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Dirty Deeds - Meine wilde Zeit mit AC/DC

Dirty Deeds - Meine wilde Zeit mit AC/DC

Titel: Dirty Deeds - Meine wilde Zeit mit AC/DC Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mark Evans
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uns jedenfalls nie als Pop-Gruppebe trachtet – jetzt mal ernsthaft, das war eigentlich auch überhaupt keine Frage, und das kapierte man spätestens, nachdem man AC/DC einmal live gesehen hatte. Ob einem das dann gefiel, war etwas anderes, aber das machte AC/DC aus – man liebte oder man hasste uns. Malcolm war der Meinung, dass es besser sei, von der Bühne gebuht zu werden, als den Leuten egal zu sein. „So bleibt man wenigstens in Erinnerung“, sagte er, und damit hatte er Recht. Von den Pop-Gruppen unterschieden wir uns zudem durch unsere Auftritte. Sherbet wären aus vielen Läden, in denen wir spielten, nicht lebend rausgekommen.
    Wir hatten nicht viel Zeit, über unser Publikum oder über Michaels Kommentar nachzudenken, denn nun war Showtime und wir gingen von Mals Seite aus auf die kleine Bühne, ohne Ankündigung, ohne Tamtam, einfach so. Aber Bon war kaum ans Mikrofon getreten, da versuchten schon die ersten Mädchen, ihn von der Bühne zu zerren. Angus und ich stellten uns hinter ihn und stöpselten unsere Instrumente ein. Der Lärm war unbeschreiblich, und er kam vom Publikum, nicht von uns. Man hätte glauben können, es seien die Beatles, die hier auftraten, und nicht eine Rotte ungekämmter, rotziger, pickliger Rocker. Ein solches Geschrei hatte ich nie zuvor gehört. Es war ein unaufhörliches, wildes Brüllen, das von überallher zu kommen schien.
    Leider kann ich mich überhaupt nicht mehr daran erinnern, mit welchem Song wir loslegten. Jedenfalls hatten wir gerade mal die ersten Takte gespielt, als uns Wellen kreischender Mädchen entgegenbrandeten. Und wenn ich Wellen sage, dann meine ich Wellen. Ich stand ein paar Meter vom Bühnenrand entfernt, und darüber war ich verdammt froh, als ich sah, dass Bon von einer Stampede Teenager umgerissen wurde. Unaufhaltsam drängten die nächsten von hinten nach, und zwar ziemlich schnell. Es war wie General Custers Schlacht am Little Big Horn – ein unendlicher Strom von Indianern wogte heran, nur eben in Myers’ Miss-Melbourne-Abteilung. Phils Schlagzeug wurde zertrümmert, auf meiner Seite kippten die Verstärker um, und ich kletterte hastig über das Schlachtfeld hinweg und rannte durch die Umkleidekabinen ins Lager, wo ich mich sicher glaubte. Das Kreischen wurde lauter und kam näher. Ich hatte keine Ahnung, wo die anderen waren. Es herrschte völliges Chaos, wie in einer Szene des Beatles-Films A Hard Day’s Night .
    Bon wurde von kreischenden Teenies durchs Haus gejagt, gefolgt von seinem loyalen Kumpel Pat Pickett. Es gelang ihnen schließlich, auf der anderen Seite des Gebäudes auf die Elizabeth Street zu flüchten und ausgerechnet mit der Straßenbahn nach Hause ins Freeway Gardens Hotel zu fahren (für diese Verletzung einer Browning-Regel konnten sie immerhin mildernde Umstände geltend machen). Ich hockte noch 20 Minuten im Lager, während die Soundkulisse aus dem Verkaufsbereich ungefähr so klang wie die Landung der Alliierten in der Normandie.
    Wir hatten einen richtigen Teenager-Aufstand losgetreten, mit Kreischen und nassen Höschen, dem ganzen Programm. Und die Lage eskalierte richtig, als einige unserer Fans erkannten, dass die Gelegenheit günstig war, um sich ein paar kostenlose Proben aus der Miss-Melbourne-Kollektion zuzulegen. Die Abteilung wurde komplett leer geräumt.
    Als sich die Lage allmählich wieder beruhigte, schlich ich nach draußen, noch immer in meiner Bühnenkleidung und mit dem Bass in der Hand. Auf der Bourke Street sprang ich in ein Taxi und ließ mich zum Hilton fahren. Dort musste ich mir erst mal einen Fünfer von Onkel Morry leihen, der im Erdgeschoss des Hiltons einen Lebensmittelladen betrieb, um das Taxi zu bezahlen. Morry war ein Dachau-Überlebender, und für jemanden, der die Schrecken eines Konzentrationslagers mit angesehen hatte, besaß er einen unglaublichen Sinn für Humor. Als ich bei ihm hineinstürmte, den Bass noch immer um den Hals und ziemlich ausgefranst, warf er mir einen bezeichnenden Blick zu, hob die Schultern und breitete die Arme aus, die Handflächen nach oben gerichtet. „Hast du keinen Koffer für dieses Ding da, du Angeber?“

A C/DCwar eine Band, bei der immer alles gut lief, solange sie in Bewegung blieb und es aufwärts ging. Nun, da wir in Australien so erfolgreich wurden, war klar, was als nächstes anstand: In den Siebzigern zog es alle australischen Künstler, die etwas auf sich hielten, nach England. Das war nicht nur bei Rockbands so – es war der logische Schritt

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