee bedeckten Hanges, lag die beste Erklärung dafür, dass die Karku lieber außerhalb der Berge lebten, und der Schatzkanzler fragte sich, ob er seinen Altersruhesitz wirklich in Caraduk bauen wollte.
    Vollständig von Bergen umgeben, erstreckte sich eine leicht gewellte, mit saftigem Gras bewachsene Ebene vor ihnen. Er schätzte, dass sie etwa zwei Meilen breit und doppelt so lang war. In der Mitte verlief ein Fluss, der hoch über ihnen aus einem Höhleneingang sprudelte und links zwischen zerklüfteten Bergen wieder verschwand. So weit das Auge reichte, waren alle Steinflächen bis zu einer Höhe von zwanzig Fuß oder mehr mit bunten Bändern bemalt. Zahlreiche Pfade schlängelten sich an den Hängen empor und verschwanden im Schnee oder zwischen den Gipfeln.
    Im Osten und Westen begannen einige hundert Fuß oberhalb ihres Standortes gewaltige, mit Eis bedeckte Hänge, die zwischen den Bergen hoch hinaufführten und die Gebirgsketten teilten. Jhered betrachtete sie voller Ehrfurcht. Sie waren sicher keine natürlichen Erscheinungen, sondern von den Karku erschaffen. Die Ausrichtung war viel zu genau, um ein Zufall der Natur zu sein. Ohne sie läge die Ebene längst im tiefen Schatten. Doch die Eisfläche war genau richtig geneigt, um die Sonnenstrahlen einzufangen und das Licht über die ganze außerordentliche Szenerie zu verteilen.
    In der Ebene lag eine kleine Stadt. Zu beiden Seiten des Flusses erhoben sich hinter Steinmauern kreisrunde ein- und zweistöckige Häuser inmitten großer Grundstücke, auf denen Gemüse wuchs oder Schafe, Ziegen und zottige Rinder grasten. Die Dächer waren kuppelförmig und bestanden aus Holz, im Mittelpunkt jedes Dachs ragte ein Kamin empor. Aus den meisten stiegen dünne Rauchwolken auf.
    Nördlich der Stadt waren größere Gebäude um einen offenen Platz gruppiert. Auch der Platz war kreisrund und mit Steinplatten ausgelegt. Im Zentrum gab es einen Brunnen, weitere waren in der ganzen Siedlung verteilt.
    »Oh, ist das schön!«, hauchte Mirron.
    Jhered nickte. Es war wirklich wunderschön.
    »Kein Wunder, dass sie es geheim halten wollten«, meinte Menas.
    »Wir haben viele Gesichter«, erklärte Harban. »Die Fremden sehen nur eines davon. Willkommen in Yllin-Qyist.«
    Er führte sie die breite Treppe vor dem Ausgang des Tunnels und dann den Abhang hinunter. Unten in der Stadt waren bereits einige Einwohner stehen geblieben und sahen die Fremden an, die ihren Ort besuchten. Kinder unterbrachen ihre Spiele, als die Mütter sie zu sich riefen. Die Erwachsenen sammelten sich in Grüppchen. Viele waren mit kurzen Klingen, Stöcken, Speeren und Waffen ausgerüstet, die an kleine Armbrüste erinnerten.
    Harbans Begleiter liefen voraus, sprachen mit den Leuten, beschwichtigten ihre Ängste und erklärten ihnen, wer da kam. Die Vorsicht wich sogleich der Ehrerbietung, und die Leute tuschelten. Jhered lächelte.
    »Danke«, sagte er in seinem unvollkommenen Karku. »Danke, dass ihr uns in euer Heim aufnehmt.«
    Er war nicht sicher, ob sie es verstanden hatten. Unverhohlen starrten die meisten Einwohner die Aufgestiegenen an, die ihm folgten. Er drehte sich um.
    »Lächelt doch mal«, sagte er. »Bei Gott, der ums umfängt, ihr seht aus, als stünde euch die Hinrichtung bevor.«
    »Was ist denn los?«, fragte Ossacer.
    »Sie starren uns an, Ossie«, erklärte Arducius.
    Ossacer betrachtete sie mit seinen blicklosen Augen und lächelte. »Sie mögen uns«, sagte er. »Sie wollen uns hier haben.«
    »Kannst du das wirklich spüren?«, fragte Jhered.
    »Ihre Gedanken wärmen und beruhigen ihre Energieströme. Sie haben

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