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Eden Inc.

Eden Inc.

Titel: Eden Inc. Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Lincoln Child
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- eines Programms, das die Interaktion mit Liza so verfeinerte, dass ein EEG-Einhaken nicht mehr nötig sein würde. Lash hatte Recht gehabt: Es war an der Zeit.
    Außerdem lenkte es seinen Geist von kummervollen Ereignissen ab - Ereignissen, über die er am liebsten überhaupt nicht nachgedacht hätte.
    Wie ein aus der Trance erwachter Schlafender schaute er zum Drucker hin. Programmieren ist ein Bewusstseinszustand. Es kann eine Menge Zeit erfordern, um in diese »Zone« zu gelangen. Silver war momentan wieder drin und nicht sonderlich scharf darauf, sie aufzugeben. Doch wenn im Ausgabefach des Druckers Papier lag, konnte dies nur eines bedeuten: Liza hatte ihre Aufgabe abgeschlossen, und zwar ziemlich früh.
    Silver stand mit einem Seufzer auf und warf einen Blick auf die Uhr. Fünf vor halb zwölf. Er ging auf den Drucker zu und nahm den Bogen an sich.
    Eine ganze Weile stand er reglos da und schaute ihn an. In der von der Sonne erleuchteten Galerie war es absolut still.
    Schließlich ließ er das Blatt sinken. Seine Hand zitterte.
    Silver schob den Bogen in eine Tasche seines Trainingsanzugs. Dann durchquerte er den Raum, öffnete die verborgene Tür und ging über die Treppe zur nächsten Ebene hinauf.
    Als die schwarze Tür am Ende des Ganges aufging, trat Silver sofort auf den Schalensitz zu, klemmte das Mikrofon an sein Sweatshirt und befestigte die Elektroden an seinen Schläfen.
    Normalerweise war dies ein vergnüglicher, fast meditativer Prozess: die Vorbereitung auf die Kontaktaufnahme mit einer weitaus vollkommeneren Version seines eigenen Ichs, als er selbst zu erringen es sich je erhoffen konnte.
    Heute fühlte er sich einfach taub.
    »Richard ...« Die leise, unflektierte Stimme kam aus allen Ecken des Raumes zugleich.
    »Liza, wie ist dein gegenwärtiger Status?«
    »99,1762 Prozent Leistungsbereitschaft. Die aktuellen Prozesse belegen 86,2 Prozent der für Multithreads freien Kapazität. Standardoperationen können auf hundert Prozent der Bandbreite zugreifen. Danke der Nachfrage.«
    »Gern geschehen.«
    »Ich hatte nicht erwartet, zu dieser Zeit mit dir zu sprechen. Möchtest du ein Szenarium ablaufen lassen? Ich habe eine Variante des Rift-Valley-Kampfspiels, die dir vielleicht gefällt. Oder möchtest du meine Gedanken zu unserem gegenwärtigen Buch diskutieren? Ich bin mit der Analyse des zwanzigsten Kapitels fertig.«
    »Im Moment nicht. Ich habe das Ergebnis deiner Suche. Es ist sehr früh gekommen.«
    »Ja. Meine Schätzung mit siebzehn Milliarden Taktzyklen lag daneben.«
    »Liza, ich habe nur eine Frage: Wie sicher ist das Ergebnis?«
    Wenn man mit Menschen sprach, konnte man, wenn sie einen unerwarteten Kommentar verdauen mussten, immer auf eine Pause zählen. Bei Liza gab es dergleichen nicht. »Ich verstehe deine Frage nicht.«
    »Weißt du genau, dass das Ergebnis deiner Suche kein Irrtum ist?«
    »Das Ergebnis zeigt keine statistische Abweichung. Es ist das, was übrig bleibt, wenn man alle unzufrieden stellenden Ergebnisse ausgeschlossen hat.«
    »Ich zweifle nicht an dir, Liza. Ich wollte nur ganz sicher sein.«
    »Deine Bedenken sind verständlich. Vor der Ausführung des Prozesses hast du gesagt, es sei entscheidend, die Lösung zu finden. Ich habe die Lösung gefunden. Ich hoffe, sie erweist sich als zufriedenstellend.«
    »Danke, Liza.«
    »Gern geschehen, Richard. Wollen wir uns weiter unterhalten?«
    »Bald. Zuerst muss ich noch etwas erledigen.«
    »Danke, dass du mit mir gesprochen hast.«
    Silver tippte die Abschaltsequenz in die Tastatur ein, nahm die Elektroden von den Schläfen und erhob sich aus dem Sessel. Er wartete einen Moment und lauschte seinem Atem.
    Dann wischte er sich mit dem Handtuch über die Stirn und ging zur Tür. Als er in den Korridor trat, zog er das Handy aus der Tasche und wählte eine Nummer.
    »Mauchly«, sagte eine Stimme.
    »Ich bin’s, Edwin - Richard.«
    »Ja, Dr. Silver?«
    »Ich glaube, Sie kommen besser sofort zu mir rauf, Edwin.
    Wir haben ein echtes Problem.«

 
38
    Das Norman-J.-Weisenbaum-Center für Biochemische Forschung stand auf einer südlich von Cold Spring in den Hudson ragenden Landzunge. Lash fuhr auf den Besucherparkplatz, sprang auf den Schotter und schaute zu dem langen, niedrigen Gebäude aus Glas und Stein hinauf, das sich an den Hügel schmiegte. Es sah nicht im Geringsten so aus, wie er es sich vor einer Woche bei seinem Anruf auf dem Rückflug von Phoenix vorgestellt hatte: Es war durch und durch modern.
    Und doch

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