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Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Titel: Die Sommerfrauen: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mary Kay Andrews
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Melodie sie gesummt hatte: »Dancing in the Dark«. In ihrem Zimmer hängte sie das rosa Strandkleid auf, schlüpfte in ihren Schlafanzug und stieg ins Bett. Zufrieden reckte sie sich und gähnte, dann knipste sie die Lampe auf ihrem Nachttisch aus. Ein Urlaubsflirt. Ellis Sullivan leistete sich einen Urlaubsflirt. Wie Julia gesagt hatte: »Ist auch verdammt nochmal Zeit.«

23
    Am Dienstagmorgen rollte Dorie das Gummiband ihrer Schlafanzughose so weit herunter, dass sie knapp auf ihrer Hüfte saß. Sie legte sich auf die fadenscheinige Chenille-Tagesdecke, hob den Kopf und schaute hinunter auf die blasse sanfte Rundung ihres Bauches. Während sie sich in den vergangenen zehn Tagen um ihre Zukunft gesorgt hatte, hatte die Gegenwart sie eingeholt.
    Sie schloss die Augen und legte die Hände vorsichtig auf den Bauch. Ihr Bauch. Ihr Baby. Dies geschah wirklich. Sie knickte ein Eselsohr in die gerade gelesene Seite ihres Schwangerschaftsratgebers. Sie war in der vierzehnten Woche und – so wie das Kind – genau im Zeitplan. Ihre Brüste waren um mindestens eine Körbchengröße gewachsen, quollen aus dem BH und dem letzten Badeanzug, der noch passte. Die Übelkeit war verschwunden, langsam fand Dorie zur alten Energie zurück, und das Zucken, das sie in der letzten Nacht gespürt hatte, da war sie sich absolut sicher, musste das Baby gewesen sein, das sich bewegte. Wenn doch nur der Rest ihres Lebens entsprechend schön verlaufen würde!
    Es war zehn Uhr. Dorie schaute ständig nach der Uhr, seit sie um kurz nach sieben aufgewacht war. Zu jeder vollen Stunde dachte sie an Stephen. Er war ein Frühaufsteher. Ob sie ihn bei Tagesanbruch anrufen sollte? Dorie ertrug es kaum, daran zu denken, wie ihr Mann im Bett aufwachte – in Matts Bett? Oder war er allein? Um acht zwang sie sich zu überlegen, was sie sagen würde, wenn sie ihn ans Telefon bekäme.
    »Stephen? Ich muss dir was erzählen. Tut mir leid, dass ich das am Telefon mache, aber vorher habe ich es einfach nicht geschafft. Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen soll. Aber jetzt schon. Die Sache ist die … ich bin schwanger.«
    Sie hatte sich bereits ein Dutzend verschiedener Reaktionen von ihm vorgestellt: Erschütterung, Zorn, Verwirrung. Freude? Konnte das eine Nachricht sein, die ihn freute? Konnte er überhaupt das fühlen, was sie inzwischen empfand? Tiefe, ungetrübte Freude?
    Auch Dorie hatte diese Freude überrascht. Nicht dass sie sich keine Sorgen um die Zukunft machte – das tat sie durchaus. Aber der Gedanke an das Kind vermittelte ihr ein Gefühl von Frieden, von Vollkommenheit, von solch absoluter Richtigkeit, dass sie fast Angst hatte, ihren Fuß in so einen Quell des Glücks zu tauchen. In den Ratgebern stand, das liege an den Hormonen, doch das war Dorie egal. Wie auch immer es weiterging, an diesem Baby war nichts mehr zu ändern.
    Um neun Uhr sagte sie sich, sie müsse noch warten. Müsse Stephen Zeit geben, den Tag in Ruhe zu beginnen. Er müsste jetzt in der Schule sein, dachte sie, und an den Stundenplänen für das nächste Jahr arbeiten. Vielleicht hatte er auch Termine mit den anderen Trainern, um die kommende Saison der Fußballmannschaften zu besprechen.
    Die Gedanken an Schule und Kollegen machten Dorie ein mulmiges Gefühl, und das nicht zum ersten Mal. Ihre Schule Our Lady of Angels war eine übersichtliche Gemeinschaft. Sechshundert Schülerinnen, dreißig Lehrer. Es war eine katholische Schule mit konservativen Werten, geleitet von der sechsundsechzigjährigen Schwester Mary Thomasine, die die Schule noch vor Dories eigener Schulzeit mit eisernem Willen und samtener Stimme regiert hatte. Was würde Schwester Thomasine von Dories und Stephens Situation halten: dass Stephen seine Frau verließ, und zwar wegen eines Mannes? Und was würde sie zu Dorie und ihrer Schwangerschaft sagen?
    Stephen war ein sehr introvertierter Mensch; er hatte zwar Freunde im Kollegenkreis, doch Dorie konnte sich nicht vorstellen, dass er jemandem seine Eheprobleme anvertraut hatte.
    Um zehn Uhr hielt sie es nicht länger aus. Auf ihrem Handy wählte sie Stephens Nummer und hielt die Luft an, halb fürchtend, er würde sich melden, halb das Gegenteil hoffend.
    Nach dem dritten Klingeln ging er dran.
    »Dorie?« Er war außer Atem.
    »Hi Stephen«, sagte sie leise.
    »Hi«, erwiderte er und holte tief Luft. Dorie tat es ihm nach. »Schön, deine Stimme zu hören.«
    »Deine auch«, sagte sie stirnrunzelnd. Er hätte sie ja anrufen können. Er hatte

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