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Gebrochene Schwingen

Gebrochene Schwingen

Titel: Gebrochene Schwingen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: V.C. Andrews
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Lakewood. »Wir möchten jetzt Mrs.
    Peggy Sue Martin in den Zeugenstand rufen.«
    Fanny sah auf, und ihr Anwalt schien etwas verwirrt zu sein.
    Der Ausdruck auf Fannys Gesicht wurde immer sorgenvoller.
    Sowohl Randall als auch Wendell Burton fragten sie, wer Peggy Sue Martin sei. Die meisten Leute im Saal fragten sich das sicherlich auch. Der Richter klopfte auf den Tisch, und das Publikum beruhigte sich wieder. Peggy Sue Martin betrat den Zeugenstand.
    Sie war Ende fünfzig oder Anfang sechzig und trug eine billige Fuchspelzimitation. Ihr Gesicht war stark geschminkt, beinahe so stark wie damals bei der wahnsinnigen Jillian. Das Rouge war viel zu dick aufgetragen, der Lippenstift war zu grell, und die Wimpern konnten die Last der Schminke kaum halten. Die hellblond gefärbten Haare sahen aus wie Stroh, und obwohl sie sich geschickt frisiert hatte, war deutlich erkennbar, daß sie ihr ausfielen. Ihr dünnes, lavendelfarbenes Kleid war zu kurz und schmiegte sich eng über ihre massigen Hüften.
    Wir hatten ihr zusätzlich zu den Spesen zweitausend Dollar gegeben, damit sie von Nashville hierherkäme. Nachdem sie rasch den Eid geleistet hatte, setzte sie sich mit übereinandergeschlagenen Beinen hin. Als Lakewood auf sie zuging, lächelte sie.
    »Mrs. Martin«, begann er, »bitte sagen Sie dem Gericht, wo Sie leben und was Sie machen.«
    »Ich wohne in Nashville, wo ich ein halbes Dutzend Häuser besitze, um die ich mich kümmern muß.«
    »Mrs. Martin, kennen Sie Fanny Casteel?«
    »Ja, natürlich. Fanny wohnte vor ein paar Jahren in einem von meinen Häusern. Sie war nach Nashville gekommen, um als Sängerin Karriere zu machen, genau wie hundert andere Mädchen.« Sie lächelte den Richter an, der aber nicht darauf reagierte.
    »Wenn sie in einem Ihrer Häuser wohnte, bedeutet das, daß sie ein Zimmer gemietet hatte?«
    »Ganz genau.«
    »Konnte sie die Miete pünktlich bezahlen?«
    »Am Anfang schon. Aber dann war sie manchmal knapp bei Kasse. Ich bin ja nicht herzlos, aber ich kann schließlich kein Risiko eingehen… bei meinen Ausgaben.«
    »Verdiente Fanny Casteel denn nichts als Sängerin?« fragte Lakewood.
    »Du lieber Himmel, nein.« Sie lachte. »Sie konnte nicht besser singen als ich.«
    »Dann haben Sie ihr also gekündigt?«
    »Das war nicht nötig.«
    Camden sah zunächst Fanny an, bevor er sich wieder an Peggy Sue Martin wandte: »Wie hat sie sich denn das Geld für die Miete beschafft?«
    Peggy Sue Martin rutschte unruhig hin und her und zupfte an ihrem Pelz herum.
    »Nun, ich achte nicht sehr darauf, was in meinen Häusern passiert. Es geht mich ja auch nichts an… solange die Mieter nichts kaputtmachen und ihre Miete pünktlich bezahlen.«
    »Ja?«
    »Nun, einige Frauen hatten hin und wieder Männerbesuch.«
    »Was für Männerbesuch?« fragte Lakewood.
    »Ich habe natürlich nichts damit zu tun«, sagte Mrs. Martin schnell und sah den Richter an. Doch dem war weiterhin nichts anzumerken.
    »Mrs. Martin, sprechen wir hier vielleicht über Prostitution?«
    »Ja«, sagte sie leise.
    »Mrs. Martin, könnten Sie bitte etwas lauter sprechen«, forderte der Richter sie auf.
    »Ja«, wiederholte sie laut.
    »Und Sie wissen sicher, daß sich Fanny Casteel gelegentlich auf diese Art ihre Miete verdient hat?«
    »Ja, ganz sicher«, erwiderte Peggy Sue Martin.
    Ich erinnerte mich an die Reise, die ich zu dem heruntergekommenen Haus gemacht hatte: Die Farbe blätterte von den Wänden, und die Rouleaus waren kaputt. Wie naiv ich doch gewesen war! Ich hätte erkennen müssen, was dort geschah. Ich hätte dem hübschen Mädchen in Shorts und Trägerhemdchen ansehen müssen, was es dort trieb.
    Fanny war damals sechzehn Jahre alt gewesen und völlig auf sich allein gestellt. Sie hatte kaum genug Geld gehabt, um sich etwas zu essen zu kaufen. Ich hatte mir solche Sorgen darüber gemacht, wie Jillian und Tony reagieren würden, wenn Fanny nach Farthy käme, daß ich gar nichts bemerkt hatte. Ich hatte sie zum Essen eingeladen und versprochen, ihr Geld zu schicken. Was mit ihr passiert war, war mir nicht aufgefallen.
    Nun, jetzt kam alles heraus. Die Dinge wurden an die Öffentlichkeit gezerrt wie die Geheimnisse eines Malers, der zum ersten Mal ausgestellt hatte. Aber das war ihre eigene Schuld. Ich hatte sie gewarnt, dachte ich. Sie hätte mir Drake nicht wegnehmen dürfen.
    »Keine weiteren Fragen, Euer Ehren«, sagte Lakewood.
    Ich sah Fanny an. Ihr Ausdruck war so haßerfüllt, daß ich mich abwenden

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