Don Quixote
Quixote von la Mancha sein müsse, dessen Historie der Herzog gewöhnlich las, weshalb er ihn schon oft getadelt und gesagt, daß es Torheit sei, dergleichen Torheiten zu lesen; und als er sich in dieser Meinung bestätigt hatte, wandte er sich sehr zornig zum Herzoge und sagte: »Euer Exzellenz, mein gnädiger Herr, mag bedenken, daß Ihr Gott von dem Rechenschaft zu geben habt, was Ihr mit diesem armen Menschen vornehmt. Dieser Don Quixote oder Don Hansnarr, oder wie er sonst heißen mag, ist nach meiner Meinung wohl noch nicht ganz der Dummkopf, wie Euer Exzellenz haben will, daß er sein soll, da Ihr ihm Gelegenheiten an die Hand gebt, in seinen Narrheiten und einfältigen Streichen weiterzugehen.« Er wandte sich hierauf zu Don Quixote und sagte: »Und Ihr, Mensch ohne Verstand, wer hat es Euch denn in den Kopf gesetzt, daß Ihr ein irrender Ritter seid und daß Ihr Riesen, Giganten und Mamelucken gefangennehmt? Geht in Gottes Namen nach Eurem Hause zurück und erzieht Eure Kinder, wenn Ihr welche habt, und verwaltet Eure Wirtschaft und schweift nicht so durch die Welt, indem Ihr Luftschlösser baut und allen, die Euch kennen und nicht kennen, etwas zu lachen gebt. In welcher unglückseligen Stunde seid Ihr denn darauf gefallen, daß es irrende Ritter gibt oder gegeben hat? Wo gibt es denn Giganten in Spanien oder Mamelucken in la Mancha oder bezauberte Dulcineen oder all die übrigen Dummheiten, die von Euch erzählt werden?«
Don Quixote hörte den Worten dieses ehrwürdigen Mannes aufmerksam zu; und da er sah, daß er stillschwieg, erhob er sich, ohne den Respekt gegen die Herzoge beizubehalten, und sagte ergrimmt und mit erbostem Angesichte: – – – Doch diese Antwort verdient ein eigenes Kapitel.
15. [32.] KAPITEL
Die Antwort, welche Don Quixote seinem Tadler gab,
nebst andern ernsthaften und lustigen Vorfällen
Don Quixote also erhob sich, zitterte vom Kopfe bis zu den Füßen, als wenn er Krämpfe hätte, und sagte mit hastiger und stotternder Sprache: »Der Ort, wo ich bin, und die Gesellschaft, in welcher ich mich befinde, sowie die Achtung, die ich immer vor dem Stand hatte und habe, zu welchem Ihr Euch bekennt, fesseln und binden mir die Hände meines gerechten Zorns. Deshalb also, als auch weil ich das weiß, was alle wissen, daß die Waffen der Gelehrten dieselben sind, welche die Weiber gebrauchen, nämlich die Zunge, will ich die meinige zum gleichen Kampfe gegen Euch anwenden, von dem man eher freundlichen Rat als schändliche Schmähungen erwarten dürfte. Der erlaubte und gut gemeinte Tadel muß auf ganz andere Art und Weise gegeben werden; wenigstens habt Ihr dadurch, daß Ihr so öffentlich und hart mich tadeltet, alle Grenzen des erlaubten Tadels über schritten; denn dieser bedient sich lieber der Freundlichkeit als der Härte, und es ist nicht gut, jemanden, ohne das Vergehen zu kennen, welches man tadelt, ohne weiteres einen Sünder, Dummkopf und Narren zu schelten. Ist dieses nicht der Fall, so sagt mir doch, um welche Narrheiten, die Ihr an mir gesehen, verdammt und schmäht Ihr mich also und ratet mir, mich nach meinem Hause zu begeben und es zu bewahren sowie meine Frau und meine Kinder, ohne zu wissen, ob ich auch die eine oder die anderen habe? Ist es wohl genug, sich mir nichts, dir nichts in fremde Häuser zu begeben, um ihre Herren zu beherrschen, und, nachdem man in den Schulen an wohlfeilen oder Freitischen aufgezogen ist, ohne mehr von der Welt gesehen zu haben als zwanzig oder dreißig Meilen im Umkreise, sich blindlings darein zu mengen, der Ritterschaft Gesetze vorzuschreiben und über die irrenden Ritter ein Urteil zu sprechen? Ist es denn vielleicht ein eitles Unternehmen oder eine übel aufgewandte Zeit, wenn man sie darauf verwendet, durch die Welt zu ziehen, keine von ihren Wollüsten suchend, sondern alle jene Bedrängnisse, durch welche die Tugendhaften zum Sitze der Unsterblichkeit gelangt sind? Hätten mich die Ritter für einen Narren gehalten, die Vornehmen, die Edelmütigen, die Hochgebornen, so hätte ich es für einen unwiderruflichen Schimpf genommen; daß mich aber die Schriftgelehrten für albern erklären, die niemals die Fußstapfen der Ritterschaft betreten haben, kümmert mich nicht im geringsten. Ritter bin ich, und als Ritter will ich sterben, wenn es dem Allerhöchsten so gefällt. Einige wandeln auf dem weiten Felde des stolzen Hochmuts, andere gehen durch knechtische und niedrige Schmeichelei, andere durch betrügerisches Heucheln, wenige
Weitere Kostenlose Bücher