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Die Verschwörung des Bösen

Die Verschwörung des Bösen

Titel: Die Verschwörung des Bösen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Christian Jacq
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Alle waren miteinander verbunden und sollten schließlich zum Tod des Lebensbaums führen.
    »Wie hart die Prüfungen auf dem Weg dorthin auch sein sollten, gib die Hoffnung nicht auf. Ich werde immer bei dir sein, mein Sohn, und dir dabei helfen, eine Bestimmung zu erfüllen, von der du noch gar nichts weißt.«
    Iker war vollkommen verwirrt.
    Soeben hatte der Pharao Wort für Wort die letzte Botschaft wiederholt, die der alte Schreiber aus Medamud an seinen Schüler gerichtet hatte.
    »Majestät, ich…«
    »Ruh dich ein wenig aus, Iker. Das tut auch dem Verstand gut.«
    Langnase hatte schon über zwanzig Dienstjahre auf dem Buckel. Er war ein vorbildlicher Wachmann, der Grausamkeit verabscheute und alle Weisungen unnachsichtig, aber nicht unmenschlich ausführte. Obwohl er ein großer Verehrer von Sobek war, fand er ihn doch manchmal zu streng. Sollte man bei den Einwohnern von Memphis nicht genauso beliebt wie gefürchtet sein? Langnase hatte schon eine Menge häusliche Streitereien geschlichtet und leicht betrunkene Männer, die sich ein wenig vergnügen wollten, nie gleich ins Gefängnis gesteckt. Er selbst ließ sich auch manchmal gehen und hatte nicht den Eindruck, dass er damit das Reich in Gefahr brachte. Die neuesten Anordnungen gefielen ihm gar nicht. Weil er für die Bewachung eines Stadttors zuständig war, sollte er in Zukunft jede Frau und jeden Mann durchsuchen und ausfragen, die in die Stadt wollten. Dem geringsten Verdacht sollte gründlich nachgegangen werden. Das bedeutete eine erhebliche Einschränkung der Bewegungsfreiheit; die Bevölkerung war darüber sehr verärgert, und der Alltag wurde einem nicht leichter gemacht.
    Deshalb übernahmen sich Langnase und seine Leute nicht gerade mit der Einhaltung dieser neuen Befehle. Er begnügte sich damit, die Personen und Händler zu grüßen, die er kannte, und belästigte nur ganz wenige Gestalten, die ihm verdächtig vorkamen.
    Die hübsche dunkelhaarige Frau, die in Begleitung eines Bärtigen mit kräftigen Armen am Stadttor erschien, erregte zwar nicht seinen Verdacht, aber ihm war nach einem kleinen Plausch.
    »Wie heißt du?«
    »Kühle Wasser, Herr.«
    »Ist das dein Mann?«
    »Ja, Herr.«
    »Ich hab euch hier noch nie gesehen. Wo kommt ihr her?«
    »Aus dem Delta.«
    »Und was wollt ihr in Memphis?«
    »Mein Mann ist krank, sehr krank. Hier soll es
    ausgezeichnete Ärzte geben. Vielleicht können sie ihm helfen.«
    »Wo wollt ihr denn wohnen?«
    »Bei meinem Großvater, er stellt Sandalen her.«
    Langnase hätte die beiden einem strengen Verhör unterziehen müssen, aber dem Mann schien es so schlecht zu gehen, dass er das grausam gefunden hätte. Außerdem sah die Frau mit ihrem niedlichen Gesicht wirklich nicht wie eine blutrünstige Widerständlerin aus.
    Also kamen Bina und Ibcha ohne Schwierigkeiten an dem Wachposten vorbei und konnten sich zu den übrigen Mitgliedern ihrer Truppe gesellen, die ebenfalls durch dieses Stadttor in die Stadt gelangt waren.
    Sobek tobte. Verwundert, dass er keinerlei Hinweise auf verdächtige Asiaten erhalten hatte, überprüfte er einige Wachposten persönlich, um sich davon zu überzeugen, ob seine Anweisungen genauestens befolgt wurden.
    Drei der Offiziere benahmen sich nicht gerade wie gefährliche Wachhunde, allen voran Langnase, der sich angesichts der Empörung seines Vorgesetzten zu erklären versuchte.
    »Es ist ganz unmöglich, diese gefährlichen Asiaten vom Rest der Bevölkerung zu unterscheiden, Herr! Sie sind auch nur Menschen wie Ihr und ich…«
    »Das glaube ich nicht«, schnitt ihm Sobek das Wort ab.
    »Jedenfalls konnte ich auch die, die ich befragt habe, unbesorgt in die Stadt lassen. Es gab keinen Anlass, sie ins Gefängnis zu stecken.«
    »Einige andere Wachen haben aber sehr wohl Festnahmen durchgeführt!«
    »Haben sie dabei auch echte Aufständische entdeckt?«
    Sobek konnte ihn nicht anlügen: Alle Verdächtigen waren wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Maßnahme hatte sich als unwirksam erwiesen.
    Enttäuscht und besorgt musste der Beschützer die Bewachung der Stadttore wieder vereinfachen. Dafür verdoppelte er die Streifgänge durch die einzelnen Viertel der Hauptstadt und befahl den Wachen, ihm jeden noch so kleinen Zwischenfall sofort zu melden.
    Vor Sesostris gestand er sein Scheitern unumwunden ein.
    »Ich war überheblich, Majestät. Memphis ist eine offene Stadt, die ich für unerwünschte Eindringlinge zu schließen können glaubte. Doch da habe ich mich geirrt.

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