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Die Verdammten: Endzeit-Thriller (German Edition)

Die Verdammten: Endzeit-Thriller (German Edition)

Titel: Die Verdammten: Endzeit-Thriller (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Brett McBean
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eines Erwachsenen, die Leiche am verrosteten Bogen schien jedoch kleiner zu sein. Der winzige nackte Körper war allerdings zu sehr verstümmelt, um sagen zu können, ob es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelte. Das Haar lieferte auch keine Hinweise – heutzutage ließen sowieso die meisten Menschen ihre Haare wachsen. Doch ob Junge oder Mädchen: Bei den Wilden, die in der Blockbuster-Filiale am anderen Flussufer hausten, handelte es sich um Kindermörder. Und das machte Bill genauso krank wie der Gestank des verrottenden Fleischs und der Exkremente, der allmählich den frischen Duft von Eukalyptus und den Geruch des Flusses übertünchte, welcher feine Wassertropfen in die Luft sprühte.
    Die Gruppe, die ausschließlich aus Männern bestand, hatte nur einen Monat gebraucht, um den Videoladen in eine Wüstenei von Schmutz und Perversion zu verwandeln.
    Ein Monat, in dem sich Mark und seine fröhliche Bande ergebener Anhänger von einer Gruppe mehr oder weniger geistig gesunder Männer in eine Meute mörderischer Wilder verwandelt hatten – in die Art von Mensch, wie sie Mark und Bill früher gejagt und ausgelöscht hatten.
    Bill hoffte nur, dass eine der umherziehenden Gruppen von Vollstreckern eher früher als später hier vorbeikam. Es waren inzwischen, wenn Bill richtig gerechnet hatte, vier Monate verstrichen, seit er sich in diesem Supermarkt niedergelassen hatte. Vier Monate, seit man ihm gemeinsam mit Mark die Verantwortung für den Arzt und die kleine Gruppe von Fremden übertragen hatte, die ein neues Krankenhaus und einen Zufluchtsort aufbauen sollten. Vier Monate, seit eine Gruppe gesetzlicher Vollstrecker hier vorbeigezogen war, um die Gegend von Perversen und Mördern zu befreien. Marks Bande hatte die Gruppe von Bill bisher noch nicht angegriffen, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis sie es taten. Bill fühlte sich darauf vorbereitet, aber die wild zusammengewürfelte Gruppe, die in den Ruinen des Safeway-Supermarktes hauste, konnte es mit dem Wahnsinn und der Hinterlist der Bewohner der Blockbuster-Filiale nicht aufnehmen.
    Bill musste an Darren denken, den Anführer seiner Vollstrecker-Gruppe, und daran, was er wohl davon halten würde, wenn er mitbekam, was aus Mark geworden war. Wie überrascht und tief enttäuscht er sein würde, wenn er erfuhr, dass jemand, in dem so viel Potenzial steckte, so tief gesunken war – und noch dazu innerhalb von so kurzer Zeit.
    Aber was genau war eigentlich mit Mark passiert?
    Die beiden hatten in der kurzen Zeit, die sie sich kannten, enge Freundschaft geschlossen. Zwischen ihnen war sofort ein Band entstanden, ein Grundvertrauen. Sie hatten sich wie Brüder gefühlt.
    Sie hatten beide früh ihre Familien verloren, als Gott der Menschheit den mächtigsten Mittelfinger in der Geschichte gezeigt hatte – anders konnte man es nicht ausdrücken. Bills Familie, eine Frau und zwei Söhne, starb beim Einsturz ihres Hauses. Bill hatte eine Woche gebraucht, um sich nach Hause, nach Moorabbin, durchzuschlagen, nachdem er in der Stadt gestrandet war. Dort hatte er zuletzt in einem der höchsten Wolkenkratzer Melbournes als Nachtwache gearbeitet. Nach langer, auszehrender Suche stieß er schließlich in den Überresten seines Wohnzimmers auf die bereits verrottende Leiche seiner Frau, seine beiden Jungs fand er tot im Kinderzimmer vor.
    Marks Familie, eine Frau und eine Tochter, war von einer Bande Jugendlicher ermordet worden, laut seinen Erzählungen mit Kricketschlägern und Macheten bewaffnet. Nur wenige Tage nach der unnatürlichen Katastrophe hatten sich die Jungs äußerlich angeblich bereits an Wilde im Urwald angepasst. Mark trug noch immer die Narben von den brutalen Schlägen mit sich herum, die die Jugendgang ihm beigebracht hatte.
    Mark war der Ältere von ihnen, der Stärkere, und der geborene Anführer. Und nun hatte er es definitiv zum Anführer gebracht: zum Anführer einer Gruppe von Mördern, Vergewaltigern und – falls Bills Befürchtungen zutrafen – Kannibalen.
    Bill ließ seinen Blick von dem Schild zum Käfig hinüberwandern, den die Bande auf dem ehemaligen Parkplatz der Blockbuster-Filiale aufgebaut hatte. Durch die Lücken in dem Ring aus verwitterten Ästen konnte Bill sehen, dass alle sechs Frauen dem Anschein nach schliefen, völlig erschöpft durch Unterernährung, ihre Wunden, die sie nicht verarzten durften, und den entsetzlichen Schock.
    In der vergangenen Woche waren noch doppelt so viele Frauen in dem Käfig eingesperrt

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