Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)
Auftraggebern.
Shôtoràs ging langsam die Treppe nach unten. Ich brauche ihn unbedingt. Er wäre wie geschaffen, um die übermütigen Botoiker buchstäblich hinfortzufegen. Und natürlich das unwürdige Elhàtor, mit seinen Verrätern, dem Abschaum, der Elbin und den frekorischen Söldnerwurzeln.
Der Regent würde die Hand ins Feuer dafür legen, dass es mehr als einen Halbalb unter den Einwohnern der Insel gab.
Ich bin nur ein einziges Schloss, eine Prise Magie und ein wenig Metall von meinem größten Sieg entfernt – ohne dass mich jemand verdächtigen könnte.
Shôtoràs hatte das Erdgeschoss erreicht und folgte dem Geruch von geröstetem Brot, das mit zerlassenem Speck beträufelt wurde; darauf käme eine dünne Schicht Ei, gekrönt von frischen Kräutern. Es gab morgens nichts Besseres für seinen Magen und seine Laune.
Er liebte es, den Anschein zu erwecken, der Friedensbewahrer zu sein.
Keinesfalls wollte er Modôia einen Grund liefern, ihm mit einem Angriff zuvorzukommen. Seine Vorbereitungen liefen zwar gut, doch er fühlte sich nicht wohl dabei. Eine Schlacht konnte immer einen anderen Verlauf nehmen, als die Strategen und sein geschätzter Freund Pasôlor vorausgeplant hatten.
Als er von einem Kaufmann hörte, dass in den Bergen plötzlich unvorhersehbare Winde jagten und heulten, die aus sämtlichen Himmelsrichtungen gleichzeitig zu strömen schienen, hatte Shôtoràs aufgehorcht. Die Legende von der Windstimme war immer eine seiner liebsten Geschichten gewesen, und plötzlich klang es, als könnte sie einen wahren Kern enthalten.
Also ließ er seinen besten Cîanoi ein Transportbehältnis bauen, aus dem es kein Entkommen gab, sowie Fesseln entwerfen, um die Windstimme daran zu hindern, ihre Macht entfalten zu können.
Es wird nicht lange dauern, und ich weiß mehr.
Shôtoràs betrat die Küche und wurde von der Dienerschaft mit freundlichen Begrüßungen bedacht.
Er begab sich an seinen Platz neben dem Fenster, aus dem man einen ausgezeichneten Blick über Dâkiòn hatte, und bekam aufgetischt. Genüsslich speiste er.
Vier Cîani kümmerten sich auf sein Geheiß darum, einen Weg zu finden, wie man die Schutzzauber der Halbmaske aufhob.
Vorausgesetzt, Cushròk fing den richtigen Alb, wird er mir einen Sturm, gar einen Orkan entfachen, der das Meer aufpeitscht und Elhàtor auseinanderreißt. Der Regent biss von dem knusprigen, wohlschmeckenden Brot ab und betrachtete die hellen Dächer seiner Stadt. Die Wogen werden so lange über die Insel toben, bis nichts mehr steht und der Abschaum untergegangen ist. Die Überlebenden mögen bei uns Zuflucht finden, doch ich werde sehr genau aussortieren.
Einer seiner Köche stellte ihm einen Tee aus frischer Minze und Kräutern hin, und Shôtoràs nickte ihm gütig zu.
Niemand würde an seinem Verhalten erkennen, mit welchen Gedanken und Bildern im Kopf er gerade beschäftigt war. Dazu hatte er zu lange das Leben eines abgefeimten Politikers geführt.
Die Windstimme stellte die Lösung für jedwedes Problem dar.
Sollte Nodûcor hingegen einfach nur ein Alb ohne eine besondere Begabung sein, würde er ihn töten lassen und eine neue Truppe zur Suche aussenden. Bis ich meine Windstimme habe. Sie ist irgendwo in Ishím Voróo.
Das Gefügigmachen von Nodûcor würde gelingen, darum hatte er keine Sorge.
Welle um Welle wird über sie hinwegbranden, ob auf dem Fluss oder in Elhàtor. Irïanora kann meinetwegen absaufen. Das ist ihre Strafe für Gathalors fahrlässigen Tod. Shôtoràs lächelte zufrieden. Die Natur kann grausam sein.
Gerade dann, wenn man es ihr befiehlt.
Saitôra eilte durch die schluchtengleichen Straßen und strebte dem Todestänzer zu.
Sie kannte die Einrichtung, in der gelehrt wurde, wie man sich bewegen musste, um zu solch einer Ausnahmekämpferin oder einem -kämpfer werden zu können.
Ihre eigenen vorsichtigen Versuche waren nicht von Erfolg gekrönt gewesen, daher hatte sie es sein lassen, bevor eine erste magische Tätowierung vorgenommen werden sollte. Dieses Prozedere konnte tödlich verlaufen, die Energie musste mit Bedacht in die giftige Farbe eingebracht werden. Stachen die Nadeln zu tief, starb man einen peinigenden Tod.
Saitôra erreichte die Tür, die im Durchfahrtstor eingebettet und verschlossen war. Sie trug noch immer das Kleid, das man ihr in Elhàtor geschenkt hatte. Sie würde es später ausziehen, erst wollte sie ihre Aufträge erledigt wissen. Anûras schien einer der Meister zu sein, die unterrichteten,
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