Ein Kurs in Wundern
die
Überzeugung, dass es eine Gefahr gibt, die die Macht hat, dich zu angemessener Verteidigung aufzufordern. Die
Welt gründet auf dieser wahnsinnigen Über zeugung. Und all ihre Strukturen, all ihre Gedanken und Zweifel, ihre
Strafen und schweren Geschütze, ihre juristischen Definitionen und Gesetze, ihre Ethik und ihre Anführer und
Götter, sie alle dienen nur dazu, ihr Gefühl der Bedrohung zu erhalten. Denn niemand geht in einer Rüstung durch
die Welt, dem nicht der Schrecken tief im Herzen sitzt.
3.
Abwehr ist beängstigend. Sie stammt aus der Angst, und sie vermehrt die Angst mit jeder Abwehr. Du denkst,
sie biete Sicherheit. Doch spricht sie von Angst, der Wirklichkeit verliehen ist, und von gerechtfertigtem
Schrecken. Ist es nicht eigenartig, dass du nicht innehältst, um zu fragen, was du verteidigst und wie und gegen
wen, während du deine Pläne ausarbeitest und deinen Panzer dicker und deine Schlösser fester machst?
4.
Lass uns zuerst betrachten, was du verteidigst. Es muss etwas sein, was sehr schwach und leicht anzugreifen
ist. Es muss etwas sein, was leicht zur Beute wird, was nicht fähig ist, sich zu schützen, und deiner Verteidigung
bedarf. Was außer dem Körper hat eine solche Gebrechlichkeit, dass ständige Sorge und wachsame, tiefe
Anteilnahme vonnöten sind, um sein kleines Leben zu beschützen? Was außer dem Körper taumelt und muss
daran scheitern, dem SOHN GOTTES als würdiger Gastgeber zu dienen?
5.
Und dennoch ist es nicht der Körper, der Angst haben oder ein Ding der Angst sein kann. Er hat keine
Bedürfnisse außer denen, die du ihm zu schreibst. Er braucht keine komplizierten Verteidigungsstrukturen, keine
gesundheitsfördernde Medizin, keine Pflege und überhaupt keinerlei Sorge. Verteidige sein Leben oder gib ihm
Gaben, um ihn schön, oder Mauern, um ihn sicher zu machen, und du sagst nichts anderes, als dass dein Zuhause
dem Dieb der Zeit offen steht, verweslich und zerfallend ist und so unsicher, dass es mit deinem eigenen Leben
beschützt werden muss.
6.
Ist dieses Bild nicht furchterregend? Kannst du in Frieden sein mit einer solchen Vorstellung von deinem
Zuhause? Was aber hat den Körper mit dem Recht ausgestattet, dir so zu dienen, wenn nicht deine eigene
Überzeugung? Es ist dein Geist, der dem Körper alle Funktionen gab, die du in ihm siehst, und der seinen Wert
weit höher als ein kleines Häuflein Staub und Wasser festsetzte. Wer wollte etwas verteidigen, was er als das
erkennen würde?
7.
Der Körper bedarf keiner Verteidigung. Das kann man gar nicht oft genug betonen. Er wi rd stark und gesund
sein, wenn der Geist ihn nicht missbraucht, indem er ihm Rollen zuweist, die er nicht erfüllen kann, oder Zwecke,
die jen seits seines Bereiches liegen, oder hochfliegende Ziele, die er nicht erreichen kann. Solche Versuche,
lächerlich, aber zutiefst lieb und teuer, sind die Quel len der vielen verrückten Angriffe, die du gegen ihn richtest.
Denn er scheint deine Hoffnungen, deine Bedürfnisse, deine Wertvorstellungen und deine Träume zu enttäuschen.
8.
Das »Selbst«, das Schutz braucht, ist nicht wirklich. Der Körper, wertlos und kaum der geringsten
Verteidigung wert, braucht bloß als völlig getrennt von dir wahrgenommen zu werden, und er wird zu einem
gesunden, dienstwilligen Instrument, durch weiches der Geist wirken kann, bis seine Nützlichkeit vorüber ist. Wer
würde ihn behalten wollen, wenn seine Nützlichkeit vorbei ist?
9.
Verteidige den Körper, und du greifst deinen Geist an. Denn du siehst diejenigen Fehler, Schwächen, Grenzen
und Mängel in ihm, vor denen, wie du glaubst, der Körper gerettet werden muss. Du wirst den Geist nicht als
separat von körperlichen Befindlichkeiten sehen. Und du wirst dem Körper all den Schmerz auferlegen, der von
der Vorstellung kommt, der Geist sei begrenzt, fragil, getrennt von jedem anderen Geist und separat von seiner
QUELLE.
10. Dies sind die Gedanken, die der Heilung bedürfen, und der Körper wird mit Gesundheit reagieren, wenn sie
berichtigt und durch die Wahrheit ersetzt worden sind. Das ist die einzige wirkliche Verteidigung des Körpers.
Doch suchst du hier nach seiner Verteidigung? Du bietest ihm Schutz von einer Art an, aus der er überhaupt
keinen Nutzen zieht, sondern die bloß deine Geistesqual verstärkt. Du heilst nicht, sondern nimmst bloß die
Hoffnung auf Heilung weg, denn du siehst nicht, wo die Hoffnung liegen muss, wenn sie bedeutungsvoll sein
Weitere Kostenlose Bücher