Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)

Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)

Titel: Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Markus Heitz
Vom Netzwerk:
früher oder später.
    »Dann könnt Ihr nur Aiphatòn sein, der Kaiser der Albae. Meine Gevatterin wird sich freuen, Eure Geschichte zu vernehmen, warum Ihr Tark Draan den Rücken kehrtet.« Die Aussage klang neutral. »Solltet Ihr gekommen sein, um die Herrschaft …«
    »Nein«, unterbrach er sie direkt. »Und das war auch nicht der Grund, weswegen man mich von den Mauern warf.«
    »Shôtoràs braucht keinen Grund. Ihr kommt aus Tark Draan und seid für ihn Abschaum. Das genügt dem alten Tor.« Ávoleï gab rasche Anweisungen, die Seeherrscherin ging längsseits zur Hafenmauer und ließ die Anker an Bug und Heck ab, bevor sie vertäut wurde. »Aber wusste er, wer Ihr seid?«
    Aiphatòn nickte. »Ja.«
    Die Albin beobachtete das Anlegen ganz genau und wirkte sichtlich zufrieden mit dem Verlauf; gelegentlich wischte sie sich das Regenwasser aus den Augen. Eine Rampe wurde von Land an die Bordwand angelegt, die ein bequemes Aussteigen ermöglichte. »Dann hält er Euch sicherlich für tot.«
    »Mein Speer wird ein Andenken sein, an dem er sich nicht lange erfreuen wird.«
    »Ihr wollt zurück?« Ávoleï sah ihn verwundert an und ging auf die Treppe zum Unterdeck zu. »Kommt. Im Palast haben sie trockene Kleidung für uns. Meine Gevatterin wird sich freuen, Euch zu sehen.«
    »Ich hoffe es. Ich kann mich nicht ewig darauf verlassen, Stürze von Klippen zu überstehen«, erwiderte er und folgte ihr. »Mein Speer ist zu besonders und zu einmalig, um ihn unkundigen Händen zu überlassen.«
    »Glaubt mir: Shôtoràs wird einen Krieger finden, der mit Eurer Waffe zu kämpfen versteht.«
    Nebeneinander schritten sie die Rampe hinab und betraten die befestigte Hafenmauer, auf der reges Treiben herrschte. Die Mannschaften der Begleitschiffe löschten Ladung. Hinter ihnen ragte die Bordwand der Seeherrscherin beeindruckend in die Höhe.
    »Wie nennt man diese Sorte Schiff?« Er musste es einfach fragen.
    »Das ist eine Rònke frekorischen Ursprungs«, erklärte die Kommandantin. »Wir verbesserten ihr Fahrverhalten und veränderten das Aussehen, damit es unserem Geschmack mehr entgegenkommt. Im Verband mit den vier Seglern, die Ihr da drüben liegen seht, ist sie unschlagbar. Mehr müsst Ihr nicht wissen.«
    Eine Kutsche rollte heran, in die sie einstiegen.
    »Um auf unseren eigentlichen Gesprächsgegenstand zurückzukommen: Der Speer gehorcht ausschließlich mir. Er ist aus der gleichen Legierung geschmiedet wie die Platten.« Aiphatòn setzte sich und berührte die Panzerung.
    »Und doch sehe ich da ein Loch, das vorher nicht da war, nehme ich an«, konterte Ávoleï, ohne Bosheit in der Stimme, und nahm ihm gegenüber Platz. Dass sie nass bis auf das Untergewand war, schien sie nicht zu stören. »Ihr seid in einem Teil von Ishím Voróo, in dem Magie unglaublich stark ist. Das sei Euch eine Warnung. Unsere Cîani sind mannigfaltig und mit Gaben gesegnet, gegen die ein Magus oder eine Maga aus Tark Draan wie ein Schüler aussieht.«
    Aiphatòn sah die Todestänzerin vor sich und ihre glühenden Nadeldolchklingen, die sich durch seinen Harnisch gebrannt hatten. Der Gedanke genügte, und das Kribbeln breitete sich wieder in ihm aus. »Das hätte man mir vorher sagen können«, murmelte er vor sich hin. Er steckte den kleinen Finger durch das Loch und biss die Zähne zusammen, als die Kuppe auf das weiche, rosafarbene Fleisch traf. Es muss eine tiefe Wunde gewesen sein.
    Die Kutsche rollte los.
    »Betrachten wir es als eine Fügung Samusins, dass meine Leute zu dem Augenblick vor Dâkiòn lagen, als Ihr ihnen buchstäblich vor die Füße … oder besser: in die Hände fielt«, sprach Ávoleï und warf ihm eine Decke zu, damit er sich abtrocknete. »Macht Euch keine Sorgen: Ihr seid mein Gast, und da ich Euch das Leben rettete, gehört es mir.«
    »Das bedeutet was?«
    Die Albin nahm eine zweite Decke und rieb sich damit über den Kopf. »Dass meine Gevatterin Euch erst von der Klippe werfen darf, wenn ich ihr meine Erlaubnis erteile.« Sie lachte, um ihm zu zeigen, dass sie einen Scherz gemacht hatte.
    Aiphatòn stimmte mit ein und tupfte sich das Wasser aus dem Gesicht sowie den kurzen, schwarzen Haaren, die im Verlauf seiner Abenteuer nachgewachsen waren.
    Er fand die Kommandantin ansprechender als jede Albin, der er in den letzten Sonnenzyklen begegnet war, und doch ging etwas Unbestimmbares von ihr aus, das ihn irritierte.

    Ishím Voróo, Albaestadt Dsôn Dâkiòn, 5452.   Teil der Unendlichkeit (6491.  

Weitere Kostenlose Bücher