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Error

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Titel: Error Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: N Stephenson
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verwendbar; nun, da sich die Dschihadisten Besseres besorgt hatten, ließen sie mit Freuden den größten Teil des Schrotts zurück und nahmen nur die Waffen und ein paar andere ausgesuchte Gegenstände mit.
    Jones war sehr darauf bedacht, zügig aufzubrechen. Sie schlossen die Hecktür hinter ihr, setzten sich nach vorn und fuhren los. Zwar hatten die fünf Dschihadisten die vergangene Nacht allesamt überlebt, aber sie waren schmutzig und erschöpft und zeigten eine Art stieren Blick, der nicht unbedingt den Wunsch weckte, ihnen in die Augen zu schauen. Zula hatte das starke Gefühl, dass sie erst kürzlich gemordet hatten, und sie fragte sich, ob sie unter irgendeiner Droge standen. Wie üblich wurde ihr nichts erklärt, aber vieles ließ sich vermuten. Sie hatten den Suburban auf der Straße angehalten oder sich an einen Lagerplatz angeschlichen, wo er abgestellt war, hatten die Jäger und deren Führer umgebracht und die Leichen versteckt und waren dann zurückgekommen, um sie zu holen. Jetzt fragten sie sich, wie viel Zeit ihnen blieb, ehe auffiel, dass die Opfer sich nicht meldeten. Vielleicht blieben ihnen nur ein paar Stunden, vielleicht aber auch mehrere Tage. Man konnte es unmöglich wissen, also mussten sie so viele Kilometer wie möglich zwischen sich und den Tatort legen, ohne Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
    Eine Viertelstunde lang fuhren sie schweigend dahin und gewöhnten sich einfach nur an ihre Situation. Dann wandte sich Jones, der fuhr, an Ershut, der in der Mitte des Rücksitzes saß, und sprach eine Zeitlang über die Schulter mit ihm. Zula merkte, dass er über sie redete.
    Ershut drehte sich um und gab ihr zu verstehen, dass er den Platz mit ihr tauschen wolle. Es folgte ein unbeholfenes Herumgeturne, das von der Kette an Zulas Knöchel nicht eben vereinfacht wurde.
    Ershut stöberte eine Zeitlang in Werkzeugkästen und Ausrüstungsboxen und fand unter anderem eine Rolle schwarzes Klebeband und eine robuste schwarze Plastikplane. Von Letzterer schnitt er einen Streifen ab, der etwa eine Armeslänge breit und mehrere Meter lang war, führte ihn wie einen Vorhang waagerecht an Seiten- und Rückfenstern des Ladebereichs entlang und klebte die Ränder an der Dachisolierung und den Fensterrahmen fest. Die gesamte hintere Hälfte des Suburban war nun hinter schwarzem Plastik verborgen. Wer von außen daraufschaute, würde wahrscheinlich einfach davon ausgehen, dass das Glas stark getönt war.
    Ihr war klar, was das zu bedeuten hatte. Sie würden jetzt auf öffentlichen Straßen fahren. Irgendwann würde der Zeitpunkt kommen, wo sie anderen Fahrzeugen nahe waren, und sie wollten nicht, dass Zula am Rückfenster durch Gesten auf sich aufmerksam machte.
    Oder aber ein Fenster eintrat. Wozu sie ohne weiteres imstande war, ob die Fenster nun mit Plastik verklebt waren oder nicht.
    Sie nahmen ihr die Kette vom Knöchel ab und zwangen sie, in einen Schlafsack zu schlüpfen. Dann wickelten sie Klebeband stramm außen um den Schlafsack und fesselten so zuerst ihre Knöchel, dann ihre Knie aneinander. »Auf die Toilette gehen ist wohl nicht drin?«, rief sie, während sie das taten.
    »Sie werden einfach im Schlafsack gehen müssen«, verkündete Jones. »Das ist zwar unangenehm, aber es wird Sie nicht umbringen.«
    Mit Klebeband fesselten sie ihre Handgelenke in Taillenhöhe auf der Außenseite des Schlafsacks aneinander und benutzten weiteres Klebeband, um ihre Arme am Oberkörper zu fixieren. Sharif hatte eine Rollmütze gefunden, vielleicht auch einem toten Jäger abgenommen, und sie zogen sie ihr über die Augen und befestigten sie mit einer Binde aus Klebeband.
    Dann fuhren sie eine Ewigkeit.
    Zula versuchte, den Zeitablauf zu schätzen, hatte aber keinen anderen Anhaltspunkt als die Tankstopps. Es gab drei davon. Vor jedem kletterte Ershut auf den Rücksitz, stopfte Zula eine Socke in den Mund und fixierte diese mit einem Zaum aus Klebeband. Zum Eingreifen bereit, verharrte er über ihr, während nur wenige Zentimeter von ihrem Kopf entfernt jemand – wahrscheinlich Jones, da er als Kanadier oder Amerikaner afrikanischer Herkunft durchgehen konnte – die Zapfpistole in den Tankstutzen einführte und weitere hundert Liter Sprit einfüllte. Das Fehlen elektronischer Piepgeräusche ließ darauf schließen, dass Jones hineinging und bar bezahlte, anstatt eine Kreditkarte zu verwenden.
    Woher hatten sie kanadisches Geld?
    Wahrscheinlich von toten Jägern.
    Nur wenige Minuten nach dem zweiten Tankstopp

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