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Die Stadt am Ende der Zeit

Die Stadt am Ende der Zeit

Titel: Die Stadt am Ende der Zeit Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Greg Bear
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Hochgewachsenen wie Ghentun. Durch den Wirbel grünen Schnees hindurch blickt er in ein vertrautes Gesicht und danach in das andere, das ihm ebenfalls
bekannt vorkommt. Er sieht sich selbst durch den anderen und erlaubt dem anderen, ihn zu sehen, doch eigentlich ist es sehr schwer, überhaupt irgendetwas zu erkennen. Ständig schießen blaue Lichtströme zwischen ihnen hin und her, die die Umrisse verschwimmen lassen. Doch bei allen entzünden diese Ströme neue Willenskraft, vielleicht sogar neue Energie.
    Zwar sprechen sie mit ihm, aber die Wörter sind schwer zu verstehen. Deshalb bietet er ihnen seinen einzigen Besitz an, so wie ein Kind neuen Freunden oder alten Bekannten ein Spielzeug schenken mag. Als er ihnen das Polyeder mit den vier Hohlräumen reicht, schießen so viele bläuliche Lichtbogen heraus, dass die Skulptur fast explodiert.
    Ginny und Jack strecken die gekrümmten Steine hoch, in die schwach rötlich glimmende Augen eingebettet sind. Beim Kontakt mit den blauen Lichtbogen strahlen sie auf. Das müssen die …
    Die Integralläufer zucken vor und passen sich in die Skulptur ein. Mit ihren rätselhaften Krümmungen füllen sie die Hohlräume vollständig aus und rasten mühelos ein. Um den Weg zurückzufinden, haben sie viele Milliarden Jahre durchquert und sind danach durch ein sterbendes Universum getaumelt.
    Aber zwei Hohlräume sind noch leer.
     
    Daniel geht an den blutigen, mittlerweile zu Eis erstarrten Überresten von Glaucous und Whitlow vorbei. Er weiß nicht, was hier geschehen ist – und ob es immer noch geschieht. Da er sehen möchte, was die Katzen in seiner Nähe ins Visier genommen haben, folgt er der noch dampfenden Spur, die blutige Tatzen auf dem spiegelglatten grünen Eis hinterlassen haben.
    Währenddessen hat sich die Armillarsphäre zusammengezogen; die gestrafften Bänder rotieren jetzt schneller. Eine Art Schneenebel hüllt seine Füße und die Knie ein und steigt bis zu seinen Schultern hoch, doch immer noch wärmen die Integralläufer seine Finger. Als ringsum das Eis aufbricht und einzelne Brocken an die Oberfläche drängen, bahnt er sich mühsam den Weg hindurch.
    Die Katzen spielen eine zentrale Rolle, so viel glaubt er zu wissen. Als er den Nebel mit den Händen vertreibt und kurz nach unten blickt, sieht er sie unmittelbar vor sich. Fauchend, kratzend und beißend sind sie dabei, ein winziges Ding zu zerfleischen, das sich in einer Vertiefung windet. Doch sie können keinen kurzen Prozess mit ihm machen, da es seine Gestalt ständig verändert. Dennoch kann es den Katzen nicht entkommen. Zischend und dampfend lösen sich Fragmente aus der geschrumpften Gottheit, rutschen über das Eis und ziehen Spiralen virtueller Teilchen hinter sich her.
    Nach und nach wird es ringsum so dunkel, dass Daniel kaum noch etwas erkennen kann. Freds Anteil in seinem Innern fragt sich, wie hier überhaupt noch irgendetwas existieren kann, denn sie befinden sich innerhalb einer schwindenden Spore der Raumzeit. Die Realität hat zum letzten Schlag gegen das Nichts ausgeholt – gegen das, was man weder sehen noch denken oder benennen kann.
    Es ist weder dies noch das, sondern die Abwesenheit von allem.
    »Wir sind noch hier, weil unsere Willenskraft es erzwingt und niemals nachgelassen hat«, erwidert Daniel, und damit ist die Sache für ihn erledigt.
    Das unangenehme schrille Vibrieren in seinem Schädel hört abrupt auf. Das bräunliche Ding, das sich bis jetzt gewunden hat, ist erledigt, zerfetzt.
    Wenn die Spore der Raumzeit zu nichts zusammenschrumpft, dann wird auch der Tod des Typhon nichts mehr bedeuten. Daniel ist sich sicher, dass es der Typhon ist, der dort in der winzigen, von Nebel umhüllten Vertiefung liegt, verdeckt von fauchenden Katzen. Doch sein Tod wird nicht mehr aufgezeichnet werden. Niemand wird Anfang und Ende seiner Existenz miteinander verbinden.
    Möglich, dass er irgendwann zufällig, unerwartet und wider jede Logik zurückkehrt, genauso real wie zuvor.
    Als die Katzen vom Typhon ablassen, fehlen vielen die Tatzen oder andere Glieder. Manche haben sich die Köpfe verrenkt, das Fell versengt oder die Augen eingebüßt. Für diese Tat haben sie wirklich bluten müssen.
    Auch Daniel zieht sich vom Typhon zurück. Die Situation ist ihm überaus vertraut, wenn auch nicht immer Katzen beteiligt waren. Der Stein zerrt ihn von der Vertiefung, den Katzen und den Überresten der gescheiterten Möchtegern-Gottheit weg.
    Mit jeder Umdrehung der schrumpfenden

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