Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)
dass du dich für gerissen hältst, du hantierst an meinem Handy rum, hörst meine Nachrichten ab. Aber du hast keine Ahnung, mit wem du dich da anlegst. Also hör auf, und erzähl mir ganz genau, was er gesagt hat! Und was du ihm gesagt hast.« Sie schlug die Beine übereinander und fügte hinzu: »Bitte!«
Julia seufzte. »Heißt du in Wirklichkeit Maryn?«
»Das geht dich überhaupt nichts an.«
Julia beugte sich vor. »Und wie mich das was angeht! Du wohnst mit mir unter einem Dach. Ich habe ein Recht zu wissen, wer du bist und was du hier machst.«
»Ja, okay, du hast mich ertappt. Ich habe gelogen. Jetzt sag mir, was du ihm erzählt hast.«
»Meinst du Don? Dem hab ich gar nichts erzählt. Wer ist das überhaupt?«
Madisons Gesicht war angespannt. »Hat er dir seinen Namen genannt?«
Julia überlegte. »Nein, er fragte nach Maryn, und ich sagte, du wärst nicht da. Er wollte wissen, wer ich bin, dann legte er auf.«
»Bist du dir sicher, dass er nicht mehr gesagt hat? Julia, es ist wirklich wichtig! Was hast du gesagt, als er fragte, wer du bist?«
Sie zuckte mit den Schultern. »Ich habe gesagt, ich bin Julia Capelli. Wer sind Sie überhaupt? Als das Telefon klingelte, stand im Display Unbekannter Teilnehmer . Als er aufgelegt hatte, hörte ich mir die anderen Nachrichten vom Band an. Es war dieselbe Stimme.«
Madison schlug die Beine übereinander. Sie nagte an einem angerissenen Stück Nagelhaut. Zum ersten Mal fiel Julia auf, dass sie den großen Diamantring nicht mehr trug.
»Hast du ihm wirklich deinen Namen genannt?«
»Warum denn nicht?«, gab Julia zurück. »Madison, warum erzählst du mir nicht einfach, was hier los ist, und hörst auf, mir tausend Fragen zu stellen? Wer ist dieser Don? Und warum läufst du vor ihm weg? Was macht dir solche Angst?«
Heftig schüttelte Madison den Kopf. »Das würdest du nicht verstehen. Egal, ist auch nicht dein Problem.«
»Und ob es das ist! Ich hab ihm meinen Namen genannt!«
Madison betrachtete ihr Handy. »Der Typ heißt Don Shackleford. Ich bin mit ihm verheiratet. Ich habe herausgefunden, dass er in etwas Schlimmes verwickelt ist. Deshalb bin ich abgehauen. Ende der Geschichte.«
»Nichts da«, entgegnete Julia. »Du bist nicht einfach abgehauen. Du reist unter falschem Namen durch die Welt. Ich denke, du bist uns eine Erklärung schuldig.«
»Das Einzige, was ich euch schuldig bin, ist die Miete für das schäbige Zimmer unterm Dach«, sagte Madison. »Die ich bereits zur Hälfte bezahlt habe. Und wenn du nicht so verdammt neugierig wärst, wenn du nicht an meinem Telefon herumgespielt und in meinem Privatleben herumgeschnüffelt hättest, wäre das Thema auch erledigt.«
»In was ist dein Mann denn verwickelt?«, fragte Julia, und ihre Augen funkelten vor Erregung. »Drogen? Waffenhandel?«
»Du guckst zu viel Fernsehen«, sagte Madison. »Ist nichts so Aufregendes. Er ist … unehrlich, mehr nicht. Ich hätte es besser wissen müssen. Ich wusste es auch mal besser.«
Abrupt erhob sie sich. »Hör zu, ich habe meine Miete bezahlt. Ich ziehe aus, sobald ich weiß, wie es weitergeht. Wahrscheinlich schon vor dem nächsten Wochenende. Könntest du das alles bis dahin bitte für dich behalten? Je weniger Menschen meinen richtigen Namen wissen, desto besser. Don hat keinen Grund zur Annahme, dass ich an einem Ort wie Nag’s Head sein könnte. Ich wusste ja selbst nicht, dass ich hier landen würde, bis ich das Schild an der Interstate gesehen hab und rausfuhr.«
Julia folgte ihr zur Tür. »Ich habe den anderen beiden schon gesagt, dass Madison nicht dein richtiger Name ist.«
Madison verdrehte die Augen. »Das ist ja eine Überraschung!«
»Du brauchst nicht abhauen«, sagte Julia. »Vielleicht können wir dir ja helfen. Dich irgendwie unterstützen, egal wie.«
»Nein«, entgegnete Madison schnell. »Ich will keine Hilfe. Bis zum Wochenende bin ich hier raus. Tu bitte, um was ich dich gebeten habe – erzähl nichts über mich, und halte dich raus aus meinen Angelegenheiten.«
Sie verließ das Zimmer so schnell, wie sie gekommen war, und Julia blieb mit mehr Fragen als Antworten zurück.
31
Maryn schlug ihre Zimmertür zu und schloss ab. An den Tatsachen war nicht zu rütteln: Sie musste Ebbtide und Nag’s Head verlassen. Was war, wenn Julia gelogen hatte, was ihr Gespräch mit Don betraf? Wer wusste schon, was sie ihm erzählt hatte?
Bei der Vorstellung wurde Maryns Mund trocken. Doch nein, entschied sie schnell. Julia war
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