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Flucht aus Katmandu

Titel: Flucht aus Katmandu Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kim Stanley Robinson
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sind es nicht. Jetzt holen wir ihn nie mehr ein.«
    Nun hat man von Lukla keine außergewöhnlich gute Aussicht, verglichen mit dem, was man höher sehen kann; aber es gibt dort die riesigen grünen Wände der Schlucht, und im Norden sieht man einige der großen weißen Gipfel dahinter; und wenn man das alles sieht und denkt, man dürfe es nie wieder sehen …
    Ich deutete nach Süden. »Vielleicht haben wir auch mal Glück.«
    »Was?«
    Freds lachte. »Chopper! Da, seht ihr? Ein Trekking- Unternehmen hat Hubschrauber angemietet, um seine Gruppe einzufliegen.«
    Es stimmte. Das ist eine ziemlich übliche Praxis, ich habe es selbst schon oft genug gemacht. Die täglichen Flüge der RNAC nach Lukla reichen mitten in der Trekking-Saison nicht aus, und so vermietet die nepalesische Luftwaffe freundlicherweise – und zu exorbitanten Preisen – ihre Hubschrauber. Natürlich ziehen sie es vor, nicht leer zurückzufliegen, und nehmen jeden mit, der dafür bezahlt. Oft – und so auch an diesem Tag – stritt eine beträchtliche Menge lautstark darum, für den Rückflug bezahlen zu dürfen, und die Konkurrenz ist groß, obwohl ich für meinen Teil niemals verstanden habe, warum die Menschen so besessen darauf sind, nach Katmandu zurückzukehren.
    Auf jeden Fall war es an diesem Tag wie an den meisten anderen auch, und eine ganze Schar Trekker saß um die Ladezone neben der Landepiste herum und verhandelte mit den Sherpa- und Sherpani-Unterhändlern, die den Flughafen beherrschen und Flüge für die Leute besorgen können. Die Hierarchie unter diesem halben Dutzend Unterhändlern ist – sogar für sie selbst – völlig obskur, und an diesem Tag hatte wie immer jeder von ihnen eine Liste von Leuten, die bis zu einhundert Dollar für einen Rückflug bezahlt hatten; und bis die Unterhändler mit der Hubschrauberbesatzung gesprochen hatten, wußte niemand, wer diesmal den Zuschlag erhalten würde, seine Leute an Bord bringen zu dürfen. Die Leute hielten diese Vorgehensweise bestenfalls für zweifelhaft, und als sie die Hubschrauber sahen, meckerten sie lauthals und warfen ihren Unterhändlern üble Dinge an den Kopf.
    Das war also keine besonders günstige Situation für uns, denn obwohl wir in einer verzweifelten Lage waren, behaupteten alle anderen, die einen Rückflug wollten, ebenfalls in einer verzweifelten Lage zu sein, und niemand würde freiwillig auf seinen Platz verzichten. Doch gerade, als die beiden Puma-Hubschrauber laut und unter beträchtlichem Wind landeten, sah ich Heather auf der Landepiste, und ich lief zu ihr und erfuhr, daß sie für unsere Expedition bei Pemba Sherpa, einem der mächtigsten Unterhändler dort, Plätze gebucht hatte. »Gute Arbeit, Heather!« rief ich. Ich erklärte ihr schnell einige Aspekte der Situation, und sie musterte uns mit großen Augen und nickte, daß sie verstanden habe.
    Und in der Tat, im Chaos der Trekker, die sich um die Hubschrauber drängten, bei all dem Gestöhne und Ächzen und Geschrei und Gemeckere, an Bord gelassen zu werden, war es Pemba, der die Oberhand über die anderen Unterhändler behielt. Und die ›Video-Expedition zum Everest Base Camp‹ der Firma Want To Take You Higher Ltd. stieg – einschließlich vier englischer und eines amerikanischen Bergsteigers – unter großem Jubel an Bord der beiden Hubschrauber. Mit einem Thukka-thukka-thukka starteten wir.
    »Aber wie wollen wir ihn in Katmandu finden?« sagte Marion über den Lärm.
    »Er rechnet nicht mit euch«, sagte ich. »Er glaubt, die letzte Maschine des Tages erwischt zu haben. Also würde ich anfangen, im Kathmandu Guest House, in dem wir wohnen, nach ihm zu suchen.«
    Die Engländer nickten und schauten grimmig wie Sturmtruppensoldaten drein. Arnold kriegte Probleme.

19

    Wir landeten eine Stunde später auf dem Flughafen von Katmandu, und die Briten stürmten hinaus und nahmen sich ein Taxi. Freds und ich nahmen uns ebenfalls eins und versuchten, sie nicht aus den Augen zu verlieren, doch die Engländer mußten ihrem Fahrer die dreifache Summe angeboten haben, denn ihr kleiner Toyota schoß wie bei einem Motocross-Rennen über die staubige Straße zwischen dem Flughafen und der Stadt dahin. Also fielen wir zurück, und als wir auf dem Hof des Kathmandu Guest House ausstiegen, war ihr Taxi schon fort. Wir bezahlten unseren Fahrer, gingen hinein und fragten einen hochnäsigen Portier nach Arnolds Zimmernummer, und als er sie uns nannte, eilten wir zu dem Zimmer hinauf; es befand sich im zweiten

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