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Die Letzte Spur

Die Letzte Spur

Titel: Die Letzte Spur Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Link
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Die Gerechtigkeit, die es trotz allem gibt und die nur immer ganz anders aussieht, als wir sie uns denken, so ganz anders, dass wir manchmal sehr lange brauchen, sie überhaupt zu erkennen. Dein Wissen, Cedric, dein Wissen lähmt dich. Bei all deiner Schönheit und Gesundheit bist du genauso gelähmt und verkrüppelt wie ich. Ein Krüppel, Cedric, ein Seelenkrüppel. Und soll ich dir etwas sagen? Diese Tatsache macht mich sehr, sehr glücklich!« Er lachte wieder.
    Cedric wandte sich um und verließ mit großen Schritten den Raum.
    Er konnte Geoffs Lachen noch im Flur hören.
     
    9
     
    Sie hatten den Ort Langbury zwar in Marcs Straßenatlas gefunden, aber es handelte sich um eine zwanzig Jahre alte Kartensammlung, und so war die neue Umgehungsstraße, auf der man das Dorf inzwischen erreichen konnte, noch nicht verzeichnet. Die alte Landstraße, der sie zunächst folgten, endete jäh an einer rot-weißen Sperre, hinter der sie nur noch ein kleines Stück weiter verlief und schließlich, von immer mehr Gras überwuchert, in Weideland überging. Es war inzwischen spät am Abend und dunkel. Der Nachthimmel war übersät von Sternen, die Temperaturen näherten sich dem Frostbereich. Marc hielt an, sie stiegen beide aus und betrachteten die Absperrung.
    »Ich fürchte, hier kommen wir nicht weiter«, meinte Marc, »wir müssen zurück und sehen, wo wir eine Abzweigung finden. Es muss ja einen Weg zu diesem verflixten Dorf geben.«
    Rosanna schlang fröstelnd die Arme um sich. Sie war für die Kälte dieser Nacht viel zu leicht angezogen. »Hoffentlich ist Mr. Cadwick überhaupt noch wach, bis wir ankommen. Ich platze fast vor Spannung, Marc. Ich würde so gern heute Abend noch herausfinden, ob wir es mit unserer Elaine zu tun haben.«
    Marc blickte auf seine Uhr. »Halb zehn. Wenn Mr. Cadwick nicht ausgesprochen früh ins Bett geht, müssten wir ihn noch antreffen. Kommen Sie, wir wenden. Ich bin, ehrlich gesagt, todmüde und würde gern nun irgendwann ankommen. «
    Sie fuhren eine halbe Ewigkeit lang die Landstraße zurück. Schließlich erreichten sie eine Tankstelle, in der sie sich den Weg nach Langbury erklären ließen. Mit frischem Mut machten sie sich an die letzte Etappe. Um zehn Uhr kamen sie in dem kleinen Dorf an, das bereits in schönstem Schlummer zu liegen schien. Nur hier und da brannte ein Licht hinter einem der Fenster.
    »Hier gehen die Leute aber früh schlafen«, meinte Rosanna verwundert.
    »Es ist das Ende der Welt«, sagte Marc, »hier ist überhaupt nichts los. Selbst das nächste Kino dürfte eine größere Reise weit entfernt sein. Ich frage mich …« Er brach den Satz ab.
    »Was?«, fragte Rosanna.
    »Wenn es wirklich Elaine Dawson ist, unsere Elaine Dawson, die wir antreffen werden, dann frage ich mich, weshalb sie sich ausgerechnet hierher zurückgezogen hat. Ich meine, es ist irgendwie unlogisch. Damals kam sie mir vor wie eine Frau, die die Enge und Weltentrücktheit ihres Heimatdorfs unbedingt hinter sich lassen wollte. Aber dieses Langbury hier dürfte ein noch weitaus verschlafeneres Nest sein als Kingston St. Mary, oder irre ich mich?«
    »Gegen Langbury«, sagte Rosanna, »ist Kingston St. Mary fast eine Weltstadt. Ich kann es auch nicht verstehen. Aber die ganze Sache ist ohnehin mehr als rätselhaft, und ich kann nur hoffen, dass wir vielleicht noch heute Nacht die Lösung für alles präsentiert bekommen.«
    Angestrengt starrte sie auf einen Zettel, den sie aus ihrer Handtasche geholt hatte. In Stichpunkten hatte sie darauf die höchst verworrene Beschreibung notiert, mit der Cadwick ihr den Weg zu seinem Haus erklärt hatte. »Halt, Marc! Ich glaube, hier in diese Gasse müssen wir jetzt einbiegen!«
    Sie verfuhren sich völlig, irrten durch Gässchen, die so schmal waren, dass Marc mehr als einmal Angst um seine Seitenspiegel bekam. Rosanna war froh, dass die Sucherei sie vom Grübeln abhielt. Seit Dennis' Anruf am Mittag fühlte sie sich nicht mehr wohl in ihrer Haut.
    Robert.
    Es hatte sie nicht besonders verwundert zu hören, dass er verschwunden war, sie hatte, seitdem er ihr von der Party und der Einstellung seines Vaters dazu erzählt hatte, fast mit etwas Derartigem gerechnet. Es war ihr klar gewesen, dass Rob trotz des Verbots an der Feier teilnehmen würde, und auch, dass es anschließend zu irgendeinem Eklat kommen würde. Sie blieb relativ gelassen, da sie überzeugt war, dass Rob nichts zugestoßen war.
    »Von einem Unfall hättest du längst gehört«, hatte sie

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