Die Verdammten: Endzeit-Thriller (German Edition)
der Leiter dieses Krankenhauses und Asyls. Es war sein Job, Ausschau nach möglichen Gefahren zu halten und die Menschen, die in dem zerstörten Supermarkt unter ihm wohnten, zu beschützen.
Als Maddy begriff, dass sie die Antwort, die sie sich erhoffte, nicht bekam, seufzte sie erneut und sagte: »Du solltest mal über ein Bad nachdenken. Dein Atem ist nicht das Einzige, was streng riecht. Nicht dass mich das überrascht: Ist ziemlich schwül hier oben. Und dein Haar und dein Bart müssten auch mal geschnitten werden. Du siehst langsam aus wie ein Wilder.«
Bill strich sich über den buschigen Bart. »Okay.«
Sie nahm den leeren Rucksack mit und stieg die Leiter nach unten.
Als Maddy verschwunden war, schaute Bill auf das karge Mahl aus Johannisbeeren, Himbeeren und Moltebeeren. Er hatte Beeren immer sehr gerne gegessen. Jetzt hingen sie ihm zum Hals raus.
»Frühstück«, murmelte er. »Das ist kein Frühstück, das ist Kaninchenfutter.«
Er drehte sich wieder zum Fenster um und betrachtete die Ruinen des Fast-Food-Restaurants.
Die turmhohen Bäume hatten den Großteil des Dachs und der Wände zerstört. Das Gebiet glich inzwischen einer Sumpflandschaft: eine Heimat für dichte Büschel von Binsengewächsen, hohes Riedgras und moosbewachsene Tische und Stühle. Der Spielplatz im Freien glich einer Ansammlung pelzig-grüner Objekte, zu denen auch das Schild gehörte, das zwar irgendwie überlebt hatte, inmitten der Bäume rundum jedoch winzig und in dieser neuen Welt seltsam fremdartig wirkte. Von Menschen Gemachtes kam Bill zunehmend unpassend vor, je länger er in diesem Dschungel lebte. Selbst der Blechbehälter, in dem sich der Pfefferminztee befand, erschien ihm inzwischen deplatzierter als die aus Rinde hergestellte Schüssel mit den Beeren.
Trotzdem hätte er für einen Teller Pfannkuchen getötet, für eine Portion Bratkartoffeln oder eine Tasse Instantkaffee.
Apropos von Menschen Gemachtes …
Bill musste lachen, verstummte jedoch sofort wieder, als die ersten Schreie des Tages in sein Baumhaus drangen, das über dem Dschungel thronte.
Marks Gefangene erwachten allmählich.
Er beobachtete, wie sich im Zentrum des Blockbuster-Geländes etwas rührte – die Wilden wurden ebenfalls unruhig.
Ein weiterer Tag brach an. Ein weiterer Tag in ihrem kleinen Abschnitt dieses weiten, gefährlichen Dschungels.
Bill ließ die Beeren in der Schüssel liegen und den Tee kalt werden, blieb am Fenster stehen und hielt Wache.
Maddy hasste es, die Leiter hinauf- und hinunterklettern zu müssen. Sie tat es jeden Tag mindestens dreimal. Sie wusste, dass die Lianen, mit denen sie die Äste zusammengebunden hatten, so sicher waren wie Bolzen, aber sie fürchtete sich trotzdem immer wieder aufs Neue vor dem über 30 Meter langen Aufstieg – und alles nur, weil Bill sich weigerte, den verfluchten Wachturm zu verlassen.
Anfangs hatte er immer nur ein paar Stunden am Stück dort verbracht und war dann für eine Weile heruntergekommen, um etwas zu essen oder zu trinken oder herumzualbern, bevor er wieder hinaufkletterte. Aber im Laufe des letzten Monats hatte er immer mehr Zeit dort oben zugebracht. Inzwischen blieb er 90 Prozent seiner Zeit eingeschlossen in der winzigen Baracke aus Holz, Farnblättern und anderem losen Unrat, den sie in dem zerstörten Supermarkt gefunden hatten.
Der provisorische Wachturm erfüllte seinen Zweck: Er war solide und wasserdicht, und dank seiner Lage hoch oben in den Ästen einer Eberesche hatte Bill von dort den perfekten Ausblick auf den Dschungel und konnte nach verletzten oder verirrten Personen und sich nähernden Gangs Ausschau halten. Oder, wie in letzter Zeit häufiger, die Aktivitäten von Mark und seiner Truppe auf der anderen Seite des Flusses beobachten. Der Turm war jedoch nicht dafür gedacht, dass sich jemand Tag und Nacht darin aufhielt. Zumindest nicht allein. Aber Bill schien sein Vogelnest – diesen Spitznamen hatten ein paar Bewohner der Zuflucht dem Wachturm gegeben – nur noch zu verlassen, um auf Toilette zu gehen.
Ich sollte mich einfach weigern, ihm etwas zu essen und zu trinken zu bringen. Dann muss er nach unten kommen. Und sieht vielleicht ein, wie albern er sich aufführt, wenn er seine ganze Zeit da oben verbringt.
Aber wem machte sie etwas vor? Wie sie Bill kannte, verhungerte er lieber, als seinen Posten für längere Zeit zu verlassen.
Nein, zuerst stirbt er an Dehydrierung, oder? Was hat der Doc noch gleich gesagt? Du kannst drei Wochen ohne
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