Foundation 02: Die Stahlhöhlen
Familienangelegenheit.«
»Man wird sie verhören müssen. Eine reine Formalität natürlich.«
»Ich kenne die Polizeivorschriften, Commissioner. Übrigens, was ist mit dem Alpha-Strahler selbst. Hat man schon festgestellt, woher er stammt?«
»O ja. Er kam aus einem der Kraftwerke.«
»Und was hat man dort für eine Erklärung, wie er abhanden gekommen ist?«
»Die haben keine Ahnung. Aber schauen Sie, Lije, abgesehen von Routineaussagen hat das alles nichts mit Ihnen zu tun. Sie kümmern sich weiter um Ihren Fall. Es ist nur… Nun, Sie kümmern sich jedenfalls weiter um die Spacetown-Ermittlungen.«
»Darf ich meine Routineaussage später abgeben, Commissioner?« fragte Baley. »Ich habe nämlich noch nicht gegessen.«
Commissioner Enderbys Augen wandten sich Baley zu. »Aber unbedingt, beschaffen Sie sich etwas zu essen. Aber gehen Sie nicht aus dem Haus, ja? Ihr Partner hat natürlich recht, Lije« – er schien es bewußt zu vermeiden, R. Daneel anzusprechen oder seinen Namen zu benutzen –, »wir brauchen ein Motiv. Das Motiv.«
Baley hatte plötzlich das Gefühl, zu erstarren.
Etwas, das von ihm völlig losgelöst war, etwas Fremdes, nahm die Ereignisse dieses Tages und des vorangegangenen und des Tages davor auf und jonglierte damit. Und dann begannen die einzelnen Stücke ineinanderzupassen; ein Schema begann sich zu bilden.
»Aus welchem Kraftwerk stammt der Alpha-Strahler, Commissioner?« fragte er.
»Aus dem in Williamsburg. Warum?«
»Nichts. Nichts.«
Das letzte Wort, das Baley den Commissioner murmeln hörte, als er, dicht gefolgt von R. Daneel, aus dem Büro schritt, war: »Motiv. Motiv.«
Baley nahm in der kleinen und nur selten benutzten Kantine eine spärliche Mahlzeit zu sich. Er würgte die gefüllte Tomate auf Kopfsalat hinunter, ohne richtig zur Kenntnis zu nehmen, um was es sich überhaupt handelte. Und noch ein oder zwei Sekunden, nachdem er den letzten Bissen getan hatte, glitt seine Gabel ziellos über den Plastikteller und suchte automatisch nach etwas, das dort nicht mehr zu finden war.
Dann bemerkte er es und legte die Gabel mit einem gemurmelten »Jehoshaphat!« zur Seite.
Er sagte: »Daneel!«
R. Daneel hatte an einem anderen Tisch gesessen, als wollte er den sichtlich mit sich selbst beschäftigten Baley in Frieden lassen oder als benötigte er selbst Ruhe und Abgeschiedenheit. Baley war es inzwischen gleichgültig, was von beiden.
Daneel stand auf, trat an Baleys Tisch und setzte sich wieder. »Ja, Partner Elijah?«
Baley sah ihn nicht an. »Daneel, Sie müssen mir helfen.«
»In welcher Hinsicht?«
»Man wird Jessie und mich verhören. Das steht fest. Lassen Sie mich die Fragen auf meine Weise beantworten. Verstehen Sie?«
»Ich verstehe natürlich, was Sie sagen. Nichtsdestoweniger – wenn man mir eine direkte Frage stellt, wie kann ich dann irgend etwas anderes sagen, als was der Wahrheit entspricht?«
»Wenn man Ihnen eine direkte Frage stellt, ist das eine andere Sache. Ich bitte Sie nur, nicht von sich aus Informationen zu liefern. Das können Sie doch, oder?«
»Ich glaube schon, Elijah. Vorausgesetzt, daß es nicht so aussieht, als würde ich einem menschlichen Wesen durch mein Schweigen Schaden zufügen.«
»Sie werden mir Schaden zufügen, wenn Sie nicht schweigen«, sagte Baley grimmig. »Das kann ich Ihnen versichern.«
»Ich verstehe Ihren Standpunkt nicht ganz, Partner Elijah. Die Angelegenheit von R. Sammy kann Sie doch nicht betreffen.«
»Nein? Kann sie das nicht? Es geht doch um das Motiv, oder? Sie haben nach dem Motiv gefragt. Der Commissioner hat das getan. Ich tue das übrigens auch. Warum sollte irgend jemand R. Sammy töten wollen? Damit wir uns richtig verstehen: Es geht hier nicht darum, wer ganz allgemein darauf aus sein könnte, Roboter in Stücke zu schlagen; das würde praktisch jeder Erdenmensch tun wollen. Die Frage ist, wer sich ausgerechnet R. Sammy ausgesucht hat. Vincent Barrett könnte in Frage kommen; aber der Commissioner sagt, daß der keine Möglichkeit hätte, sich einen Alpha-Strahler zu beschaffen, und damit hat er recht. Wir müssen uns anderswo umsehen. Und zufälligerweise gibt es eine andere Person, die ein Motiv hat; das sticht förmlich heraus. Das schreit. Das stinkt bis in die oberste Etage.«
»Und wer ist diese Person, Elijah?«
Und Baley sagte mit leiser, kaum hörbarer Stimme: »Das bin ich, Daneel.«
R. Daneels ausdrucksloses Gesicht veränderte sich unter dem Eindruck von Baleys Worten
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