Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)
umgehen.«
Sie griff zu ihrem Strandlaken und einer Strohtasche, umfasste den Griff der Kühltasche auf Rollen und steuerte auf die Hintertür zu. »Kommst du mit an den Strand, Julia?«
»Wenn ich geduscht habe«, gab Julia zurück. »Habt ihr Madison heute schon gesehen?«
»Nee«, sagte Dorie. »Obwohl ich schon seit sieben Uhr auf den Beinen bin. Um acht war ich Cornflakes und O-Saft einkaufen, aber da war ihr Fahrrad schon weg.«
»Ihr Wagen steht noch in der Garage«, bemerkte Julia. »Das ist gut.« Sie ging ins Wohnzimmer und spähte durchs Fenster, dann eilte sie in die Küche zurück.
»Hört zu«, sagte sie mit gesenkter Stimme. »Ich gehe hoch in Madisons Zimmer und sehe mich da mal um. Einer von euch bleibt vorn und hält Ausschau nach ihr. Wenn ihr sie kommen seht, warnt ihr mich, ja?«
»Nein, Julia!«, sagte Dorie streng. »Du hast kein Recht …«
»Madison hat mir gegenüber gestern Abend zugegeben, dass sie uns angelogen hat«, erklärte Julia. »In Wirklichkeit heißt sie Maryn. Und der Typ, der auf ihrem Handy angerufen hat, dieser Don, das ist ihr Mann. Sie hat Angst vor ihm. Sie hat mir gestern erzählt, sie hätte herausgefunden, dass er in was Schlimmes verwickelt ist, deshalb wäre sie abgehauen. Deshalb ist sie hier gelandet, auf Nag’s Head.«
»Was?«, rief Ellis. »Auf einmal erzählt sie dir alles? Wann war das denn?«
»Gestern Abend, als du deine heiße Verabredung mit dem Garagenmann hattest«, sagte Julia süffisant. »Aber bild dir ja nicht ein, dass wir auf einen umfassenden Bericht über den gestrigen Abend verzichten, Ellis Sullivan. Wir möchten wissen, warum du so früh nach Hause gekommen bist. Und warum du dann wieder weg warst und erst nach Mitternacht heimkamst.«
»Wer bist du eigentlich, Miss Marple?«, fragte Ellis, lief aber trotzdem rot an. »Ich war verabredet, mehr nicht. Da gibt’s nichts zu erzählen.«
»Hm«, machte Julia. »Dazu kommen wir später noch. Also: Ja, Madison oder besser Maryn hat mir wirklich was erzählt. Kurz nachdem du weg warst, kam sie in mein Zimmer und wollte mich fertigmachen, weil sie herausgefunden hatte, dass ich in ihrem Handy herumgeschnüffelt hatte.«
»Womit sie völlig im Recht war«, meinte Dorie. »Wir sind deine besten Freundinnen, wir rechnen ja mit einer gewissen Neugier, aber bei ihr ist das was anderes.«
»Sie war wirklich stinksauer«, gab Julia zu. »Doch vor allem wollte sie wissen, was ich zu ihrem Mann gesagt hatte, als er anrief. Sie nahm mich richtig in die Mangel. Hab ich dann auch mit ihr versucht. Aber sie rückte so gut wie nichts raus. Deshalb werde ich die Sache jetzt selbst in die Hand nehmen. Behaltet die Tür im Auge, ja?«
Julia zog ihr Handy aus der Plastikhülle, die am Bund ihrer Joggingshorts befestigt war. »Wenn Madison kommt, ruft mich an und versucht sie aufzuhalten, bis ich draußen bin.«
»Ganz bestimmt nicht«, sagte Dorie. »Du kannst nicht einfach in ihren Sachen rumwühlen. Dazu hast du kein Recht.«
»Du brauchst dich gar nicht aufzuregen, Dorie«, meinte Ellis. »Julia kann eh nicht in das Zimmer. Madison schließt jedes Mal ab, wenn sie geht.«
Julia grinste die beiden verschwörerisch an. »Das stimmt. Aber ich brauche nicht unbedingt einen Schlüssel. Madison schläft mit offenem Fenster. Das habe ich letztens gesehen, als ich am Strand war. Vom Speicher im zweiten Stock führt eine Tür auf eine Galerie. Darüber gehe ich zu Maryns Zimmer und klettere durch ihr Fenster hinein. Ihr Zimmer ist winzig, ich brauche nur ein paar Minuten, um es zu durchsuchen.«
Dorie verschränkte die Arme vor der Brust. »Ich kann es dir nicht verbieten, aber ich werde dir nicht dabei helfen, so viel steht fest. Wenn Madison Ärger hat, sollten wir ihr helfen, anstatt sie auszuspionieren.«
»Ich habe ihr meine Hilfe angeboten«, sagte Julia. »Sie meinte, ich soll mich um meinen eigenen Kram kümmern. Sie würde am Wochenende verschwinden, vielleicht sogar noch früher. Also entweder jetzt oder nie.«
Julia wandte sich an Ellis. »Was ist mit dir? Machst du mit oder nicht?«
Ellis seufzte. »Ach, verdammt. Es gefällt mir nicht, aber es gefällt mir auch nicht, dass sie uns belügt. Woher sollen wir wissen, dass sie nicht auf der Flucht ist, weil sie was Verbotenes getan hat?«
»Genau das meine ich«, triumphierte Julia. »Gut. Gib mir Rückendeckung, Elly-Belly. Ich gehe jetzt hoch.«
Dorie schnaubte verächtlich. »Ihr beide seid total bescheuert. Wenn Madison nach Hause kommt
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