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stürzte diesen Hang hinab und floss mit schönem Geräusch an der Hütte vorbei bis zu einem Biberteich knapp einen Kilometer entfernt. Um diesen herum hatten gleichgesinnte Nachbarn Heimstätten errichtet und bildeten eine kleine Gemeinde aus fünf Familien und zwei Dutzend Seelen, die sich auf fünf Quadratkilometer ziemlich flachen, halbwegs bebaubaren Landes am Kopf eines Flusstals verteilten, das bis fast nach Bourne’s Ford verlief.
Beim Essen war ein Unwetter das Tal heraufgekommen und mit ein paar eindrucksvollen Donnerschlägen und einem plötzlichen Regenguss vom Blechdach über sie hinweggezogen. Dahinter war klare Luft herangeströmt, die Sonne war herausgekommen und hatte einen Regenbogen gebildet, der in das Tal hinabzutauchen schien. Durch das Fliegengitter der Veranda kam der Duft der regennassen Zedern. Jacob strich Honig auf selbstgebackenes Brot, das Elizabeth eine Stunde zuvor aus dem Ofen geholt hatte. Das Leben war plötzlich gut. Er fragte Zula, wie die Fahrt verlaufen sei, was für Pläne sie für ihr neues Leben in Seattle habe und was sie in ihrer Freizeit gern tue. Sie nannte eine Reihe von Aktivitäten, die Jacob, weil sie eher großstadt- und hightechorientiert waren, zum einen Ohr hinein- und zum anderen hinauszugehen schienen. Sie erwähnte auch das Campen. Nicht, dass sie sich dafür so wahnsinnig interessiert hätte. Sie kannte es von den Pfadfinderinnen und von Familienausflügen. Für einen gesunden jungen Menschen, der nach Seattle zog, erschien es beinahe zwingend zu behaupten, er interessiere sich für das Campen. Jedenfalls weckte das wiederum sein Interesse, und sie unterhielten sich eine Zeitlang darüber, wobei sie das schwarze Loch, das da lag und geduldig auf sie wartete, zunächst nur umkreisten, um sich dann natürlich doch über Bären zu unterhalten. Jacob erwähnte, dass es in den Kernstaaten der USA nur noch sehr wenige Gegenden gab, die Grizzly-, im Gegensatz zu Schwarzbären beherbergten, und dass der Norden von Idaho eine davon sei; dieser sei über die Selkirks und die Purcells mit einem sehr viel größeren Habitat von Grizzlys verbunden, das über die ganzen kanadischen Rockies hinauf bis nach Alaska reiche. Jacob ging ein wenig ausführlicher, als Zula wirklich lieb war, auf die Vorstellung ein, dass Bären von menstruierenden Frauen angelockt würden, und riet ihr dringend davon ab, in einer Bärengegend campen zu gehen, wenn sie ihre Tage habe. Die moderne, feministische College-Studentin in ihr hielt das alles für zutiefst falsch und unangemessen, während der Forthrast-Part, das Flüchtlings- und Waisenkind, einen etwas pragmatischeren Standpunkt vertrat.
Für sie klang das nach Folklore. Nicht, dass ihr das in einer Diskussion mit Jacob etwas genützt hätte; vieles von dem, was er glaubte, war Folklore, und je folkloriger es war, desto beharrlicher glaubte er es. Dass er, was Bildung und Wissenschaft anging, einen Komplex hatte, das wahrzunehmen erforderte keinen großen Scharfblick von seiten Zulas; man hatte sie bereits davor gewarnt, in seiner Gegenwart die Möglichkeit anzusprechen, dass die Erde mehr als sechstausend Jahre alt sein könnte.
Das alles fiel ihr leicht. Sie hatte mit solchen Männern zu tun gehabt, seit sie nach Iowa gekommen war. Männer wollten stark sein. Eine Möglichkeit, stark zu sein, bestand darin, viel zu wissen. Auf vielen Gebieten war es unmöglich, viel zu wissen, ohne einen Doktor zu machen und eine Postdoc-Stelle anzutreten. Schusswaffen und die Jagd boten einen Ausweg für Männer, die Alleswisser sein wollten, es sich aber nicht leisten konnten, sich die ersten drei Jahrzehnte ihres Lebens auf den neuesten Stand der Quantenmechanik oder der Onkologie zu bringen. Man konnte schlicht und einfach auf keinen Schießstand gehen, ohne von einem Mann bedrängt zu werden, der einen stundenlang über die Ballistik der .308er-Patrone oder die jeweiligen Vorteile der Quer- bzw. der Bockflinte vollquatschen wollte. Wenn einem das auf die Nerven ging, hielt man sich davon fern, und Zula hatte sich, indem sie die Schwelle von Jacobs und Elizabeths Haus überschritt, der vollen Breitseite ausgesetzt. Sie lächelte und nickte und tat so, als interessiere sie sich für Onkel Jacobs Bärenkunde, bis Tante Elizabeth damit fertig war, die Jungen ins Bett zu bringen, und kam und sie rettete.
Jedenfalls hatte sie es (natürlich) im Internet nachgesehen, als sie in Seattle ankam, und (natürlich) viele widersprüchliche Informationen
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