Die Rückkehr des Dunkelelf 2 - Kampf der Kreaturen
war nicht wirklich überrascht, dass es so zu Ende gegangen war. Dennoch, in diesem Augenblick wurde Drizzt Do'Urden nur von einem einzigen Gefühl beherrscht, nämlich von seinem Zorn darüber, wie vergeblich alles war.
Einen Augenblick später riss er sich zusammen, erinnerte sich daran, dass Tarathiel und Innovindil immer noch ziemlich hilflos sein mussten, und eilte zurück. Er fand sie in Sicherheit, und sie hatten bereits begonnen, sich ein wenig zu regen.
Innovindil griff nach ihrer Kleidung, als Drizzt hereinkam, also hob er die Sachen schnell vom Boden auf und reichte sie ihr, dann zog er sich zum Eingang zurück und begann, Ad'nons Überreste wegzuschaffen.
»Es ist gut, dich wiederzusehen, Drizzt Do'Urden«, sagte Tarathiel. »Und es war für uns eine sehr glückliche Begegnung.«
»Hast du dich um die andere Drow gekümmert?«, fragte Innovindil.
»Sie ist tot«, bestätigte Drizzt ernst. »Sie ist von einer Klippe gestürzt.«
»Hat es dir wehgetan, sie zu töten?«, fragte Innovindil.
Drizzt riss den Kopf zu ihr herum und sah sie aus zusammengekniffenen Augen an.
»Hat es?«, fragte Innovindil abermals, ohne mit der Wimper zu zucken.
Drizzt zuckte die Achseln. »Es tut jedes Mal weh«, gab er zu.
»Dann ist deine Seele noch intakt«, stellte Tarathiel fest. »Wenn das Töten dir nichts mehr ausmacht, dann solltest du Angst haben.«
Wie tiefgründig diese schlichte Bemerkung Drizzt in diesem Moment vorkam, in dem er irgendwo zwischen seinem wahren Ich und dem Jäger gefangen zu sein schien. Er fühlte sich tatsächlich seelenloser, wenn er der Jäger war. Den Jäger störte das Töten nicht. Er hatte nichts als die Befriedigung über seinen Sieg gespürt, als er Ad'non getötet hatte, aber Donnias Tod quälte ihn. Es musste irgendeinen Mittelweg geben, dachte Drizzt, eine Möglichkeit, zu kämpfen wie der Jäger und dennoch seine Seele zu behalten. Er dachte wieder über die vergangenen Jahre nach und glaubte, dass er diesen Ort schon einmal gefunden hatte. Er konnte nur hoffen, dass es wieder geschehen würde.
Drizzt durchsuchte Ad'nons Taschen, suchte nach einem Hinweis, wer dieser Dunkelelf gewesen war und wieso er sich hier aufgehalten hatte. Er fand nichts Besonderes, nur ein paar Münzen, die er nicht kannte. Aber etwas anderes weckte seine Aufmerksamkeit: das hellgraue Seidenhemd, das Ad'non unter dem Umhang trug. Dieses Hemd hatte Drizzts Krummsäbel aufgehalten; er konnte die Kerben sehen, wo seine Klingen getroffen hatten. Außerdem lag Ad'nons Leiche zwar in einer Blutlache, aber nichts davon schien das Hemd zu berühren.
»Starke Magie«, stellte Innovindil fest, und als Drizzt zu ihr hinsah, bedeutete sie ihm, das Hemd an sich zu nehmen. »Für den Sieger«, sagte sie.
Drizzt begann, der Leiche das Hemd auszuziehen. Sein eigenes Kettenhemd, von Bruenor selbst geschmiedet, musste dringend repariert werden, denn viele Kettenglieder waren gebrochen und einige von ihnen rieben ihn wund.
»Wir sind dir sehr dankbar«, erklärte Tarathiel. »Das weißt du natürlich.«
»Ich konnte nicht zulassen, dass sie euch etwas antun, und ich denke, ihr wärt mir ebenso zu Hilfe gekommen – tatsächlich habt ihr es schon einmal getan«, erwiderte Drizzt.
»Wir sind nicht deine Feinde«, sagte Tarathiel, und sein Tonfall ließ Drizzt aufblicken und den Elfen nachdenklich ansehen.
»Es war nie meine Absicht, mir die Feindschaft von Oberflächenelfen zuzuziehen«, erwiderte Drizzt, und sowohl sein Tonfall als auch die Worte waren viel sagend.
Es entging ihm nicht, dass Innovindil und Tarathiel einen Blick wechselten.
»Wir müssen dir leider mitteilen, dass du dir eine von uns tatsächlich zur Feindin gemacht hast«, gab Innovindil zu. »Auch wenn es nicht deine Schuld war.«
»Du erinnerst dich sicher an Ellifain«, fügte Tarathiel hinzu.
»Nur zu genau«, versicherte Drizzt, und er seufzte und senkte den Blick. »Als ich ihr das letzte Mal begegnete, nannte sie sich allerdings Le'lorinel und gab sich als Mann aus.«
Wieder schauten die beiden Elfen einander an, und Tarathiel nickte.
»So ist sie uns in Silbrigmond entkommen«, sagte er zu seiner Gefährtin.
»Sie hat dich verfolgt«, erklärte Innovindil. »Wir wussten, was sie vorhatte, wussten aber nicht, wo du warst. Wir haben versucht sie aufzuhalten – du musst uns glauben, wenn wir sagen, dass Ellifain keiner Vernunft mehr zugänglich war und gegen den Wunsch unseres Volkes handelte.«
»Sie war keiner Vernunft mehr
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