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Elben Drachen Schatten

Elben Drachen Schatten

Titel: Elben Drachen Schatten Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alfred Bekker
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verstehe dich, mein Freund. Aber es gibt keinen Sinn im Leben, außer man gibt ihm einen. Und es gibt keine Erfüllung von Träumen, außer man verwirklicht sie. Willst du ewig vor diesen Tatsachen davonrennen, Mergun?“
    Luuns Blick ruhte auf Mergun.
    Die Worte des grauen Mannes hallten im Bewusstsein des Wanderers wider.
    Er hat Recht! dachte er. Gesteh es dir ein!
    „Ich vermag es, in deine Seele zu schauen. Ich sehe dort den Traum von einem Land, in dem es keine Götter gibt und in dem Freiheit für jedermann herrscht. Ein Land ohne kriegerische Götter, die auf Kosten der Sterblichen ihre schrecklichen Kriege führen, in denen der Mensch von vorn herein als Verlierer feststeht; ein Land, in dem kein blutrünstiger Gott zu seinem Vergnügen Menschen hinschlachten darf! Mergun, du musst diesen Traum verwirklichen! Du hast die Macht dazu! Gib deiner Existenz auf diese Weise einen Sinn! Töte Ahyr und Taykor! Stürze sie in die alles verzehrenden Flammen des magischen Feuers, das dazu geschaffen wurde, die Götter zu verbrennen!“
    „Du verlangst viel“, murmelte Mergun halblaut.
    „Die beiden Götter sind alt, Mergun. Unendlich alt. Ihre Zeit ist abgelaufen. Sie müssen sterben. Sieh dir Ahyr an: Nur ein seniler, dekadenter Gott benimmt sich wie er, hat es nötig mit einem von zweiköpfigen Löwen gezogenen Wagen zu fahren und Menschen allein zum Zweck seines Vergnügens zu töten! Das sind unverkennbare Zeichen der Degeneration und des Verfalls. Die Stunde ist da, in der die Götter gestürzt werden müssen. Und du besitzt die Kraft, dies zu vollbringen, Wanderer!“
    „Nein!“, drang ein verzerrter Schrei aus dem Tempel. Ein Schrei namenloser Qual. Mergun schauderte.
    Er hat Recht!, dachte er. Du kannst dieser Erkenntnis nicht ausweichen.
    „Sag mir, Luun: Weiß Ahyr, wo sich Taykors Heerlager befindet?“
    „Nein, er weiß es nicht. Er hat bereits viele Späher ausgesandt, aber keiner von ihnen kehrte erfolgreich zurück. Vielleicht war es ein Zauber, der sie in die Irre leitete.“
    Ein Plan begann sich in Merguns Geist zu formen. Ein Plan zur Ermordung zweier Götter.
    Luun fragte: „Was wirst du tun, Mergun?“
    „Ich werde Ahyr und Taykor töten, so wie du es verlangst.“
    „Wenn du glaubst, dass du es um meinetwillen tust, dann irrst du dich.“
    Mergun lachte heiser.
    „Vielleicht tue ich es, um dich allwissenden Quälgeist endlich los zu werden... Womit habe ich deine Verfolgung überhaupt verdient?“
    „Sie ist eine Auszeichnung, Mergun.“
    „Ich kann über deinen Humor nicht lachen, Luun.“
    „War nicht witzig gemeint. Nicht einmal zynisch.“
    „Wie auch immer...“
    „Zögere nicht zu lange mit der Verwirklichung deines Planes, Mergun.“
    „Das werde ich nicht. Ich verspreche es dir.“
    „Dann leb' wohl.“
    Und mit diesen Worten verschwand Luuns graue Gestalt vor Merguns Augen. Der geheimnisvolle Mann wurde transparent und löste sich dann einfach auf.
    Wer mag er sein?, fragte sich Mergun. Und welches Interesse hat er am Sturz der Götter?
    Wie grimmige Dämonen spukten diese Gedanken in Merguns Seele herum, aber so sehr er auch darüber nachdachte, so fand er keine auch nur halbwegs plausiblen Antworten.

    *

    Als Mergun ins Freie trat, schien es ihm so, als sei alles Leben in der Stadt förmlich zu Stein erstarrt.
    Eine unheilvolle Stille hing schwer über Balan und wurde nur ab zu von den Schreien grundlos Geschundener unterbrochen, die immer noch in unregelmäßigen Abständen aus den Tempelmauern herausdrangen.
    Die Balanier verharrten in kniender Stellung.
    Angst stand in den Augen der Stadtbewohner.
    Sie wagten es nicht, auch nur mit der Wimper zu zucken oder unbedacht heftig zu atmen.
    Einem sadistischen Monstrum waren sie allesamt hilflos ausgeliefert, ohne die geringste Hoffnung auf Befreiung.
    Die seelenlosen, sich wie Marionetten bewegenden Soldaten des grausamen Gottes beobachtete jede auch noch so kleine verdächtige Bewegung.
    „Knie dich nieder!“, flüsterte Aenaskeus Mergun zu. „Ich flehe dich an!“
    Mergun aber kümmerte sich nicht um den Wirt.
    Äußerlich ruhig und gelassen schritt er die Straße entlang, die Hand am Schwertgriff. Er lenkte seine Schritte auf den Tempel des Ahyr zu, denn zu niemand anderem als dem zornigen Gott der Balanier selbst wollte er.
    Mergun spürte, wie sich die Blicke der Menschen an ihn hefteten.
    Für wen hielten ihn diese Leute jetzt?
    Für einen Wahnsinnigen?
    Einen, der seines Lebens überdrüssig war?
    Einige der

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