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Forlorner (Salkurning Teil 1) (German Edition)

Forlorner (Salkurning Teil 1) (German Edition)

Titel: Forlorner (Salkurning Teil 1) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Loons Gerringer
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gesellschaftlichen Glanz kam er –
aufgewachsen im abgelegenen, absonderlichen Orolo – sich wie ein Hinterwäldler
vor. Und trotzdem interessierte sie sich für ihn. Sie war beeindruckt von
seinen Erfindungen und Plänen, sie hörte ihm zu und war die erste Frau, die
vieles von dem, was er sagte, verstand. Er fing an sich vorzustellen, wie sie
zusammen durch die Welt reisen und was sie alles sehen und erleben würden.
Wobei sie weiter Reisebücher schreiben und er Inspirationen für neue
Erfindungen gewinnen würde. Mit einer solchen Frau musste das Leben einfach
perfekt sein!
    Ein Dreivierteljahr später waren sie verheiratet.
    Er war sicher, dass er niemals mehr eine so perfekte
Gefährtin wie Merelle Autrejaune finden könnte. Es wärmte sein Herz, wie sie
für ihre Liebe kämpfte, wie sie sich in ihrer traditionsreichen Familie gegen
alle Widerstände durchsetzte – und das waren trotz seines berühmten Familiennamens
nicht gerade wenige. Und so fand er sich eines Tages etwas benommen mit ihr vor
dem Altar der Larenni wieder, wo er ihr ewige und ausschließliche Treue und
Liebe versprach.
    Um diese Zeit gab es die ersten Anzeichen dafür, dass
der Mond sich zu verändern begann, und eine Welle der Hysterie schwappte durch
alle Gesellschaftsschichten. Man wusste aus alten Aufzeichnungen, was das
bedeutete. Angeblich hatten viele sogar schon darauf gewartet, weil der
Kumatai-Zyklus sich wieder einem Ende näherte.
    Dorian, der in seiner Wanne vor sich hindöste,
schnaubte bei dem Gedanken an all die idiotischen Geschichten, die er seitdem
über den Mond zu hören bekommen hatte. Das Phänomen war faszinierend genug, und
so hatte er sich durch die Schriften von arabischen Gelehrten gearbeitet, die
dieselbe Erscheinung vor dreihundertfünfzig Jahren beobachtet und beschrieben
hatten. Dabei beschäftigte er sich zum ersten Mal gründlich mit der
Fluidum-Theorie und entwickelte, davon ausgehend, ein paar ziemlich
revolutionäre und leider wenig beweisbare Ansätze, die im Übrigen niemanden
interessierten.
    Ellie ging einen anderen Weg. Thorkild Autrejaune, der
den ganzen Quatsch über das sagenhafte Nordland Skilgorth, die angebliche
Urheimat der Valdannen, zusammenfabuliert hatte, war ihr Vorfahr gewesen. Kein
Wunder also, dass sie schon als kleines Mädchen unbedingt an den Ausgrabungen
in Skilsinen teilnehmen wollte, wo die Nordträumer ihre verlorene Heimat
auszubuddeln hofften. Hatte also was von Familientradition, ihre Schwärmerei
für den Norden, für das Urtümliche, Reine und Starke, das sie in der
Langorren-Kultur erhalten sah. Und Ellie war nicht die Frau, die sich mit
Schwärmerei begnügte. Als die Veränderung des Mondes unübersehbar und das Gerede
von drohenden Katastrophen lauter und verrückter wurde, entwickelte sie in
ihrem bisher berühmtesten Buch ein Rezept für die Rettung der Welt. Darin griff
sie die Skilgorth-Idee auf, heimliche Sehnsüchte und diffuse Bewunderung für
die uralte Kultur der Langorren und strickte daraus eine Utopie. Die Heilung
lag im Norden; wie man überlebte, das konnte man bei den Stämmen lernen,
vorausgesetzt, man war stark genug dafür. Und das Ganze in Versen ,
gütige Larenni – das war nur ein mythologisch verklärtes Versepos ! Aber
in Valdannenkreisen wurde das Buch wie eine Offenbarung aufgenommen, und die
Nordträumer sahen in ihr von da an so was wie ihre Prophetin.
    Er hielt schon von der Prämisse – der drohenden
Apokalypse – nicht viel, und Helringur insgesamt war poetischer Unsinn.
Mit ein paar vage gefährlichen Anklängen, wie er fand. Er sagte das nicht so
deutlich; obwohl sie da schon Schwierigkeiten miteinander hatten, liebte er sie
doch genug, um sie nicht kränken zu wollen.
    Aber der Erfolg ihres Buches und ihr rasanter Aufstieg
bei den Nordträumern gaben ihren Schwierigkeiten eine weitere, sozusagen
gesellschaftliche Dimension. Sie verlangte von ihm, dass auch er seine Arbeit
in den Dienst der Nordträumer stellte. Zur Rettung der Welt beizutragen, sei
seine Pflicht gegenüber der Gesellschaft. Als er herausfand, dass sie heimlich
in seinen Aufzeichnungen herumschnüffelte und alles, was ihr nützlich erschien,
an die Nordträumer weitergab, tobte er. Seine Weigerung, an eine
unausweichliche Apokalypse zu glauben, seine spöttische Distanz zu den
Nordträumern – all das brachte sie noch weiter auseinander, aber er konnte
nicht anders. Er versuchte ihr seine Theorie über den Mond zu erklären, aber da
kam dieses spöttische Funkeln in

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