Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)
sagst, Adam. Du bist derjenige, der mir immer vorgeworfen hat, ich würde nur mit Don zusammen sein, weil er Geld hätte. Ich dachte, du bist mein Freund.«
»Ich bin ja auch dein Freund«, versicherte Adam ihr. »Ich will nur, dass du alles richtig durchdenkst, bevor du irgendwas überstürzt. Warum willst du dein Leben lang auf der Flucht sein, wenn es gar nicht nötig ist?«
»Ich sehe keine andere Möglichkeit«, sagte Maryn und rieb sich die Augen. Plötzlich war sie erschöpft, körperlich und geistig, und jetzt weinte sie auch noch, verdammt nochmal. Dabei war sie nie eine Heulsuse gewesen.
»Hör mal. Ich habe noch ein paar Tage Urlaub, muss erst am Montag wieder im Büro sein. Ich könnte dich doch besuchen! Wir gehen was trinken, gehen am Strand spazieren und reden. Suchen zusammen nach einer Lösung. Was meinst du? Wär das was?«
»Ich weiß nicht.« Maryn spürte, wie ihre Entschlossenheit schwand. »Was ist, wenn Don herausbekommt, wo ich bin? Er hat mit Julia gesprochen. Sie schwört ja, dass sie ihm nichts verraten hat, aber sie kennt jetzt meinen richtigen Namen. Ich fühle mich hier einfach nicht mehr sicher.«
»Du traust Don zu viel zu«, sagte Adam beruhigend. »So schlau ist er auch wieder nicht, Maryn. Du hast doch gesagt, du wohnst nicht im Hotel, also bist du auch nirgends registriert, oder? Wie soll er dich finden?«
»Er ist wohl so schlau«, gab Maryn zurück. »Du kennst ihn bloß nicht so gut wie ich.«
»Egal«, sagte Adam. »Willst du das für mich tun? Noch einen Tag länger bleiben? Ich kann morgen runterkommen. Wir könnten was zusammen unternehmen und alles durchsprechen. Und wenn du dann immer noch meinst, dass du fliehen musst, gut, dann kann ich dir dabei helfen. Ich kenne dich doch, Maryn. Du spielst immer die Unnahbare, aber irgendwann musst du auch mal jemanden an dich ranlassen. Du musst irgendwem vertrauen, oder?«
»Kann sein.« Vielleicht hatte Adam ja recht. Vielleicht war es Zeit, sich auf jemanden zu stützen. Zumindest vorübergehend.
»Na, gut«, sagte sie und schniefte. »Ich warte noch. Du fährst morgen los?«
»Gleich morgen früh«, versicherte er ihr. »Aber du musst mir deine Anschrift verraten.«
»Oh, die weiß ich nicht mal«, sagte Maryn. »Nur den Namen der Straße: South Virginia Dare. Ach ja, und den Namen des Hauses. Alle Strandhäuser hier unten haben Namen. Unsers heißt Ebbtide.«
»Ebbtide«, wiederholte Adam. »Ich fahr direkt morgen früh los und rufe dich an, wenn ich noch ungefähr eine Stunde entfernt bin. Schlaf ein bisschen, ja?«
»Ich versuch’s«, versprach Maryn. »Bis morgen.«
32
Als Julia um kurz nach neun vom morgendlichen Joggen zurückkam, ging sie atemlos und schweißgebadet in die Küche, wo sie Dorie und Ellis vorfand, die bereits für den Strand gekleidet waren und Eiswürfel und Getränke in die Kühltasche packten.
Julia nahm sich eine Flasche Wasser und trank hastig. Sie ließ sich auf einen Küchenstuhl sinken und rollte die eiskalte Flasche über Stirn und Hals. »Süßes Teil«, sagte sie mit Blick auf Ellis’ korallroten Tankini, der den Blick auf ihren Bauch frei gab. »Ist der neu?«
»Quasi.« Ellis cremte sich Brust und Arme mit Sonnenmilch ein. »Hab ich letzten Sommer in Rehoboth Beach gekauft, aber nie getragen, weil ich nicht wusste, ob er mir auch wirklich gefällt.«
»Du meinst, du hattest zu viel Schiss, ihn in der Öffentlichkeit zu tragen«, sagte Julia geradeheraus. »Ellis, der Tankini ist perfekt für deine Figur. Das Oberteil ist nicht zu tief ausgeschnitten, er betont deinen flachen Bauch und deinen süßen kleinen Hintern. Jetzt versprich mir, dass du den grässlichen schwarzen Badeanzug wegwirfst, den du die ganze Zeit anhattest. Echt, so ein Ding hatte meine Oma an.«
»Das ist kein Oma-Badeanzug«, protestierte Ellis. »Oder, Dorie?«
Dorie zog die Nase kraus und drückte eine lange, schmale Wurst aus der Sonnenmilchtube auf Arme und Beine.
»Echt?« Ellis seufzte. »Dorie, ich dachte, du wärst auf meiner Seite.«
»Ich bin auf gar keiner Seite«, widersprach die Freundin. »Ich bin neutral. Wie die Schweiz. Ich würde aber schon behaupten, dass mir dieser Badeanzug deutlich besser gefällt als der schwarze.«
»Eben«, sagte Julia. »Der schwarze sieht aus, als wäre er von der Wahl zur Miss Sowjetunion 1968.«
»Na, super.« Ellis zog eine Tunika über den korallroten Tankini. »Na, macht schon: Verbündet euch gegen mich. Ich bin ein großes Mädchen, ich kann damit
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