Galileis Freundin (German Edition)
Schuldigkeit getan.
„Laudomia, Ginevra“, rief sie zornig mit lauter Stimme in den Palast hinein.
Sie brauchte nicht lange zu warten. Wie zufällig befanden sich die beiden Jungfern direkt an der Tür zum Salon.
„Ihr habt uns gerufen?“ Laudomia blickte mit flatterndem Mund auf die kleine Gruppe.
„Was können wir für euch tun, verehrte Schwägerin?“
„Hier, was soll das?“
Caterina wischte mit dem Dekret durch das Gesicht der älteren der beiden Schwestern.
„Hier lest das, und sag mir, was ihr damit zu tun habt. Ich werde dafür sorgen, dass ihr beide so schnell wie möglich in das Kloster geschickt werdet.“
„Wir?“ rief die unscheinbare Ginevra, „wir doch nicht, ihr sollt doch....“
Dann merkte sie zu spät, dass sie sich eben verraten hatte. Ihre Schwester versetzte ihr einen Puff in die Seite.
„So, ihr Zwergengestalten, ihr wisst also längst von dieser Ungeheuerlichkeit. Wahrscheinlich seid ihr die Anstifter.“
„Nein, nein“, stotterte die kleinere der beiden widerstandslos, „wir haben nur ...“
„Mir reicht’s, ihr hässlichen Enten. Ihr wart also auch daran beteiligt.“
Die beiden Töchter des Hauses liefen rot an ob dieser gemeinen Beschimpfungen. Sie huben zu einem Protest an, doch ihre Stimmen blieben leer, ihre roten Augen verrieten die Wahrheit, die sie verschweigen wollten.
„Ihr geifernde Hexen, ihr habt mich nur als brauchbare Kuh, als Gebährmaschine, als Sippe n retterin betrachtet. Die Mitgift unserer Familie Picchena ist Euch das Edelste in eurem kran k haften Leben. Dem Lorenzo, eurem schwindsüchtigen Bruder, sollte ich im Bett für einen Akt bereitliegen, den er noch nicht einmal mannhaft durchstehen konnte. Er war so unfähig für eine Frau, wie ihr es für jeden Mann sein würdet.“
Laudomia und Ginevra flatterten am ganzen Körper, ihre spitzen Nasen wurden blasser. Sie waren keiner Antwort fähig. Der Offizier, der Bote des Giancarlo, stand ängstlich neben den Angriffen der Delinquentin. Vieles war nicht für seine Ohren bestimmt. Er wollte sie schließen, letztlich öffneten sie sich immer mehr.
„Ihr unfähigen Weiber, euer Ziel ist es stets gewesen, euren Bruder zu einem Weib zu führen, das euch den Erben bringt. Ihr habt jetzt zwei Erben, was wollt ihr noch mehr? Die Mitgift, schließlich alle Güter meines Vaterhauses? Ihr gierigen, giftigen Hexen. Jetzt steckt ihr dahi n ter, dass ich in ein Kloster geschickt werden soll. Gemeinsam mit eurem Bruder, Alessandro , habt ihr den Plan ausgeheckt . Auf der Beerdigung hat er mir das angedroht. Irdische Reichtümer sind euch bedeutender als ein Bisschen Nächstenliebe.“
Laudomia erregte sich zittrig.
„Ihr seid erhitzt, ihr solltet sehen, dass wir nichts damit zu tun haben.“
„Kein Mann hat euch jemals geliebt“, fuhr Caterina dazwischen, ohne auf die Worte der Buo n delmonti einzugehen, „ihr wisst nicht, wie die Liebe zu einem Mann ist, ihr albernen Jungfrauen. Noch nicht einmal Lorenzo hat euch geliebt, der Pfaffe Alessandro verachtet euch. Was schürt ihr das Feuer der Hexenjagd? Könnt ihr es nicht abwarten, bis ich eines natürlichen Todes g e storben bin? Warum habt ihr Angst, die Güter der Picchena zu verlieren. Euer Reichtum geht über die Grenzen des Landes hinaus, eure Palazzi und Villen, eure Güter im Val die Pesa, eure Handelshäuser und sonstiges Vermögen, ihr gierigen Weiber, werden euch einen Strick um den Hals legen. Ihr werdet ersticken an euren Reichtümern, ihr werdet zugrunde gehen an eurem Unrecht, das ihr tut. Ihr habt weder Freude auf Erden noch wird sie euch im Himmel beschi e den sein. Ihr sammelt die verdammten Geldstücke in einem Sack, in den Banken, nehmt es von den Armen, den Bauern, den Gläubigen, ja sogar von den Gläubigen. Eure Kunden sind doch Gläubige, die an den Herrn Jesus Christus glauben, oder etwa nicht? Verkauft ihr eure Produkte etwa an Ungläubige, ihr Hohenpriester des Altertums. Ihr seid Frömmlerinnen und Scheinheilige, euer Leben ist keinen Pfifferling wert. Selbst, wenn ihr irgendwann eines natürlichen Todes sterbt, werdet ihr stets zu leiden haben. Eine Frage wird euer jammervolles Leben bis zum Ende begleiten. Die Frage nach dem Sinn des Geldes, dem Nutzen des Reichtums. Euch hat all dies zu nichts befähigt. Noch nicht einmal zu klaren Gedanken über das Sein. Gott selber hat euch gelehrt, dass euer letztes Hemd keine Taschen hat. Ihr hattet vorher nichts, jetzt nichts und ihr werdet weiterhin nichts haben. Ihr seid arme
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